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Vorstellungsgespräch Die beste Antwort auf: „Was ist Ihre größte Schwäche?“

Hinter der fiesen Frage steckt ein simpler Bewerbertest. Wie Sie diesen bestehen, ohne sich und andere abzuwerten: Die 3 besten Antworten auf die Frage nach der größten Schwäche.

Vorstellungsgespräch | Von Lazar Backovic |

Die beste Antwort auf: „Was ist Ihre größte Schwäche?“

Genaue Prüfung

Bewerber unter Lupe: „Was ist die größte Schwäche?“ gehört zu den Standardfragen im Vorstellungsgespräch.

Foto: Anika Huizinga on Unsplash

Im Vorstellungsgespräch geht es eigentlich darum, sich von seiner besten Seite zu präsentieren. Das macht die Frage „Was ist Ihre größte Schwäche“ so tückisch.

Die Falle: Antworten Sie zu ehrlich, können Sie damit den Personaler oder Chef – je nachdem, mit wem Sie das Gespräch führen – verschrecken.

Sind Sie zu unehrlich oder lamentieren über eine Schwäche, die in Wahrheit gar keine ist, wirkt das mit großer Wahrscheinlichkeit unauthentisch.

Auch mit (vorgegaukelten) Klischeeantworten à la „Ich bin zu perfektionistisch“ ernten Sie klare Minuspunkte. Das kann ein entscheidender Nachteil im Wettbewerb um Ihre Traumstelle sein.

Worum es geht: Die Kunst, aus Fehlern zu lernen

Bevor Sie sich den Kopf über die richtige Antwort zerbrechen, machen Sie sich als erstes klar, warum Ihnen Ihr Gegenüber die Frage stellt.

„Es geht darum, die eigene Selbstreflexion zu testen und zu prüfen, inwieweit der Bewerber sich seiner eigenen Schwächen bewusst ist“, sagt Robert M. König, Bewerbungs- und Businesscoach aus Berlin.

Die Frage, die eigentlich hinter der Frage nach der größten Schwäche steckt, lautet: Ist ein Bewerber fähig, Fehler zu identifizieren, und gleichzeitig selbstbewusst genug, diese aktiv anzugehen und gegenzusteuern?

Je konkreter und authentischer Sie werden, desto besser positionieren Sie sich – und zwar nicht nur im Bewerbungsgespräch. Denn auch in anderen Jobsituationen geht es immer wieder darum, aus Fehlern zu lernen. Diese Eigenschaft können Sie mit einer guten Antwort unter Beweis stellen.

Das Wichtigste: „Die genannten Schwächen sollen dabei nicht zum Widerspruch zu den Merkmalen stehen, die für die ausgeschriebene Stelle von Bedeutung sind“, sagt Businesscoach König. Heißt: Ein Buchhalter mit ausgeprägter Zahlenschwäche ist mit Sicherheit keine Idealbesetzung.

So weit, so klar – doch was genau sollen Sie nun auf die Frage „Was ist Ihre größte Schwäche“ antworten? Hier sind ein paar Anregungen fürs Vorstellungsgespräch.

Statt „Ich bin Perfektionist, …“

…sagen Sie lieber: „Es gibt Situationen, in denen ich kleinen Details viel zu viel Aufmerksamkeit widme. Das hat in der Vergangenheit schon mal dazu geführt, dass ich mein Ziel nicht erreicht habe.“

Die Antwort signalisiert Ihrem Gesprächspartner zwar, dass Sie extrem genau arbeiten, ist aber weniger abgedroschen als die Perfektionisten-Antwort, die Ihr Gegenüber wahrscheinlich schon ein Dutzend Mal gehört hat.

Tipp:
Garnieren Sie Ihre Antwort mit einer Anekdote, aus der klar wird, dass Sie aus diesem Fehler gelernt haben. Ein Junior Projektmanager, der sich gerade auf eine Senior-Stelle bewirbt, könnte zum Beispiel sagen:

„In meinem zweiten größeren Projekt bei Firma XY sollte ich ein Team bei der Entwicklung von Kommunikationskonzepten unterstützen. In der Startphase habe ich zu viel Zeit mit der Zusammenstellung meiner eigenen Präsentation verbracht, statt mich mit dem Team auszutauschen. Das hat uns am Ende Zeit gekostet, die in späteren Projektphasen fehlte.“

Nun kommt der Teil, in dem Sie im Gespräch davon berichten, was Sie aus Ihrer Erfahrung gelernt haben:

„Ich achte seitdem stark darauf, früh alle Stakeholder einzubinden und auf dieser Basis schnell Ergebnisse festzuhalten, statt zu lange meine eigenen Ideen ausgefeilt zu formulieren.

Um mich nicht in Kleinstarbeit zu verlieren, breche ich meine Projekte nun in Einzelaufgaben herunter und versehe jede davon mit einer klaren Deadline. Wenn ich merke, dass ich zu viel Zeit mit einer der Aufgaben verbringe, treibe ich das nächste To-Do auf meiner Liste voran.“

Statt „Ich bin im Umgang mit anderen ungeduldig, …“

…sagen Sie lieber: „In meiner ersten Führungsposition hatte ich Probleme, Aufgaben zu delegieren. Ich dachte, es dauert schlichtweg zu lange, jemanden so zu briefen, dass er oder sie die Aufgabe wirklich gut erfüllen kann. Das hat mich oft gestresst, da am Ende ein Großteil der Arbeit bei mir liegen blieb.“

Tipp:
Wenn Sie noch keine Führungserfahrung haben, können Sie alternativ auch von einem Praktikanten oder Auszubildenden erzählen, dem Sie eine Aufgabe zunächst nicht zugetraut haben.

Nachdem Sie den konkreten Fall geschildert haben, bringen Sie wieder Ihre Lehre aus dieser Erfahrung in wenigen Sätzen auf den Punkt. Etwa so:

„Ich habe mit der Zeit festgestellt, dass diejenigen Mitarbeiter, die besonders motiviert an eine Aufgabe herangehen, oft jene sind, die während der Arbeit an einem konkreten Projekt über sich selbst hinauswachsen. (Das kann auch mal ein Praktikant sein).

Wenn es nun eine neue Aufgabe zu verteilen gibt, frage ich deshalb erst einmal offen, wer Interesse hat mitzuarbeiten und höre jede Stimme. Um sicherzustellen, dass ein Mitarbeiter nicht überfordert ist, habe ich zudem wöchentliche Stand-up-Meetings eingeführt, in denen wir uns gegenseitig auf dem Laufenden halten und auch Probleme zur Sprache bringen.“

Statt „Ich arbeite oft sehr viel, …“

…sagen Sie lieber: „Ich muss noch besser darin werden, zwischen langen und produktiven Arbeitstagen zu unterscheiden und den Fokus vor allem auf meine eigene Produktivität zu legen.“

Die Wahrheit ist: Wenige Chefs werden es Ihnen wirklich als Schwäche ankreiden, wenn Sie viel arbeiten.

Den eignen Arbeitseinsatz als Manko zu verkaufen, wirkt deshalb arg aufgesetzt – oder im schlimmsten Fall sogar so, als ob sie keine wirkliche Lust auf den Job und seinen Workload haben.

Tipp:
Besser ist es, eine konkrete Situation zu nennen, in der Sie lange im Büro waren, aber am Ende ein schlechtes Ergebnis abgeliefert haben.

Erklären Sie anschließend (wie auch in den vorigen Beispielen), wie Sie mit so einer Situation heute besser umgehen.

Etwa so:

„Ich arbeite seit kurzem nach einer neuen Zeitmanagement-Methode, mit der ich in stressigen Arbeitsphasen fokussiert bleibe. Der Trick ist, 25 Minuten vollkonzentriert zu arbeiten und dann fünf Minuten zu pausieren.

Dank der Methode schaffe ich in kurzer Zeit viel mehr als früher, weil ich oft noch versuche, eine Aufgabe innerhalb eines 25-Minuten-Zyklus zu bearbeiten. Und meine Überstunden sind seitdem auch deutlich zurückgegangen.“

Am Ende geht es immer darum, Ihre Schwäche mit einer neu erlernten Fähigkeit zu verbinden und diesen Lernprozess positiv zu schildern. Damit lassen sich zum Beispiel auch Lücken im Lebenslauf erklären.

So oder so: Nach einer kurzen und präzisen Antwort, sollten Sie zusehen, dass Sie das Gespräch möglichst bald wieder auf das drehen, was Sie für den Job qualifiziert: Ihre Stärken.

 

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