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Führungskräfte in der Coronakrise weiter in der Pflicht: Jetzt verstärkt um die Mitarbeiter kümmern

Überforderung Darum sollten sich Führungskräfte jetzt verstärkt um ihre Mitarbeiter kümmern

Eine Marathon-Aufgabe: Fast die Hälfte der Angestellten leidet durch die Coronakrise unter Konzentrationsschwäche.

Management | Von Anne Koschik | , aktualisiert

Zu viel Verantwortung lastet auf den Mitarbeitern in Unternehmen. Durch die Pandemie fühlen sie sich mehr und mehr überfordert. Etwa 60 Prozent fällt es bei fortschreitender Pandemie schwer, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Das ergab jetzt eine Untersuchung der Organisations- und Personalberatung Korn Ferry, die 1064 Personen nach ihrer derzeitigen Motivation befragt hat.

Zwei Drittel der Befragten sind sogar davon überzeugt, dass sie heute noch mehr Arbeit haben als vor Beginn der Krise.

Als Grund für die Konzentrationsschwäche haben 45 Prozent der Befragten angegeben, zu viele Verantwortlichkeiten gleichzeitig erhalten zu haben. Fast jeder Dritte fühlt sich daher durch die Pandemie und ihre Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft mehr und mehr überfordert.
Hinzu kommt, dass mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer angegeben haben, dass die neuen Arbeitsbedingungen zu Konflikten mit ihrer Familie geführt haben. Auch die wirtschaftliche Unsicherheit belastet fast zwei Drittel der Arbeitnehmer. Und zudem fürchten fast genauso viele die medizinischen Konsequenzen der Krise.

Kampf gegen das Aufgeben

„Das Überstehen der Pandemie und deren Folgen gleicht einem Marathon“, sagt Christoph Mât, Leiter Assessment & Succession, von Korn Ferry. Den Menschen werde zunehmend klar, dass ein kurzfristiges Ende nicht zu erwarten sei. „Da ist bei vielen, wie im Mittelteil eines Marathons, die Luft raus. Das Ziel scheint noch so unerreichbar weit entfernt.“ Es komme also gerade jetzt darauf an, nicht aufzugeben, sondern durchzuhalten. Und da sind erneut die Führungskräfte gefragt.

Bereits in der ersten Pandemie-Phase standen sie vor große Herausforderungen Sie mussten

  • ihre Teams in kürzester Zeit auf Home Office und Remote-Arbeit umstellen.
  • wichtige Entscheidungen in kürzester Zeit treffen.
  • schwierige Beschlüsse und Anordnungen wie Kurzarbeit, Lohnkürzungen oder gar Entlassungen verkünden.
  • mit einem fehlenden Planungshorizont weiterarbeiten.

„Wer heute führt, macht in kürzester Zeit eine der schwierigsten Phasen seiner Karriere mit“, stellt Mât fest. Mit den bisherigen Führungsstrategien und -konzepten seien sie dafür kaum ausreichend vorbereitet.

Das Problem: Der einzige Kontakt, den Führungskräfte und ihre Mitarbeiter in vielen Unternehmen seit Monaten haben, ist der über Telefon und Videokonferenzen. „Umso wichtiger ist es, dass Führungskräfte ein Vorbild sind und ihre Videofunktion ausreichend nutzen, um damit Präsenz zu zeigen.“ Denn der Wunsch nach Nähe ist groß: So gaben 70 Prozent der Befragten an, beim digitalen Austausch die Kamera häufiger oder viel häufiger anzuschalten.

Intensive Nähe aufbauen

Aus diesem Grund empfiehlt Korn-Ferry-Experte Mât den Führungskräften, die Beziehungen zu den jeweiligen Teams und den einzelnen Mitarbeitern – trotz der physischen Ferne – zu intensivieren. Einzelgespräche seien ebenso wichtig wie Gesprächsrunden in Gruppen. Zwischendurch wirke auch „eine aufmunternde SMS vom Chef“ manchmal große Wunder.

„Es geht in dieser Phase darum, die Motivation der Teams unbedingt zu erhalten und damit ihr Durchhaltevermögen zu stärken.“

Das schaffen die Führungskräfte aber nicht allein. Sie benötigen die Rückendeckungen von CEOs, Vorständen und Geschäftsführungen. Diese sollten offen auf ihre eigenen Top-Leute zugehen, zuhören und „wo es geht versuchen, aus ihrer Position heraus zu helfen“, empfiehlt Christoph Mât.

„Wer bisher Führung stets als Nebenprodukt von Management gesehen hat, muss spätestens jetzt umdenken. Sonst droht die Stimmung im Unternehmen zu kippen.“

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