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Selbstbestimmung Ein Drittel der Beschäftigten möchte gern agil arbeiten, darf aber nicht

Schlechte Voraussetzungen: Die meisten Unternehmen arbeiten mit veralteten Strukturen.

Von Anne Koschik |

Nicht einmal zehn Prozent der Unternehmen in Deutschland arbeiten agil. Und das, obwohl jeder dritte Arbeitnehmer dies gerne möchte und eine deutliche Mehrheit der Beschäftigten agilen Arbeitsweisen offen gegenübersteht.

Das zeigt eine neue Studie zur Verbreitung der Agilität, die das Online-Jobportal Stepstone zusammen mit der Forschungseinrichtung des Beratungsunternehmens Kienbaum, dem Institut ISM, durchgeführt hat. Mehr als 10.000 Fach- und Führungskräfte wurden dazu befragt.

Zukunftsträchtige Lösung

Agiles Arbeiten gilt in Unternehmen als zukunftsträchtige Lösung. Kurze Updates statt stundenlanger Meetings, schnelle mündliche Absprachen statt einer Flut an E-Mails und klare Sprint-Regeln dank Scrum statt unüberschaubarer Planungen: Ein dynamisches Arbeitsumfeld gilt gerade in den Generationen Y und Z deswegen als attraktiv, weil Mitarbeiter mehr Verantwortung erhalten und Teams häufiger und schneller eigenständige Entscheidungen treffen.

Für mehr Effizienz soll es veraltete Strukturen und starre Hierarchien ersetzen.

Die Studie, die karriere.de vorliegt und am 10. Februar veröffentlicht werden soll, macht deutlich, wie wichtig selbstbestimmtes Arbeiten für Fach- und Führungskräfte in Deutschland ist – speziell, wenn sie in hohem Maße in flexiblen Arbeitsstrukturen tätig sind und in die Entscheidungsfindung miteinbezogen werden wollen. Auch die Motivation, in einem Team komplexe Aufgaben zu lösen, ist sowohl bei Fach- als auch Führungskräften ausgeprägt.

Die Formen der Bürogestaltung spielen dabei kaum eine Rolle: Moderne Coworking Spaces, Non-territorial Workplaces und Jobsharing finden keine zehn Prozent der Fach- oder Führungskräfte vor, wünschen diese aber auch nicht. Rückzugs- und Kreativräumen allerdings wollen gut 30 Prozent der Fach- und Führungskräfte.

Doch es gibt auch gravierende Unterschiede. Denn die Fortschritte in Sachen Agilität bewerten Fachkräfte und Führungspersonal sehr unterschiedlich.

Die Studienergebnisse im Einzelnen:

FACHKRÄFTE:
Keine flachen Hierarchien, wenig Eigenverantwortung

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen: Die wenigsten Unternehmen haben sich bislang auf neue Arbeitsweisen eingelassen.

So wünschen sich 61 Prozent der befragten Fachkräfte flache Hierarchien: Doch diese sind in zwei Dritteln der Unternehmen keine Realität.

Ein ähnliches Ergebnis gibt es bei der Frage, wie sehr Fachkräfte auch ohne Führungsverantwortung eigenständig Entscheidungen treffen können: Das ist nur bei jedem Vierten der Fall.

Zu viel Macht in zu wenigen Händen

Und wie werden Mitarbeiter zu mehr Kreativität ermutigt? Da hapert es besonders in den Unternehmen. Zum Beispiel gibt es nur bei ganz wenigen Firmen eine offene Fehlerkultur. Zudem werden lediglich 16 Prozent der Mitarbeiter dazu ermutigt, neue Ideen auszuprobieren.

Das engt die Leistung ein und verringert den Output der Kreativen. „Wenn allein eine kleine Anzahl an Vorgesetzen Entscheidungen für die Mehrheit der Mitarbeiter trifft, macht das ein Unternehmen nicht nur langsam, sondern es gefährdet oft auch den Erfolg“, sagt Stepstone-Geschäftsführer Sebastian Dettmers.

Unternehmen könnten aber den Anforderungen der Digitalisierung nur dann gerecht werden, „wenn sie Ziele klar kommunizieren und ihren Mitarbeitern das Vertrauen entgegenbringen, Mittel und Wege selbst zu wählen, um die Ziele zu erreichen“, so Dettmers.

FÜHRUNGSKRÄFTE:
Viele Anreize für neue Ideen

Im Vergleich zu Fachkräften hat das Führungspersonal eine teils völlig andere Wahrnehmung: Lediglich 14 Prozent aller befragten Vorgesetzten gaben an, ihre Mitarbeiter bei Entscheidungsfindungen außen vorzulassen.

Auch mit Blick darauf, Anreize für die Entwicklung und Umsetzung neuer Ideen zu schaffen, fällt die Bewertung der Führungskräfte anders aus: Knapp drei Viertel sagen, sie motivieren ihre Mitarbeiter aktiv dazu, neue Ideen auszuprobieren. Etwa zwei Drittel sind sogar davon überzeugt, ihren Mitarbeitern viel Spielraum zu lassen, indem sie ihnen beibringen, dass Fehler ein hohes Lernpotenzial haben.

„Die Ergebnisse unterstreichen, dass agiles Arbeiten in Deutschlands Unternehmen noch nicht vollständig zum Arbeitsalltag gehört“, sagt Dr. Walter Jochmann, Geschäftsführer bei Kienbaum. „Besonders Führungskräfte sind in der Pflicht, mehr eigenständiges Arbeiten und damit auch eine Fehlerkultur zuzulassen. Nur so können Unternehmen dynamischer auf ständige Veränderungen im Markt reagieren.“

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