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Arbeiten in Österreich Gute Aussichten für deutsche Arbeitssuchende

Viele deutsche Staatsbürger suchen ihr berufliches wie ihr privates Glück im benachbarten Österreich: Sie bilden damit den größten Anteil der Einwanderer.

Von Anne Koschik |

Österreich ist eines der begehrtesten Länder für deutsche Auswanderer, um dort zu arbeiten und zu leben. Große Konzerne findet man hier jedoch weniger. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen dominieren das Land.

Die wichtigsten Industriezweige sind die Nahrungs- und Genussmittelindustrie, Maschinen- und Stahlbau, Chemie- und Fahrzeugindustrie, Elektro- und Elektronikindustrie sowie die Holz- und Papierbranche.

Insgesamt arbeiten in Österreich 4,3 Millionen Menschen. In der Erwerbstätigengruppe der 15- bis 64-Jährigen sind 73 Prozent beschäftigt. Die Teilzeitquote liegt bei knapp 30 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt 8,7 Prozent, wobei Wien mit einer Quote von 12,3 Prozent heraussticht.

Arbeitsverträge können schriftlich, mündlich oder durch eine schlüssige Handlung – also Beginn einer Tätigkeit mit Bezahlung – abgeschlossen werden. Wichtig zu wissen: Gibt es keinen schriftlichen Arbeitsvertrag, muss der Arbeitgeber einen „Dienstzettel“ mit den wichtigsten Daten und Vereinbarungen ausstellen.

Doch welche Unternehmen in Österreich stellen Ausländer, also Deutsche, ein?

Kurz gesagt: Alle. Deutsche gelten als gut integriert, verfügen über ähnliche Ausbildungswege und Qualifikationen und haben auch keine großen Sprachbarrieren zu überwinden. Österreichische Arbeitgeber nehmen deutsche Mitarbeiter als hoch motiviert, engagiert und fachlich kompetent wahr.

Wer plant, dauerhaft in Österreich arbeiten zu wollen, muss allerdings die sogenannte „Rot-Weiß-Rot Karte“ beantragen – so will es das österreichische Zuwanderungssystem. Diese wird für jeweils 24 Monate ausgestellt. Das geschieht problemlos, wenn Sie zu einer dieser Gruppen gehören:

Sie sind besonders hochqualifiziert.
Sie gehören zur Gruppe der Fachkräfte in Mangelberufen.
Sie gelten in einem Unternehmen als sogenannte „Schlüsselkraft“.
Sie sind Absolvent einer österreichischen Hochschule.
Sie sind selbstständige „Schlüsselkraft“ oder Start-up-Gründer.

Auswandern ins Nachbarland:
So beliebt ist Österreich 

Anfang 2019 lebten rund 192.430 deutsche Staatsangehörige in Österreich. Damit sind laut Statista die Deutschen die mit Abstand größte Migrantengruppe in Österreich.

Die Zahl der Deutschen, die in Österreich leben, steigt seit Jahren: Gegenüber 2017 ist sie um 5.000 Personen gewachsen. Das ist ein Plus von etwa drei Prozent. Österreich ist damit das bevorzugte EU-Zielland deutscher Auswanderer, gefolgt von Großbritannien und Spanien.

Großer Bedarf an Fachkräften:
Ingenieure, ITler und Finanzexpertem kommen gut an

Die besten Jobchancen haben derzeit Fachkräfte in der IT und in technischen Ausbildungsberufen: Hier werden jeweils rund 15.000 Mitarbeiter gesucht, die meisten davon in Wien, Oberösterreich und der Steiermark.

Auch Ingenieure und Naturwissenschaftler werden in diesen drei Bundesländern verstärkt gesucht. Das hat das Online-Jobportal Stepstone Österreich herausgefunden.

Immerhin noch 11.000 offene Stellen gibt es aktuell im Finanz- und Rechnungswesen, während am unteren Ende der Skala nur nach gut 1.800 Pflegern und 633 Ärzten gesucht wird. Die besten Chancen haben Mitarbeiter im Gesundheitswesen derzeit vor allem in Wien und Niederösterreich.

Gefragte Mangelberufe:
Viele Angebote im Handwerk und bei Dienstleistungen

Aktuell fehlen dem österreichischen Arbeitsmarkt mehr als 200.000 Fachkräfte. Besonders ausgeprägt ist der Engpass dabei im technischen und IT-Bereich, aber auch Vertriebler und Mitarbeiter im Finanz- und Rechnungswesen werden stark nachgefragt.

 2019 hat sich die Regierung auf eine deutlich ausgeweitete Mangelberufsliste geeinigt, um den Fachkräftemängel zu bekämpfen. Zu den Mangelberufen 2019 gehören u.a. Fräser, Techniker für Maschinenbau und Starkstromtechnik, Schlosser, KFZ-Mechaniker, Fliesenleger und Krankenpfleger.

Einkommen:
Mit diesen Gehältern können Sie rechnen

Das Bruttodurchschnittsgehalt von österreichischen Arbeitnehmern beträgt aktuell rund 49.000 Euro. Führungskräfte mit Personalverantwortung erreichen mit rund 57.700 Euro im Mittel sogar gut 8.600 Euro mehr im Jahr.

Auch Bildung zahlt sich aus: Akademiker haben bei einem jährlichen Durchschnittsverdienst von circa 59.500 Euro jährlich knapp 14.000 Euro mehr auf dem Gehaltszettel als Arbeitnehmer ohne Studienabschluss, die gut 45.600 Euro kassieren. Wie aus dem Stepstone-Gehaltsreport für Österreich weiter herauszulesen ist, gibt es im Alpenstaat generell einen hohen variablen Gehaltsanteil: Mit 21 Prozent. beträgt er gut ein Fünftel des jährlichen Einkommens.

Die am besten bezahlten Berufsgruppen sind das Finanzwesen und das Management: Mitarbeiter verdienen in diesen Bereichen im Durchschnitt 66.000 Euro im Jahr.

Zum Vergleich: In der IT sind im Schnitt „nur“ 55.000 Euro zu holen. Mit dieser Durchschnittssumme stellt sich auch das Banking hinten an.

Kaufkraft:
So lässt es sich leben 

In Österreich ist das Leben laut dem Statistischen Bundesamt deutlich teurer als in Deutschland: Während das Preisniveau der privaten Konsumausgaben in Deutschland 2018 um 4,3 Prozent über dem Schnitt der 28 EU-Länder lag, kam Österreich sogar auf 9,6 Prozent. 

Vor allem Nahrungsmittel und Getränke kosten in Österreich deutlich mehr als in Deutschland. Im Vergleich zu Deutschland sind auch die Lohnnebenkosten in Österreich um rund neun Prozentpunkte höher.

Im Schnitt muss ein Paar mit Kind in Österreich mit monatlichen Lebenshaltungskosten in Höhe von rund 3000 Euro rechnen. Größter Kostenpunkt ist dabei die Miete mit rund 800 Euro.

Interkulturelles Miteinander:
Schön gelassen bleiben

Im Gegensatz zum großen Nachbarn Deutschland ist in Österreich alles ein bisschen gelassener und gemütlicher. Bei einem Business-Lunch wird nicht Tacheles geredet, sondern sich erst mal kennengelernt und Anekdoten ausgetauscht.

Die österreichische Gelassenheit zeigt sich auch bei Entscheidungen: „Schau’n ma mal” lautet die Devise. Damit signalisiert der Österreich grundsätzlich Interesse, weiß aber um die Ungewissheit, etwas auch realisieren zu können.

Anstehenden Deadlines in Projekten zum Beispiel sehen die österreichischen Kollegen entspannt entgegen. „Ah, das geht sich schon aus“, heißt es dann. 

Was jedoch wichtig ist: Österreicher legen sehr viel Wert auf Titel. In den meisten europäischen Ländern ist man zwar stolz auf seinen akademischen Abschluss, lässt den Titel aber in der Signatur oder auf Visitenkarten weg – außer es handelt sich um einen Doktortitel.

Nicht so in Österreich: Hier wird auf Titel wie „Frau Magister“, „Herr Diplom-Ingenieur“, „Herr Doktor“ oder „Herr Oberstudienrat“ immer sehr viel Wert gelegt. 

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