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Fachkräftebarometer Nicht-Akademiker sind unzufriedener im Job, bleiben ihrem Arbeitgeber aber treu

Wie viele Fachkräfte ohne Studienabschluss wirklich einen Job suchen, was ihre Bedürfnisse sind und wo sie arbeiten wollen.

Von Anne Koschik |

Zufriedenheit mit dem Arbeitgeber, Wechselbereitschaft, Gehaltswünsche – das stand beim Fachkräftebarometer 2019 des Trendence-Instituts ganz vorne.  

Die Studie, die karriere.de exklusiv vorliegt, geht aber auch der Frage nach, wie sich gut ausgebildete, aber nicht-akademische Fachkräfte in ihren Erwartungen und Forderungen an den Job von Young Professionals mit akademischem Hintergrund unterscheiden.

Insgesamt hat Trendence in der Zeit von Juni bis August 2019 mehr als 21.000 ausgebildete, nicht-akademische Fachkräfte in Deutschland für die Studie befragt.

Hier sind die wichtigsten Ergebnisse der Umfrage:

1. Nicht-Akademiker unzufriedener als Akademiker

Wer zufrieden ist, empfiehlt sein Unternehmen weiter. Die Daten zeigen: Fachkräfte, die kein Studium absolviert haben, sind weniger mit ihrer Jobsituation zufrieden als Fachkräfte mit akademischem Hintergrund.

Als sehr zufrieden bezeichnet sich nur etwa ein Fünftel der nicht-akademischen Fachkräfte. Besonders mies ist die Stimmung im stationären und digitalen Handel, bei Angestellten des Konsumgüterbereichs, im Maschinen- und Anlagenbau, der Luft- und Raumfahrt sowie in Consulting, bei Steuerberatungen und Wirtschaftsprüfungen.

Am meisten können sich hingegen ohne Studium ITler und Mitarbeiter der Energie-, Versorger- und Umweltbranche für ihre Unternehmen begeistern.

Gründe für die Unzufriedenheit sind:

Gehalt: Fast die Hälfte der befragten Nicht-Akademiker hält das eigene Gehalt für zu gering. Am gravierendsten ist die Unzufriedenheit mit dem Gehalt im Konsumgüterbereich, wo mehr als die Hälfte der Angestellten der Meinung ist, nicht angemessen für ihre Leistungen bezahlt zu werden. Dicht gefolgt von den Mitarbeitern in Transport; Logistik und Tourismus, die sich ebenfalls zu fast 50 Prozent ungerecht vergütet fühlen.

Führungsverhalten: Schlechter Führungsstil fällt besonders im Öffentlichen Sektor negativ ins Gewicht: Knapp zwei Drittel der dort Beschäftigten zeigen sich mit dem Verhalten ihres Vorgesetzten unzufrieden. Ebenfalls unglücklich sind Mitarbeiter in IT- und Telekommunikation sowie in den IT-Dienstleistungen. Und knapp die Hälfte der Angestellten aus dem Automobilbereich kann dem Verhalten der Chefs wenig Gutes abgewinnen.  

Wertschätzung: Wer Anerkennung für seine Arbeit erhält, geht motivierter an die Sache. Unter Nicht-Akademikern fühlt sich rund ein Drittel der Fachkräfte nicht wertgeschätzt. Auffällig ist die mangelnde Anerkennung in Banken und Versicherungen: Fast die Hälfte der Angestellten sieht hier Probleme. Eine Besonderheit: Digital Natives fühlen sich um ein Vielfaches mehr wertgeschätzt als ihre weniger digitalaffinen Kollegen.

Stress: Nicht-akademische Fachkräfte fühlen sich gestresster als ihre Akademiker-Kollegen, obwohl letztere auf mehr Stresstage pro Woche kommen. Am stärksten belastet über alle Branchen hinweg scheinen die Mitarbeiter in Handel und E-Commerce zu sein: Ihr Stresspegel geht innerhalb einer Woche am stärksten in die Höhe.

2. 10.000 Euro machen den Unterschied

Fachkräfte wissen auch ohne Studienabschluss mittlerweile genau um ihren Marktwerkt. Entsprechend nimmt das Thema Gehalt bei ihnen den höchsten Stellenwert ein. Weniger wichtig sind ihnen Arbeitsinhalte. Wer also nicht marktgerecht zahlt, kann das bei Nicht-Akademikern kaum durch andere Faktoren ausgleichen.

Zwischen zufriedenen und unzufriedenen Fachkräften liegen fast 10.000 Euro Gehaltsunterschied. Im Durchschnitt kamen die befragten Nicht-Akademiker auf circa 39.200 Euro Jahresgehalt. Männer sind mit durchschnittlich 44.500 Euro bessergestellt als Frauen, die es im Jahresdurchschnitt auf rund 36.200 Euro bringen.

Zwischen 60.000 und 70.000 Euro verdienten nicht einmal fünf Prozent der Befragten. Zum Vergleich: Young Professionals mit Hochschulabschluss erreichen über alle Branchen hinweg im Durchschnitt knapp 63.000 Euro.

Unternehmen, die ihren Fachkräften – auch ohne abgeschlossenes Studium – eine sichere und fair bezahlte Anstellung bieten, sind daher besonders beliebt.

3. Nicht-Akademiker haben ein hohes Sicherheitsbedürfnis

Knapp 70 Prozent der befragten Nicht-Akademiker legen größten Wert auf einen sicheren Arbeitsplatz. Interessant in diesem Zusammenhang: Obwohl Nicht-Akademiker ihr Unternehmen seltener weiterempfehlen als Akademiker, unzufriedener im Job sind und mehr Stress im Job erleben, gibt es bei den Fachkräften weniger Fluktuation. Von den befragten Nicht-Akademikern waren nur knapp 15 Prozent aktiv auf der Suche nach einem Job.

Bei den Young Professionals mit Studienabschluss zeigt sich ein ganz anderes Bild: Nur 37 Prozent der Akademiker legen viel Wert auf die Sicherheit der Anstellung. Die Nachfrage ist groß und die Ansprüche der Bewerber an Gehälter und Work-Life-Balance werden bereits vielerorts befriedigt.

4. Verlässliche Arbeitgeber bevorzugt

Unter den Top-Arbeitgebern tummeln sich Großkonzerne aus der Automobilbranche, wie  Audi, BMW oder der Zulieferer Bosch (Plätze 1 bis 3) neben Arbeitgebern aus dem Gesundheitsbereich (DRK auf Platz 4, Caritas und Diakonie auf Platz 8 und 9) und jenen aus dem Öffentlichen Sektor (ARD: Platz 14, DLR: Platz 15, Zoll und Polizei: Platz 17 bzw. 18).

Ganz unten rangieren Banken und Versicherungen, Steuerberatungen und Wirtschaftsprüfer sowie die IT-Branche.

5. Das klassische Rollenbild dominiert

Frauen, die Nicht-Akademiker sind, arbeiten mit einem Anteil von knapp 30 Prozent deutlich häufiger Teilzeit als dies bei Akademikerinnen der Fall ist: Hier sind nur 13,1 Prozent der weiblichen Angestellten mit verringerter Stundenzahl aktiv.

Männliche Akademiker arbeiten zu 5,8 Prozent in Teilzeit, wohingegen nur 2,8 Prozent der nicht-akademischen männlichen Fachkräfte auf den Vollzeitjob verzichten will.

Außerdem sind Nicht-Akademiker-Frauen doppelt so häufig wie Nicht-Akademiker-Männer in befristeten Arbeitsverhältnissen (12,1 Prozent bei Frauen versus 6,6 Prozent bei Männern) tätig. Üblicher scheinen befristete Jobs hingegen für studierte Young Professionals zu sein, was an zunehmend verbreiteter Projektarbeit liegen dürfte. Männer mit akademischem Hintergrund arbeiten zu 10,3 Prozent befristet, Frauen kommen auf vier Prozentpunkte mehr.

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