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Neue Studiengänge

BWL mit Kunst verbinden

Katja Stricker
Wirtschaft ist nicht alles: Innovative Studiengänge verbinden BWL mit Kunst und Philosophie. Das Studium generale zeigt in der Krise Alternativen auf - wird aber nur von wenigen Unis angeboten. Karriere.de zeigt, mit welchen Chancen und Risiken zu rechnen ist.
Philipp Thunecke studiert an der Alanus-Hochschule in BonnFoto: © Rainer Holz
Dienstagmorgen, acht Uhr, Alanus-Hochschule in Alfter bei Bonn. Statistik oder Buchhaltung müssten hier jetzt auf dem Programm stehen für die BWL-Studenten, zumindest erwartet man das so. Stattdessen aber rollen, robben und krabbeln drei Dutzend Erstsemester über den Fußboden, um die Phasen eines Babys von der Geburt bis zum Laufen nachzuempfinden. Eurythmie nennt sich das, Bewegungskunst also, und pro Woche müssen die angehenden Betriebswirte anderthalb Stunden damit zubringen. Das Ziel: Sie sollen lernen, ihren Körper wahrzunehmen und auf ihre innere Stimme hören.Einer von ihnen ist Philipp Thunecke. "Eurythmie ist schon sehr gewöhnungsbedürftig", gesteht er. Auch im dritten Semester seines Studiums ist er kein Eurythmie-Fan geworden. Aber die Frage, was die Übungen in einem BWL-Studiengang zu suchen haben, hat der 23-Jährige für sich persönlich geklärt: "Es kann sicher später als Führungskraft nicht schaden, ab und zu in sich reinzuhören."

Die besten Jobs von allen

Eurythmie ist nur ein kleiner Teil des gesamten StudiumsDie Bewegungskunst ist längst nicht die einzige Überraschung, die das BWL-Studium an der staatlich anerkannten Alanus-Hochschule parat hält. Neben Wirtschaftsfächern wie Statistik, Rechnungswesen und Buchhaltung lernen die Manager von morgen auch Malerei, Bildhauerei, Ethik und Improvisationstheater kennen. "Die Verbindung mit Kunst, Kultur und einem Studium generale hat mir sofort gefallen", erzählt Philipp Thunecke, der nach dem Abi zufällig von dem Angebot der Alanus-Hochschule erfuhr (siehe Porträt Seite 3). "BWL alleine wäre mir zu trocken gewesen."Mehr als ein pures Wirtschaftsstudium - das reizt viele Studenten. Doch bisher bieten nur sehr wenige Hochschulen Kombi-Studiengänge an, die etwa Kunst, Kulturgeschichte, Philosophie oder ein Studium generale mit BWL und VWL verbinden (siehe Seite 2). "Wir brauchen mehr Betriebswirte, die über den Tellerrand ihres Faches geguckt haben", sagt Patrick Schild, Partner bei der Personalberatung Odgers Berndtson. "Wer es heute in eine Führungsposition schaffen will, muss mehr zu bieten haben als reines Lehrbuchwissen."Das ist auch das Ziel der Alanus-Hochschule. "Wir wollen einen neuen Typus Manager ausbilden, der neue Denkmuster wagt und Althergebrachtes hinterfragt", sagt Lars Petersen, Leiter des Fachbereichs Wirtschaft. Ein Konzept, das ankommt, wie die wachsende Zahl der Partnerunternehmen zeigt: Die Drogeriemarkt-Kette dm, die Biomarke Alnatura, der Naturkosmetikkonzern Weleda, die GLS Bank, die mit sozial-ökologischen Bankgeschäften ihr Geld verdient, und seit neuestem auch die Warenhausgruppe Globus - sie alle lassen ihren Führungskräftenachwuchs an der Alanus-Hochschule ausbilden. "Die Absolventen sind zupackend, haben große Ideale und stellen alles infrage", fasst Uwe Urbschat, Leiter der Mitarbeiterentwicklung der Weleda-Gruppe, die Vorzüge der Alanus-BWLer zusammen. "So ein frischer Wind ist Gold wert für ein Unternehmen."Dass die künftigen Manager den Pinsel schwingen oder sich auf der Bühne beweisen müssen, macht für Urbschat durchaus Sinn: "Jedes Projekt - auch im Unternehmen - ist letztlich wie eine leere Leinwand, die es mit Leben zu füllen gilt." Dabei seien vor allem Innovationskraft und Kreativität gefragt. "Ich sehe die Kunst als eine Inspirationsquelle fürs Management", so der Personalexperte.Soft Skills haben einen hohen StellenwertUnd als Weg, Persönlichkeit und Soft Skills zu bilden: "Gerade die aktuelle Bankenkrise zeigt, dass die Mainstream-Ausbildung viel zu einseitig ist", sagt Julian Kühn, Vorstand der GLS Treuhand, die für die GLS Bank unter anderem die Stiftungen betreut. Der klassische BWLer häufe zwar im Laufe seines Studiums viel Wissen an; Soft Skills wie soziale Kompetenz, Team- und Wahrnehmungsfähigkeit blieben dabei häufig auf der Strecke.Doch ohne das notwendige Handwerkszeug geht es nicht, sagt Sörge Drosten, Geschäftsführer der Kienbaum Executive Consultants International. Er sieht bei solchen Kombi-Studiengängen die Gefahr, dass die Studenten von allem ein bisschen und nichts richtig lernen: "Das Ganze darf kein Schmalspur-BWL werden, sonst können die Absolventen später nicht mit den klassischen Betriebswirten konkurrieren", sagt er.
 

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