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Nachhaltige Unternehmen Dieser Personaler lockt Bewerber mit Solarpanels

Ein Mittelständler aus dem Allgäu überzeugt Jobsuchende mit nachhaltigen Projekten – obwohl die umliegenden Betriebe ein höheres Gehalt zahlen. Warum ein grünes Image immer wichtiger wird.

Von Michael Scheppe |

Dieser Personaler lockt Bewerber mit Solarpanels

Manuel Seitz, Personalleiter bei Baufritz

„Bewerber haben sich wegen unserer nachhaltigen Strategie für uns entschieden.“

© andreashuber-fotografie.de

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde Baufritz als Müslifresser verschmäht – allein deshalb, weil sich der Produzent von Holzhäusern aus nachhaltigem und zertifiziertem Baumaterial klar als Ökofirma präsentiert. Der Betrieb liegt nicht nur im Grünen und jeder neue Mitarbeiter pflanzt einen Baum.

Und, man mag es für übertrieben halten: WLAN gibt es auf dem Firmengelände nicht, schließlich könnte die Strahlung ja den Mitarbeitern schaden. Dafür wird das Trinkwasser auf dem Firmengelände mineralisch vitalisiert.

Maßnahmen, die noch vor einigen Jahren bei umliegenden Firmen belächelt wurden. Heute profitiert der Mittelständler aus dem Allgäu, der 400 Mitarbeiter beschäftigt, von seinen grünen Bemühungen, gerade im Recruiting: „Viele Jobsuchende identifizieren sich mit unserer Philosophie und haben sich deshalb bei uns beworben“, sagt Baufritz-Personalleiter Manuel Seitz.

In den vergangenen vier, fünf Jahren habe sich gerade die Einstellung der jungen Generation zum Thema Nachhaltigkeit enorm gewandelt.


Grünes Image statt Spitzengehalt – und trotzdem sind Bewerber überzeugt

Nicht nur im Allgäu haben sich die Ansichten gewandelt. Greta Thunberg bringt mit ihrer Fridays-for-Future-Bewegung Tausende Jugendliche auf die Straße, Deutschland erlebt den zweiten heißen Sommer in Folge, und die Grünen sind im Umfragehoch. Ein solcher Wandel geht auch an den hiesigen Firmen nicht vorbei.

„Damit eine Marke gesellschaftlich akzeptiert wird, können Unternehmen nicht mehr nur ihre Gewinne maximieren, sondern müssen auf die Umwelt Rücksicht nehmen und das werblich vermitteln“, sagt Matthias Wesselmann, Vorstand bei der Kommunikationsagentur Fischer-Appelt.

Dass sich Unternehmen aus ethischer Verantwortung um die Umweltverträglichkeit ihrer Produkte und Verfahren bemühen sollten, ist eine alte Forderung. Was neu ist: Ein grünes Image wird zu einem immer wichtigeren Marketingwerkzeug bei der Suche nach Personal.

Gerade für besonders begabte Studierende, Uniabsolventen und Berufsneulinge ist die Nachhaltigkeit des Arbeitgebers bei der Berufswahl mittlerweile ein wichtigeres Argument als ein möglichst hohes Gehalt, ein sicherer Arbeitsplatz oder ein internationales Arbeitsumfeld. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Unternehmensberatung McKinsey unter 7 000 jungen Talenten des Stipendiatenprogramms E-Fellows.


Nachhaltige Bemühungen können sich auch in der Bilanz positiv auswirken

Dass sich Unternehmen zusehends als grüne Arbeitgeber positionieren, machen sie mitunter nicht ganz freiwillig. Seit 2017 sind Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern verpflichtet, in ihrem Geschäftsbericht auf ihre Nachhaltigkeitsbemühungen einzugehen. Und wer will da schon leere Seiten präsentieren?

Mitunter wirkt sich eine Öko-Strategie auch positiv in der Bilanz aus, beweist eine Studie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Gerade bei Lebensmittelherstellern ist die Marge von nachhaltig wirtschaftenden Firmen größer als bei ihren konventionellen Mitbewerbern. „Die Kunden sind bereit, für nachhaltige Produkte einen höheren Preis zu zahlen“, sagt LBBW-Chefökonom Uwe Burkert.

Druck zum grünen Handeln geht auch aus der Finanzbranche aus: Institutionelle Investoren würden ihr Geld vermehrt nur noch in nachhaltigen Firmen anlegen, so Burkert.

Nicht nur bei der Personalgewinnung und in der Bilanz können die Öko-Anstrengungen helfen, sondern auch beim Halten und Motivieren von Personal. Das zeigt sich auch im Allgäu. Das sichtbarste Zeichen der grünen Bemühungen der Firma Baufritz: fünf Photovoltaikanlagen auf den Produktionshallen. Jeder Mitarbeiter kann ein Modul für 3000 Euro kaufen und bekommt durch die Einspeisung ins Stromnetz jedes Jahr mehrere Hundert Euro ausgezahlt.

Für Nicole Richter, Partnerin bei EY und verantwortlich für den Bereich Nachhaltigkeitsberatung, ist das Vorgehen von Baufritz eine wirkungsvolle Maßnahme. „Wenn Mitarbeiter die Nachhaltigkeitsidee ihres Arbeitgebers direkt erleben können, bindet sie das langfristig ans Unternehmen.“


Immer mehr Manager und Mitarbeiter radeln zur Arbeit

Mit seinen Solarpanels kann Baufritz auch gegen die umliegenden Betriebe aus der Industrie punkten, die mit hohen Tarifgehältern locken. „Obwohl wir nicht so ein hohes Gehalt zahlen können, haben sich Bewerber wegen unserer nachhaltigen Strategie für uns entscheiden“, sagt Personaler Seitz.

Das Beispiel zeigt: Gerade für Unternehmen, die nicht mit Spitzengehältern glänzen oder abseits der beliebten Metropolen liegen, bietet ein grünes Image die Chance, überhaupt das Interesse von Toptalenten zu wecken.

Und bei Baufritz kommen viele von ihnen mit dem Fahrrad zur Arbeit. Seit Anfang des Jahres kooperiert der Hausbauer mit dem Leasinganbieter Jobrad. Bei dem Freiburger Start-up können Arbeitgeber Diensträder leasen, die Mitarbeiter verzichten dafür auf einen kleinen Teil des Gehalts und können auch privat radeln.

Jobrad ist einer der größten Profiteure der grünen Welle: Die Zahl der Unternehmen, die das Angebot nutzen, hat sich innerhalb eines Jahres auf 15.000 verdoppelt.

Auch Personaler Seitz radelt in sein Büro – wie 30 Prozent der Belegschaft: „Die Mitarbeiter sind fit und gesund und tun auch etwas Gutes für die Natur.“ Und es stärkt den Teamgeist: Jeden Mittwoch nach Feierabend unternehmen einige Kollegen eine Radtour.

Belächelt werden sie dafür nicht – und auch von Müslifressern spricht im Allgäu mittlerweile kaum noch jemand.

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