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Richtig Netzwerken Das sind die acht größten Networking-Mythen

Jeder dritte Job wird über Kontakte vergeben. Blöd nur, wenn man mit falschen Annahmen auf ein Netzwerktreffen geht.

Von Lazar Backovic und Michael Scheppe |

Verkrampfte Smalltalks, holprige Gesprächseinstiege, schwitzige Hände – jeder zweite Deutsche findet Netzwerken nervig, wie eine Umfrage des Karrierenetzwerks LinkedIn zeigt.

Gerade das strategische Netzwerken ist verpönt: „Viele haben das Gefühl, dass sie ihre Gesprächspartner in gewisser Hinsicht ausnutzen“, sagt Christian Stegbauer, Netzwerkexperte von der Goethe-Universität Frankfurt.

Tijen Onaran, Autorin des Buchs „Netzwerkbibel: Zehn Gebote für erfolgreiches Networking“ und Gründerin des Unternehmerinnennetzwerks „Global Digital Women“, ergänzt: „Schon der Begriff ‚Netzwerken‘ weckt bei vielen negative Assoziationen.“

Doch ob es einem gefällt oder nicht: Jeder dritte Job in Deutschland wird über Kontakte vergeben. Talent, Fleiß, Ehrgeiz – das mag gut und schön sein. Doch beruflicher Erfolg hängt nur zu zehn Prozent von Wissen und Kompetenz ab, zeigen Studien. Worauf es bei Aufträgen, Projekten, Jobs oder Beförderungen zu 60 Prozent ankommt: Vitamin B wie Beziehungen.

„Netzwerken ist so ziemlich das Allerwichtigste was wir im Leben machen können – privat und beruflich“, sagt deshalb die Münchner Karriereberaterin Monika Scheddin.
Doch einige Märchen zum Netzwerken halten sich hartnäckig. karriere.de hat sich einmal die gängigsten Falschannahmen zum Thema Networking vorgenommen – und entzaubert:

Mythos 1: Netzwerke bringen schnell Erfolg

Leider nein! „Es braucht ungefähr sieben Begegnungen und zwei Jahre Zeit, bis eine Beziehung erntereif ist“, sagt Coach Scheddin, die den Ratgeber „Erfolgsstrategie Networking“ geschrieben hat. Erst dann bekomme man Jobs zugeschanzt und werde auf Podiumsgespräche eingeladen.

Gerade Führungskräfte erhoffen sich schnelle Wunder von Netzwerken. Dabei knüpfen viele erst dann Kontakte, wenn sie auf Jobsuche sind. Zu spät, sagt Scheddin. „Viele Führungskräfte wären noch erfolgreicher, wenn sie sich schon dann ein Netzwerk aufbauen, wenn sie es noch gar nicht benötigen.“ Doch im stressigen Tagesgeschäft werde das oft vergessen.

Mythos 2: Die Zahl der Visitenkarten ist entscheidend

Ein Klassiker, aber: auch falsch! Auch wenn es sich womöglich gut anfühlt, viele Businesskarten auf dem Schreibtisch liegen zu haben: Es kommt nicht auf die Zahl der Kontakte, sondern auf die Diversität und die Qualität des Netzwerks an, sagt Forscher Stegbauer.

So sind wenige gute Verbindungen zu Personen aus verschiedenen Branchen und in unterschiedlichen Positionen viel wertvoller als zahllose Kontakte mit Menschen aus der eigenen Blase. Denn nur so bekommt man neue Einblicke, die man unter Seinesgleichen nicht hat.

Was hinzukommt: Kontakte müssen gepflegt werden. Und das gelingt eben nur mit einer begrenzten Zahl. Schließlich bekommt niemand einen Job, nur weil er nach zwei Jahren Funkstelle mal wieder anruft.

Karrierecoachin Scheddin hält ihr berufliches Netzwerk sogar auf 400 Menschen begrenzt. Jedes Jahr im Herbst „mistet“ sie ihre Outlook-Kontakte aus. Falls sie in den vergangen zwei Jahre nichts von der Person gehört hat, löscht sie den Namen. Etwa 15 Prozent fallen so weg – um Platz für neue zu schaffen.

Mythos 3: Netzwerken - einfach mal drauf loslaufen

Bringt gar nichts! Wer erfolgreich Networking betreiben will, braucht ein klares Ziel. Nur Karriere? Oder auch fachliche Inspiration? Das müssen Sie sich vor dem ersten Gespräch bewusst machen.

Klar ist aber auch: Wer Netzwerke als Einbahnstraße sieht, um die Karriereleiter schnell zu erklimmen, wird scheitern. Es geht nicht ums Ausnutzen, sondern darum, anderen Leuten etwas Gutes zu tun, weil man sie schätzt und sich das Gleiche auch von ihnen erhofft.

Mythos 4: Introvertierte können nicht netzwerken

So ein Quatsch! Bloß weil jemand nicht brusttrommelnd über jede Konferenz stolziert, ist er oder sie noch lange kein schlechter Netzwerker. „Introvertierte denken sehr viel tiefer in ihren Fachthemen als Extrovertierte“, sagt Expertin Onaran. Das ist beim Netzwerken ein klarer Qualitätsvorteil.

„Die wichtigste Basis dafür, dass von einem Kontakt angerufen werden, ist das eigene Fachwissen“, sagt Onaran. Wer die Thema A bekannt ist, oder der Mann, der für Thema B brennt, können Sie kein langweiliger Gesprächspartner sein. „Es braucht für Introvertierte nur eine Portion mehr Mut, den ersten Schritt im Netzwerken zu machen“, sagt Onaran.

Mythos 5: Mein Gesprächseinstieg muss superclever sein

Muss er nicht! Viele versuchen mit besonders geistreichen Gedanken einen Smalltalk zu beginnen. Das schafft oft aber keine Anknüpfungspunkte, weil man ja gar nicht wissen kann, ob das Thema den anderen interessiere, sagt Netzwerkexperte Stegbauer.

„Es bringt deshalb nichts, mit etwas Tiefsinnigem anzufangen“, so Stegbauer, weil man gar nicht wisse, ob das Thema den anderen interessiere. Besser: über das Wetter, den vergangenen Abend oder das kommende Wochenende sprechen. Klingt platt, funktioniert aber besser als eine Diskussion mit Wittgenstein-Zitaten in Gang bringen zu wollen.

Mythos 6: Möglichst viel von sich erzählen

Nein, reden Sie nicht ständig. Seien Sie stattdessen ein guter Zuhörer! Coachin Scheddin sagt: „Man ist vor allem interessant, wenn man interessiert ist.“ Der perfekte Small Talker hat einen Redeanteil von unter 50 Prozent. Fragen Sie also mehr, als Sie antworten. Das vermittelt psychologisch sofort ein gutes Gefühl.

Mythos 7: Nur mit Gleichrangigen sprechen

Absolut vertane Chance! Klar sollten Sie die Chefs und Entscheider im Fokus haben, aber vergessen Sie nicht die Leute, die weiter unten in der Hierarchie stehen. „Solche Personen sind häufig Türöffner“, sagt Onaran. Und zwar im wahrsten Sinne, wenn man etwa an die Assistenz denkt.

Reden Sie umgekehrt auch mit der Auszubildenden oder dem Praktikanten. Der Austausch gibt neue Perspektiven und Einblicke – etwa in neue soziale Netzwerke.

Mythos 8: Frauen sind die schlechteren Netzwerker

Herrje, in welchem Jahr leben Sie noch mal? Es gibt viele Frauennetzwerke und noch mehr starke Frauen, die sich nicht nur beim Netzwerken engagieren, sondern sich digital auch als eigene Marke positionieren. Tijen Onaran kennt über die „Global Digital Women“ viele von ihnen – und sagt: „Ihre Zahl hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen.“

Ein Stereotyp hat sich in Onarans Wahrnehmung aber als schon oft bewahrheitet: Nämlich, dass Männer beim Netzwerken weniger Befindlichkeiten an den Tag legen. „Die sagen sich überspitzt formuliert: Ich muss diese Person nicht heiraten.“ Dafür würden Frauen deutlich persönlicher netzwerken. Ob Persönlichkeit oder Pragmatismus beim Netzwerken entscheidend sind, muss allerdings jeder für sich entscheiden. „Da gibt es kein besser oder schlechter“, so Onaran.

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