Sie schreiben Dutzende Bewerbungen und finden doch keinen Job: Absolventen haben es derzeit schwer auf dem Arbeitsmarkt. Die Krise macht viele Hoffnungen zunichte. Ein paar Tipps, wie der Start ins Berufsleben gelingen kann, gibt es für Bewerber trotzdem.
Jeden Morgen das gleiche Ritual: Mails checken, die großen Online-Stellenbörsen nach neuen Jobangeboten durchforsten und dann Bewerbungen fertig machen. Immer und immer wieder. So sah in den letzten Monaten der Alltag von Ilja Doroschenko aus. Im Juni hat der 28-Jährige sein Studium abgeschlossen und seitdem mehr als 80 Bewerbungen geschrieben, überwiegend an Consultingfirmen: "Unternehmensberater oder Produktmanager bei einem Start-up - das wären meine Traumjobs", erzählt der Frankfurter, der Amerikanistik, Betriebs- und Volkswirtschaft studiert hat und fließend Russisch spricht. "Immerhin hatte ich in den letzten Wochen einige Vorstellungsgespräche." Das lässt Doroschenko hoffen.Ein gutes Studium, die richtigen Praktika, Auslandserfahrung - und trotzdem arbeitslos. So geht es derzeit vielen Hochschulabsolventen. Die Krise hat junge Akademiker ganz schön erwischt. "Die Einstellungszahlen von Hochschulabsolventen sind regelrecht eingebrochen - und haben sich von 2008 bis 2009 halbiert", sagt Jens Ohle, Geschäftsführer des Personaldienstleisters Access.Junge Akademiker sind stark betroffenWährend Akademiker mit Berufserfahrung bisher der Krise noch trotzen können, hat sie Berufseinsteiger voll im Griff: So waren im August 2009 bei den Agenturen für Arbeit im Schnitt rund 27 Prozent mehr arbeitslose Hochschulabsolventen zwischen 25 und 34 Jahren registriert als im Vorjahr - insgesamt knapp 50000. Ein Grund: Von den aktuellen Kündigungswellen sind junge Akademiker durch kürzere Kündigungsfristen und geringere Betriebszugehörigkeit öfter betroffen als ältere. Außerdem startet das Gros der Berufseinsteiger mittlerweile mit befristeten Verträgen. "Und die werden natürlich in der Krise häufig nicht verlängert", sagt Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg.Einen neuen Job zu finden, ist derzeit schwer. Die Zahl der Stellenangebote für Hochschulabsolventen ist laut Stellenindex der Personalvermittlung Adecco in den ersten neun Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um rund 38 Prozent zurückgegangen. Und auch für das nächste Jahr planen die Unternehmen ihre Einstellungen sehr konservativ. Betroffen ist vor allem die Automobil- und Zulieferindustrie und die Beratungsbranche - da wird es nach Einschätzung von Arbeitsmarktexperte Jens Ohle auch 2010 kaum Neueinstellungen geben. Relativ stabil ist die Nachfrage nach Berufseinsteigern dagegen noch in der Pharma- oder Energiebranche und im Handel. Generell gilt: "Je unattraktiver das Image einer Branche, desto größer sind aktuell die Chancen", so Ohle.Bewerbungstraining bei der ArbeitsagenturViele Berufsgruppen, die bisher vom Arbeitsmarkt sehr verwöhnt waren, trifft die Krise besonders hart: So ging die Zahl der offenen Stellen für Ingenieure je nach Fachbereich zwischen 57 und 69 Prozent zurück; für Informatiker und Betriebswirte gibt es nur noch halb so viele freie Jobs wie 2008. Ein Trend, den auch Ralf Beckmann von der Arbeitsagentur beobachtet: "Ingenieure oder Unternehmensberater waren bisher nur selten von Arbeitslosigkeit betroffen", sagt der Arbeitsmarktexperte. Das hat sich geändert. Viele junge Akademiker melden sich nach dem Studium arbeitslos und nehmen an Bewerbungstrainings der Arbeitsagentur teil.Wer derzeit mit dem Studium fertig wird, muss sich auf eine wesentlich längere Jobsuche gefasst machen. "Locker 70 bis 80 Bewerbungen muss der Durchschnittsabsolvent schreiben", schätzt Thomas Rübel, Geschäftsführer und Berater beim Büro für Berufsstrategie. Entsprechend viele Absagen hagelt es. Und wie zermürbend das sein kann, hat Ilja Doroschenko in den vergangenen Monaten nur allzu oft gespürt: Schon mehrmals war der Jobeinstieg zum Greifen nahe, hatte es der 28-Jährige bis in die letzten Auswahlrunden geschafft - um dann kurz vorm Ziel zu scheitern. "Das sind natürlich herbe Enttäuschungen, vor allem, wenn man dachte, dass ist echt die perfekte Position für mich", erzählt der Absolvent. "An so einer Absage hatte ich schon ein oder zwei Tage echt zu knabbern."
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