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Berufe der Zukunft Warum Urban Farming ein Traumjob werden kann

Manche Berufsbezeichnungen klingen bekannt, haben aber viel mehr zu bieten, als man denkt. Von anderen Zukunftsjobs wiederum hat noch nie jemand gehört.

Von Anne Koschik |

Influencer, Data Scientist oder E-Sportler – schon mal gehört, klar! Auch Urban Farmer klingt nicht utopisch, genauso wenig wie Krypto-Währungs-Trader oder Tierpsychologe. Doch manchmal steckt mehr hinter den Berufsbezeichnungen, als vermutet. Nicht nur inhaltlich haben diese Berufe Spannendes zu bieten, darauf lassen sich in Zukunft sogar völlig neue Karrieren aufbauen. Davon jedenfalls ist Jannike Stöhr überzeugt.

Vor sechs Jahren war die heute 33-Jährige noch eine klassische Personalmanagerin in einem Industrieunternehmen. Doch nach einer Lebenskrise machte sie sich auf die Suche nach ihrer Berufung. Sie testete 30 verschiedene Jobs, machte aus ihren Erfahrungen ein Buch: „Das Traumjob-Experiment“.

Heute gibt die erfolgreiche Autorin ihr Wissen auch als Coach für verunsicherte Stellensucher weiter, die wissen wollen, wo die Reise beruflich hingehen soll. Daneben checkt sie weiterhin den Arbeitsmarkt: Inzwischen testet sie speziell Jobs der Science-fiction-Sorte. Wiederum stehen 30 Jobs auf ihrer Liste, auf die sie richtig neugierig ist.

Auf Entdeckungstour: Welche Jobs könnten in Zukunft interessant werden?

Gar nicht so einfach, denn manchmal gibt es erst sehr wenige Personen, die einen solchen Beruf von Übermorgen schon ausüben – „und manche halten ihre Tätigkeit bewusst noch geheim.“

Ihr Rat, um für die sich dramatisch wandelnde Arbeitswelt von morgen fit zu sein, die durch Megatrends wie Digitalisierung, Automatisierung, Big Data und Künstliche Intelligenz (KI) geprägt wird: Offenheit und Neugier, um Ungewohntes auszuprobieren. Stöhr: „Das Lernen in der Praxis ist aus meiner Erfahrung besser als jede Theorie.“

Für karriere.de beschreibt sie 3 x 3 Berufe, über die wir künftig mehr hören könnten.

Diesmal stellen wir die ersten drei Berufe vor: vermeintlich bekannte Jobs, die Jannike Stöhr getestet hat und bei denen sich die Rahmenbedingungen stark geändert haben.

1. Zukunftsforscherin

Was steckt dahinter?
Zukunftsforschung gibt es schon lange. Doch dieser Job wird immer wichtiger, um mit der komplexen, mehrdeutigen, schnellen und unsicheren Welt umgehen zu können.

Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es?
Neben Trend-Agenturen, Thinktanks und Zukunftsinstituten könnte es bald auch häufiger den unternehmenseigenen Zukunftsforscher geben. Er  bereitet den Innovationsberatern den Weg, in dem er sich nach Trends umschaut, analysiert, wo es welche Entwicklungen gibt, was die Konkurrenz macht, welche industrieübergreifenden Ansätze sich zeigen, welche gesellschaftliche, technischen und politischen Rahmenbedingungen sich ändern, die auf das Unternehmen  einwirken.

Wie funktioniert der Job?
Ein Fortschritts-Detektiv muss umfangreich recherchieren und viel lesen, um neue Trends aufzuspüren und zu möglichen Entwicklungen Visionen zu entwerfen. Aber das moderne Orakel muss sein Wissen für Kunden oder Kollegen auch vereinfachen und sie verständlich beraten können.

Wie groß ist der Bedarf?
mittel

Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen?
Es gibt einen Master-Studiengang an der Freien Universität in Berlin, der zum Zukunftsforscher befähigt. Aber der Job eignet sich auch für Quereinsteiger, die sich mit all ihrem Wissen in die Zukunft einbringen wollen.

Jannikes Erfahrung:
„Den Job als Zukunftsforscherin habe ich bei TrendOne in Hamburg getestet. Das ist eine Innovationsberatung für nachhaltige Zukunftsfragen. Ich habe mich dort sehr intensiv damit beschäftigt, wie man Mega-Trends über Makro-Trends auf Mikro-Trends herunterbrechen kann, um so zu Verständnis und Handlungsfähigkeit zu verhelfen. Denn die Komplexität und Tragweite aktueller Entwicklungen kann erschlagend sein.

Ob als Individuum oder Organisationen: Wenn man aktiver und gestaltender Teil der Welt sein will, muss man den Blick in die Zukunft richten.“

2. Urban Farmerin

Was steckt dahinter?
Es wird immer schwieriger, genügend Lebensmittel für alle herzustellen, die noch dazu das Klima weniger belasten. Doch viele Lebensmittel lassen sich tatsächlich auch in der Stadt produzieren, sodass zumindest lange Fahrtwege vermieden werden.

Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es?
Der Urban Farmer, oder besser gesagt, der städtische Bauer, wird zum Beispiel bei sogenannten Aquaponik-Farmen beschäftigt, in denen die Aufzucht von Fischen und Hydrokultur miteinander verbunden sind. Auch in Dachgärten, Gemeinschaftsgärten oder Genossenschaften können Urban Farmer arbeiten. Zudem bietet Vertical Farming, also die in die Höhe ausgebaute Landwirtschaft in Gebäuden neue Einsatzmöglichkeiten.

Wie funktioniert der Job?
Grundsätzlich sucht der Urban Farmer nach sehr ressourcen- und platzsparenden Möglichkeiten, um Lebensmittel in der Stadt herzustellen.  Dabei werden zum Beispiel botanische und zoologische Verfahren miteinander verknüpft, um – wie bei Aquaponik – Fischzucht neben Gemüse- und Kräuteranbau zu ermöglichen. Im vertikalen Ackerbau, der Hydroponik, schafft der Urban Farmer künstliche und wetterunabhängige Lebensbedingungen für Obst und Gemüse. Die Produktion ist ressourcenschonend, da die Lieferwege extrem verkürzt werden.

Wie groß ist der Bedarf?
groß

Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen?
Ein Urban Farmer sollte sowohl den grünen Daumen besitzen als auch unternehmerisches Geschick an den Tag legen. Voraussetzungen sind etwa ein Studium der Agrarwirtschaft, aber auch praktische Erfahrungen auf dem Feld.

Jannikes Erfahrung:
„Ich habe die Ecofriendly Farmsystems (ECF Farm) in Berlin-Schöneberg besucht. Das ist ein Start-up, das im Aquaponik-Verfahren Barsche und Basilikum züchtet. Interessant war, mit wieviel Sorgfalt und Sterilität hier gearbeitet wird und wie mit den gefilterten Ausscheidungen der Fische der Dünger für das Basilikum entsteht. Es gibt ein paar Becken für die Fische – groß wie ein Indoor-Swimmingpool – und nebenan in einem abgeschlossenen Bereich den Basilikum-Anbau.

Das Ganze ist ein Vorzeigeprojekt im Bereich Urban Farming und durch die Kreislaufwirtschaft ein zukunftsträchtiger Ansatz im Bereich der Lebensmittelproduktion.“

3. Netzwerk-Managerin

Was steckt dahinter?
Alles dreht sich um Innovationen: Infos, Kontakte und Ideen müssen geschickt miteinander verknüpft werden. In den noch vorherrschenden Silo-Strukturen von Unternehmen ist ein solches Netzwerk-Management jedoch unmöglich. Diese Silo-Strukturen gilt es zu überwinden.

Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es?
Externe Netzwerk-Manager vernetzen zum Beispiel kleine und mittlere Unternehmen einer Region gezielt miteinander. Ein Netzwerk-Profi kann aber auch in einem Unternehmen angestellt sein und eine Stabstelle oder eine Position im Personalbereich belegen. Denkbar ist aber auch, dass künftig Co-Working Space-Betreiber einen Netzwerk-Manager beschäftigen, der dafür sorgt, dass die einzelnen freischaffenden Büronutzer auf Zeit zueinander finden, um voneinander zu profitieren.

Wie funktioniert der Job?
Netzwerk-Manager sind Sammler. Sie brauchen ständig neue Informationen, Kontakte, Ideen. Dann kombinieren und vernetzen sie diese miteinander. Dadurch gelingt es, wirkliche Innovationen zu realisieren.

Wie groß ist der Bedarf?
Mittel

Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen?
Eine spezielle Ausbildung ist nicht notwendig. Aber Kenntnisse darüber, wie ein Unternehmen aufgebaut ist, welche Bereiche und Funktionen es gibt, sollten zwingend vorhanden sein. Netzwerk-Manager benötigen Empathie, ein gutes Gespür für Menschen, Intuition, Neugier. Und sie müssen einfach der Netzwerker-Typ mit vielen Kontakten sein, sonst wird das nichts.

Jannikes Erfahrung:
„In den Job durfte ich bei Business Upper Austria hineinschnuppern. Das ist ein sehr erfolgreiches Netzwerk für regionale Unternehmen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Widerstandsfähigkeit und Krisenfestigkeit einer Region zu fördern. Dort habe ich gelernt, welche Mühen und Aufwand es braucht, um Geschäfts-Kooperationen in unserer schnelllebigen Zeit zum Erfolg zu führen. Denn es geht einerseits darum, die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen in der Region zu bewahren und andererseits, Innovationen gemeinsam hervorzubringen.

Ohne Kooperationen geht nichts mehr, das muss stabil vorangetrieben werden. Damit Kooperationen im Alltagsgeschäft nicht untergehen, benötigen Unternehmen jemanden, der die Verantwortung für sie übernimmt.“

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