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Tech-Berufe für Frauen Warum Frauen den Beruf Data Scientist meiden

Viele Absolventinnen könnten als Datenexperten arbeiten. Doch Unternehmen übersehen bei der Jobvergabe etwas Wichtiges.

Von Anne Koschik |

Warum Frauen den Beruf Data Scientist meiden

Datenexperten werden stark gesucht

Zu weniger Absolventinnen fühlen sich über den Beruf des Data Scientist ausreichend informiert.

Foto: Science in HD/ Unsplash

Informationstechnik, Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung – mit diesen Themen muss sich auskennen, wer als Data Scientist Karriere machen will. Doch mit dem Anteil der Frauen in diesem Berufsfeld sieht es schlecht aus. Dabei machen gut 30 Prozent der Frauen in MINT-Studienfächern – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – ihren Abschluss. Bei der Berufswahl überlegen es sich die MINT-Absolventinnen anscheinend nochmal anders.

Die Realität zeigt: In MINT-Berufen arbeitet nur ein Viertel Frauen. Bei den Data Scientists bleiben nur noch 15 bis 22 Prozent übrig.  

Warum das so ist, hat eine globale Studie der Boston Consulting Group, herausgefunden. In einer Befragung von 9000 MINT-Studierenden und Alumni stellten sie fest, dass insbesondere Frauen, aber auch Männer negative Vorstellungen über Data Science Jobs haben.

Das passt nicht zu den Anforderungen der Wirtschaft: „Data Science ist eine der am stärksten wachsenden Berufsfelder in Unternehmen auf der ganzen Welt“, schreiben die Studienautoren. Aber nicht einmal ein Sechstel der in diesem Bereich arbeitenden Berufstägigen sei weiblich.

Diese ungleiche Verteilung der Geschlechter sehen sie als „signifikante Bedrohung für nachhaltiges Wachstum“, speziell wenn es um den Einsatz vorurteilsfreier, sicherer künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmen geht. Denn KI muss erstmal von Menschen erstellt werden. Sind diese zu homogen, können sich schneller Vorurteile und Diskriminierung in den Code einschleichen: „Bei der Data Science geht es darum, Daten in Erkenntnisse zu übersetzen. Wenn diese Übersetzer nicht divers sind, können die Erkenntnisse gefährlich einseitig werden“, betont Jörg Erlebach, Europachef BCG Gamma.

Hemmendes Vorurteil: Der Job als Data-Scientist hat wenig Sinn

Die Gründe für das Imageproblem sind vielfältig. So gaben mehr als die Hälfte der in Deutschland befragten Studienteilnehmer und -teilnehmerinnen an, dass ihnen entsprechende Jobs in Unternehmen

• zu abstrakt,
• zu theoretisch,
• zu konkurrenzbelastet,
• zu wenig inklusiv sind – und
• ihnen der Purpose – die Sinnhaftigkeit – fehlt.

Laut Studie sind diese Gründe für Frauen bei der Jobwahl entscheidender als für Männer. Es zeigt sich ganz klar, dass sich rund neun von zehn Berufseinsteigerinnen aus dem MINT-Bereich einen Job mit gesellschaftlichem Einfluss und klarer Wertschöpfung anstatt abstraktem Coding wünschen.

Tatsächlich spielt das auch bei männlichen Absolventen eine Rolle – allerdings in weniger großem Ausmaß: Knapp zwei Drittel lassen sich von solchen negativen Vorstellungen bei der Berufswahl leiten und entscheiden sich gegen einen Job als Data Scientist.  

Unternehmen buhlen um Data Scientists

Aktuell sind über 700 Stellen in Deutschland im Bereich Data Science ausgeschrieben – davon einige sicher mehrfach. Konzerne suchen ebenso nach diesen Fachkräften wie Mittelständler aus allen Branchen. Auch die Bundesagentur für Arbeit selbst – ihr IT-Systemhaus,  um genau zu sein – hat Bedarf.

Die meisten brauchen Data Scientisten ab sofort – idealerweise mit Erfahrung. Im Kampf um die Köpfe bieten Unternehmen viel an: Flexible Arbeitszeiten, ausgewogene Work-Life-Balance und dialogische Unternehmenskultur „auf Augenhöhe“ verspricht zum Beispiel dmTech, die IT-Tochter des dm-Drogeriemarktes. Hinzu kommen Urlaubs- und Weihnachtsgeld, auch an die betriebliche Altersvorsorge ist gedacht.

Zielgerichtete Weiterbildung ist im Angebot bei der Deutschen Bundesbank. Sogar die Möglichkeit einer späteren Verbeamtung für besonders leistungsstarke Beschäftigte wird in Aussicht gestellt.

Die Deutsche Bahn sucht IT-Personal für ein neues vom Bund gefördertes Ressortprojekt, in dem wissenschaftliche Modelle entwickelt werden. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY sucht im Bereich Risiko- und Governancefunktionen; das Statistik-Portal statista wirbt mit dem Entrepreneurial Spirit und sehr guten Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten um Data Scientists.

Und um die ganze Bandbreite der Branchen zu vervollständigen, gibt es außerdem Stellenangebote von Red Bull, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, dem Tourismuskonzern TUI, der Lufthansa Group, dem Logistikunternehmen Dachser, der Allianz oder von Bayer.

Bedarf nach mehr Informationen über den Beruf des Data Scientist

Um all diese Stellen zu besetzen, sind Unternehmen gut beraten, auf die Bedürfnisse der MINT-Absolventinnen verstärkt einzugehen, wie die BCG-Studie aktuell zeigt. Denn im weltweiten Vergleich befinden sich deutsche MINT-Studentinnen in einem Info-Gap – und damit eindeutig im Nachteil zur internationalen Konkurrenz. Das heißt: Nur 39 Prozent der deutschen MINT-Studentinnen sind der Überzeugung, einen realistischen Einblick in den Berufsalltag von Data Scientists zu haben.

Global fühlen sich hingegen 63 Prozent der Studentinnen gut über ihre Karriereoptionen im Bereich Data Science informiert.

Unternehmen haben – so die Studienergebnisse – offensichtlich bislang zu wenig erkannt, dass es nicht ausreicht, immer nur die technische Seite der Datenwissenschaft zu betonen. Wollen sie die gut ausgebildeten Frauen ansprechen, sollte sie auch praktische und kulturellen Probleme sichtbar machen.

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