Unternehmenssport Fitness erobert den Büroalltag

Sport direkt am Arbeitsplatz: Viele Unternehmen wollen ihre Angestellten mit Yoga in der Mittagspause und eigenen Fitnessstudios beglücken. Die Investitionen lohnen sich.

von Felix Ehrenfried, wiwo.de | , aktualisiert

Fitness erobert den Büroalltag

Foto: Robert Kneschke/Fotolia.com

Deutschlands arbeitende Bevölkerung wird immer älter: Während vor rund fünf Jahren der Altersdurchschnitt in Deutschland bei rund 41 Jahren lag, wird dieser Wert zehn Jahre später, im Jahre 2019 schon bei rund 46 Jahren liegen, wie eine Prognose des Statistischen Bundesamtes verrät.

Gemeinsam fit bleiben

Die Konsequenz für deutsche Unternehmen: Die Belegschaften werden älter, und die Auswahl auf dem Arbeitsmarkt wird geringer. "Dieser demographische Wandel macht es für viele Firmen einfach unerlässlich, ihre Mitarbeiter fit zu halten", erklärt Stefan Buchner, Geschäftsführer der UBGM (Unternehmensberatung für betriebliches Gesundheitsmanagement).

Daher bieten immer mehr deutsche Unternehmen ihren Mitarbeitern ein Fitnessprogramm an, das sie während der Arbeitszeit besuchen können. Dabei reicht das Angebot vom gemeinsamen Joggen in der Mittagspause, über Personal Trainer die durchs Büro ziehen und kleine Übungen mit willigen Arbeitnehmern machen, bis hin zu firmeneigenen Fitnessstudios.

Unternehmensfitness

Dass fitte Mitarbeiter immer wichtiger werden, erkennt auch eine Studie der Unternehmensberatung Booz im Auftrag der Felix-Burda-Stiftung: Die Alterung in Deutschland macht es für viele Unternehmen unerlässlich, mehr in die Fitness der Mitarbeiter zu investieren.

Sie stellt eine enorme Steigerung des Sportangebots für Mitarbeiter während der Arbeitszeit, im Fachjargon Unternehmensfitness fest. "In den letzten Jahren hat sich das Angebot an Unternehmensfitness hierzulande ungefähr vervierfacht", schätzt Uwe Tronnier. Er ist Präsident des Deutschen Betriebssportverbands, in dem mehr als 4600 deutsche Unternehmen mit ihrem Sportangebot Verbandsmitglied sind.

"Befragt man die Mitarbeiter, träumen viele natürlich von einem eigenen Fitnessstudio im Unternehmen", sagt Stefan Buchner. Doch geht es auch viel einfacher. In vielen Unternehmen gibt es Mitarbeiter, die ohnehin in ihrer Freizeit sportlich aktiv sind, oftmals sogar einen Trainerschein in ihrer Disziplin haben.

Mit einem entsprechenden Ausgleich kann man dann die Mitarbeiter mit solch einem Trainerschein motivieren, für die eigenen Belegschaft zur Verfügung zu stehen", sagt Buchner. Auch könnten motivierte Geschäftsführer kleine Angebote in der Mittagspause, wie eine gemeinsame Joggingrunde, Yogatraining oder Gymnastik mit relativ wenig Aufwand und Kosten umsetzen. 

Bewegung im Arbeitsalltag 

"Eine weitere Variante ist ein Fitnesstrainer, der ein bis zwei Mal in der Woche kommt, durchs Büro läuft und mit den Mitarbeiter kurze Übungen, direkt am Arbeitsplatz macht", sagt Buchner.

Ein ähnliches Konzept hat der Autokonzern Daimler AG vor einiger Zeit umgesetzt. Hinter dem Namen "Kraftwerk-Mobil" versteckt sich hier ein kleines Fitnessstudio auf Rädern, das durch die Mercedes-Benz Werke tourt. "Hier können Sie als Mitarbeiter unter professioneller Betreuung direkt während der Arbeitszeit Übungen machen um ihre Rumpfmuskulatur zu stärken", erklärt Frank Wagner, Betriebsarzt bei Daimler. So könnten beispielsweise auch Bandarbeiter einfach während der Arbeitszeit etwas für ihre Fitness tun, ohne dabei ihren Arbeitsplatz lange verlassen zu müssen.

Flexibles Zeitmanagement

Gerade diese Zeitersparnis sei eine Motivation für viele Mitarbeiter, Fitnessangebote direkt im Unternehmen in Anspruch zu nehmen, glaubt Stefan Buchner: "Wer jeden Tag noch eine halbe Stunde ins Fitnessstudio fahren muss, nur um ein paar Übungen zu machen, überlegt es sich dann zweimal ob er das nicht lieber direkt im Unternehmen, während der Arbeitszeit macht."

Und auch Frank Wagner von Daimler ist sich sicher: "Je einfacher Sie es dem Mitarbeiter machen, etwas für seine Fitness zu tun, desto besser wird das Angebot auch angenommen." So steckt hinter dem Trend zur Unternehmensfitness eine Entwicklung, die generell im Lebenswandel vieler Menschen zu beobachten ist: Die Zeit möglichst effizient ausnutzen. Wieso den Feierabend für Sport opfern, wenn ich das doch direkt während der Arbeitszeit erledigen kann?

Doch die große Begeisterung ist oft schnell verpufft: "Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass am Anfang immer alle Mitarbeiter begeistert 'Ja' schreien, wenn es um die Einführung von solchen Sportangeboten geht." Sobald der Fitnesstrainer dann aber regelmäßig ins Haus kommt, hätten viele Mitarbeiter Vorwände, das Sportangebot nicht zu nutzen.

"Das Hauptargument lautet dann häufig: Keine Zeit", sagt Buchner. Die Geschäftsführung müsse dann klar machen, dass Sport während der Arbeitszeit wichtig und gewünscht ist. "Dann müssen Sie als Boss demonstrativ voran gehen, in der Mittagspause eine Runde joggen oder auch den Mitarbeitern im Gespräch erklären, dass eine Sportpause während der Arbeitszeit auch gut für die Produktivität ist."

Subtile Motivation

Daneben gebe es zahlreiche Möglichkeiten, Mitarbeiter indirekt zum Sporteln am Arbeitsplatz zu bewegen: Als Weihnachtsgeschenk Pulsmesser für die ganze Belegschaft spendieren oder Schilder an der Fahrstuhltür anbringen, die zeigen, wie viele Kalorien man verbrennt, wenn man läuft statt zu fahren.

"Leute die per se keinen Sport machen wollen, bekommt man auch nicht", erklärt Buchner. Unternehmensfitness ist für diejenigen gedacht, die ihren inneren Schweinehund zu mehr Sport schwer überwinden können. Wenn ihnen das Sportangebot dann direkt am Arbeitsplatz auf dem Präsentierteller vorgesetzt wird, sei die Überwindung viel geringer als nach Feierabend, glaubt Buchner.

Gewinn für alle

Der Einwand "Ich habe keine Zeit" ist jedenfalls nur kurzfristig richtig. "Ich glaube, dass Mitarbeiter die 30 Minuten ihrer Arbeitszeit für eine Sportpause opfern, diese Zeit schon am Tagesende wieder rein gearbeitet haben, da sie dank des Ausgleichs einfach schneller sind", sagt Buchner.

"Wenn sie Sport betreiben, fühlen sie sich wohler, haben mehr Spaß bei der Arbeit und sind letztendlich auch produktiver." Die Studie von Booz gibt Buchner recht. Die Autoren haben errechnet, dass jeder Euro, den Unternehmen in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren, sich mehrfach auszahlt, im Schnitt rund fünf Mal. Auch Frank Wagner von Daimler erklärt: "Unternehmensfitness zahlt sich definitiv aus."

Mitarbeiter, die etwas für ihre Fitness tun, sind messbar seltener krank. Das sei manch einem jedoch noch nicht richtig bewusst. "Auch wenn ich mich gesund fühle, heißt das nicht, dass ich nichts für meinen Körper tun muss", erklärt Wagner. Denn während in vielen Betrieben in der Vergangenheit häufig der Arzt erst verständigt wurde, wenn die Erkrankung schon da war, will man es heute gar nicht mehr so weit kommen lassen und setzt auf Vorsorge, zu der auch der Sport am Arbeitsplatz zählt.

So spricht vieles für Sport direkt am Arbeitsplatz. Unternehmen die sich um die Gesundheit ihrer Belegschaft kümmern, haben fittere und motiviertere Mitarbeiter, die auch im fortgeschrittenen Alter noch leistungsfähig sind. Hinzu kommt, dass Unternehmen mit Sportangebot gerade für jüngere Mitarbeiter attraktiver sind.

Viele Vorteile

"Da gewinnen sie doppelt: Ihre Mitarbeiter können länger arbeiten, außerdem sind sie für den Nachwuchs attraktiv", sagt Tronnier. Außerdem verbessere sich durch Sport am Arbeitsplatz direkt das Betriebsklima, glaubt der Verbandspräsident: "Wenn ich mit meinem Kollegen in der Mittagspause joggen gehe, fällt es mir später viel einfacher Probleme zu besprechen."

All diesen Argumenten zum Trotz bieten bisher nach Buchners Schätzung erst maximal 20 Prozent der deutschen Betriebe ihren Mitarbeitern ein Sportprogramm. Bei den anderen sei man sich der Vorteile eines solchen Angebotes nicht bewusst. "Hier glauben die Unternehmen entweder, dass es ihnen zu gut gehe, als dass sie es brauchen oder aber dass es ihnen zu schlecht gehe, als dass sie es bezahlen könnten."

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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