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Berufe der Zukunft | Teil 3 Dank künstlicher Intelligenz nach dem Tod weiterleben

Es gibt Jobs, die wünscht man sich herbei. Manches ist unvorstellbar, aber bereits in der Entwicklung. Zukunftsjob-Testerin Jannike Stöhr gibt Einblicke.

Von Anne Koschik |

Selbst der Name klingt nach Fantasy: After Life Designerin. Oder Space-Stewardess. Dagegen ist es nicht schwer, sich unter einem Einsamkeitscoach etwas Sinnvolles auch für die Gegenwart vorzustellen – gerade in Coronoazeiten, wo viele in die Abgeschiedenheit gezwungen werden. Die ehemalige Personalmanagerin und heutige Zukunftsjob-Testerin hat sich intensiver mit diesen Jobs, die bislang noch nicht als Berufe existieren, befasst.

1. After Life Designerin

Was steckt dahinter?
Jemand, der Menschen nach ihrem Tod digital weiterleben lässt: Per Chatbot und Künstlicher Intelligenz (KI) entstehen Hologramme oder womöglich sogar computergesteuerte Roboter, die den Hinterbliebenen simulieren, dass der Verstorbene noch da ist.  

Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es?
Experte in spezialisierten After-Life-Firmen

Wie funktioniert der Job?
Dazu muss Software programmiert werden, die die verstorbene Person simuliert, also ihre Art zu kommunizieren und ihre typischen Bewegungen und Verhaltensweisen.

Wie groß ist der Bedarf?
Klein bis mittel: Entscheidend wird sein, wie „salonfähig“ das Ganze wird.

Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen?
Verständnis von Kommunikation und KI, gute Programmierkenntnisse, Einfühlungsvermögen

Jannikes Erfahrung:
Mit Hossein Rahnama, einem Forscher der US-Forschungseinrichtung  Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, habe ich auf einer Konferenz über dessen Idee sinniert, Menschen zur Unsterblichkeit zu verhelfen, indem ihre Hinterbliebenen mit ihnen dank KI über den Tod hinaus kommunizieren können. Üb er seine Forschubgsergebnisse werde ich mich in Kürze auch noch vor Ort informieren.

Ich persönlich finde diese Entwicklungen bedenkenswert. Wer in so emotionale Prozesse, wie das Trauern eingreift, übernimmt meiner Meinung nach eine enorme Verantwortung, die kaum tragbar ist. 

2. Space Stewardess

Was steckt dahinter?
Space-Tourismus bis zum Mars: Da braucht es Menschen, die die Touristen auf dem Flug ins All begleiten und bewirten.

Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es?
Private Raumfahrt-Industrie

Wie funktioniert der Job?
Wie der eines klassischen Flugbegleiters. Space Stewards oder Stewardessen sorgen für das körperliche und seelische Wohl der Gäste und erledigen bestimmte Aufgaben für die Crew, um deren Mitglieder zu entlasten.

Wie groß ist der Bedarf?
Klein

Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen?
Astronauten-Training, körperliche Fitness, Serviceorientierung

Jannikes Erfahrung:
Ich finde die Idee faszinierend. Schon als Kind wollte ich selbst Astronautin werden. Ich habe später ironischerweise aber festgestellt, dass ich unter Flugangst leide. In Russland, aber auch in den USA sind erste Anbieter von Weltraum-Reisen aktiv. Extra-Personal für diese Kurzflüge ist zurzeit noch nicht nötig. Bislang ist auch noch keine touristische Mission zum Mars in Sicht. Ein Selbsttest war deshalb noch nicht möglich. Ich habe aber aktiv Kontakt zum amerikanischen SpaceX-Projekt aufgenommen, das vom Technik-Pionier Elon Musk vorangetrieben wird.

Klimatechnisch halte ich solche Raumfahrten für fragwürdig. Aber die Besiedelung anderer Planeten ist nicht mehr ausgeschlossen. Von daher ist die Flugbegleitung ins Universum ein wachsendes Berufsfeld.

3. Einsamkeits-Coach

Was steckt dahinter?
Der Trend der Individualisierung ist deutlich spürbar und auch eine damit einhergehende Vereinsamung. Um dem entgegenzuwirken, kann man zum Beispiel in Japan „Freunde“ mieten und in Großbritannien gibt es schon eine Extra-Ministerin, die sich um das Thema Einsamkeit kümmert.

Denn Einsamkeit verursacht hohe Kosten: Sie ist Ursache für viele Krankheiten, nicht nur psychische, sondern soll auch Krebs oder Demenz fördern. Führungskräfte, alte Menschen und Jugendliche sind besonders oft betroffen von Einsamkeit. Jugendliche vor allem wegen ihrer Fokussierung auf soziale Medien und ihrer fehlenden Kontakte im realen Leben.

Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es?
Krankenhäuser, Reha-Zentren, Staatsdienst, Selbstständigkeit

Wie funktioniert der Job?
Es gibt bereits Coachs gegen Einsamkeit in Führungspositionen. Denn an der Spitze steht man oft alleine da – und es fehlen Menschen, mit denen man sich ehrlich und authentisch über Wichtiges und Persönliches austauschen kann. Ein spezialisierter Coach kann hier Abhilfe schaffen. Ob es in Deutschland wie in Japan zu „Mietfreunden“ kommt, bleibt abzuwarten.

Wie groß ist der Bedarf?
Noch gering, aber ausbaufähig

Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen?
Einfühlungsvermögen und die Eigenschaft, gut zuhören zu können

Jannikes Erfahrung:
Ich habe mich telefonisch und schriftlich bereits intensiv mit einer Einsamkeits-Coachin in Süddeutschland ausgetauscht, die sich in ihrem Job schon ausprobiert. Ich will das auch noch praktisch testen. Das ist aber nicht einfach, denn die Menschen zeigen sich dort sehr verletzlich. Was sie sonst nicht tun, weil sie ja keinen Kontakt mit anderen haben. 

Jetzt in der Coronakrise sehen wir aktuell, was soziale Distanz mit uns macht. Und das gilt gerade nur für eine begrenzte Zeit. Für manche Menschen ist Einsamkeit aber das ganze Leben Realität. Sehr traurig: Das macht krank und psychisch labil. Jeder will doch geliebt werden oder Zugehörigkeit verspüren. Es ist wichtig, dass es Coaches gibt, die diesen Menschen helfen, wieder Zugang zu anderen zu finden und sich zu öffnen.

Generell finde ich es gut, dass sich dieser Beruf entwickelt, denn ich sehe hier wirklich ein riesiges Problem. Es ist dringend an der Zeit gegenzulenken. Durch die Coronakrise haben wir die alle Chance, dem entgegenzuwirken. Es sind zum Beispiel schon tolle Nachbarschaftsinitiativen entstanden. Vielleicht braucht es den Job ja nur noch in Einzelfällen.

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