Demonstrative Inkompetenz Täusch dich hoch

Wer im Beruf weiterkommen will, muss Expertise auch mal vortäuschen können. Oder? Nein! Wann und warum gerade Nicht-Können karrieredienlich ist. 4 Tipps zum Schmunzeln.

Corinna Nohn |

Täusch dich hoch

Mit Absicht zu dumm

Ungeschickt Karriere machen: Funktioniert durch vorgetäuschte Inkompetenz

© Stone/Getty Images

Theoretisch ist die Sache klar: Karriere sollten die machen, die es wirklich können. Praktisch aber sitzen auf den Chefsesseln der Unternehmen überdurchschnittlich oft Psychopathen, die fachlich nicht unbedingt viel drauf haben, aber gut im Manipulieren und Vortäuschen von Expertise sind.

Die britische Arbeitsmarktexpertin Joanne Lindley hat diesen Cheftypus einmal als „Snakes in Suits“ bezeichnet. Sie sind Schlangen in Anzügen. Lindley hat in einer viel beachteten Studie untersucht, wie sich charakterliche Defizite auf das berufliche Fortkommen auswirken. Ergebnis: In Führungsetagen ist Narzissmus, Machiavellismus und sogar Psychopathie überdurchschnittlich stark ausgeprägt. Es hilft offenbar beim beruflichen Aufstieg, gut im Lügen ("Ich kann das"), Betrügen ("Ich kann das") und Vortäuschen ("Ich kann das") zu sein.

Es ist aber ein fataler – auf unteren Hierarchieebenen weit verbreiteter – Irrglaube, dass es vor allem darauf ankommt, den Anschein von Können zu erwecken. Die Grundlage allen beruflichen Vorkommens ist viel einfacher zu erlernen: Es ist die Fähigkeit des geschickt eingesetzten Nicht-Könnens.
Gerade in ganz harmlos wirkenden Bürosituationen sollte jeder, der es im Job zu etwas bringen möchte, bestimmte Kompetenzen abstreiten. Vier kurze Beispiele gefällig?

Tipp 1: Ignorieren Sie Service-Aufgaben

Es fängt schon morgens an, bevor der Rechner hochgefahren wird. Die Kaffeemaschine blinkt und bettelt um eine Entfettung oder Reinigung der Milchleitung? Wer jetzt seine Koffein-Gier nicht unter Kontrolle bekommt, hat schon halb verloren. Es gilt in diesem Fall, dem Drang, die Maschine zu säubern, zu widerstehen.

Natürlich sind Sie in der Lage dazu, die Milchleitung reinigen, Sie wissen genau, wie der Schlauch zu ent- und wieder einzustöpseln ist – im Zweifelsfall wäre ja auch jeder Handgriff anschaulich in der Betriebsanleitung, von deren Existenz in der Küchenschublade Sie wissen, erklärt. Aber wenn Sie heute putzen, werden Sie es auch morgen tun. Und nächste Woche. Und wenn Sie aus dem Urlaub zurückkommen, werden die Kollegen sagen: "Ah, super, endlich bist Du wieder da." Aber eben nicht, um das nächste spannende Projekt zu leiten – sondern um die in Ihrer Abwesenheit versiffte Kaffeemaschine zu reinigen.

Tipp 2: Verdrängen Sie Ihren technischen Sachverstand

Sie haben das Prinzip verstanden? Weiter geht es ins erste Meeting des Tages, an dem per Videoschalte auch Kollegen aus dem Headquarter teilnehmen sollen. Sie wissen genau, welche Knöpfe zu drücken sind, um die Konferenz einzuleiten? Es ist ganz einfach? Tun Sie es trotzdem nicht. Fragen Sie stattdessen mit einem gewinnenden Lächeln in die Runde: "Wer kriegt denn das mit der Konferenzschalte hin?" Demonstrative Nichtkompetenz. Damit ist sofort klar: Sie sind es nicht.

Tipp 3: Überlassen Sie das Protokollschreiben den Ordnungshütern

Genauso konsequent gehen Sie vor, falls in Ihrer Runde die Notwendigkeit der Protokollführung besteht. Jeder kann Notizen machen, sie zusammenfassen und anschließend an die Runde mailen, keine Frage. Aber das "Dankeschön", das Sie dafür erhalten, kann nicht wettmachen, worum es eigentlich geht: Um ein Dasein als Protokollführer. Es dauerhaft in jedem einzelnen Meeting übernehmen, das in der Firma ansteht.

Tipp 4: Behalten Sie Ihre sozialen Talente für sich

Raus aus dem Meeting, rein in die Pause, und auf dem Flur erfahren Sie, dass Kollege A heiratet oder die geschätzte und beliebte Kollegin B die Abteilung wechselt. Sie kennen diesen wunderbaren Laden mit ganz reizenden und etwas ausgefallenen Geschenken? Sie haben eine Idee für einen Ausstand? Auch wenn es zu schön wäre: Behalten Sie diese Informationen unbedingt für sich.

Vorsicht, Falle!

Nun könnte man meinen: Ach, diese kleinen Dienste im Berufsalltag müssen doch nur entsprechend gewürdigt werden, am besten sogar schriftlich fixiert werden, damit den Ausführenden die entsprechende Wertschätzung widerfährt. Vorsicht, das ist eine Falle!

Was glauben Sie, was passiert, wenn sich die Belobigung Ihrer kollegialen Bereitschaft zur Protokollführung und die exzellente Ausführung dieser wichtigen Aufgabe in Ihrer Personalakte, am Ende gar in Ihrem Zeugnis, wiederfindet? Sie werden auch bei Ihrem nächsten Arbeitgeber Protokolle führen, anstatt Protokolle abzunicken und sich wirklich wichtigen Aufgaben zu widmen.

Falls Sie nicht künftig Ihre Zeit damit verbringen wollen, Kollegen wegen Unterschriften auf der Karte und dem zu entrichtenden Beitrag hinterherzulaufen, falls Sie nicht der inoffizielle Eventmanager für interne Veranstaltungen werden wollen, bleiben Ihnen in solchen Fällen exakt zwei Möglichkeiten. Entweder die Frage: "Oh, wer kann denn da was Nettes organisieren?" Oder: schweigen.

Klar, dieses Verhalten ist herausfordernd und mag Ihnen alles abverlangen. Aber keine Sorge, Sie können das. Bestimmt.

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