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Schwitzen im Büro: Kein Anspruch auf Hitzefrei – Regeln für heiße Tage

Schwitzen im Büro Kein Anspruch auf „Hitzefrei“ im Job

Die Hitzewelle mit Temperaturen bis 40 Grad lässt Arbeitnehmer schwitzen. „Hitzefrei“ wie in der Schule gibt es zwar nicht, Chefs müssen aber für Entlastung sorgen.  

Tina Groll/zeit.de; Anne Koschik/karriere.de | , aktualisiert

Kein Anspruch auf „Hitzefrei“ im Job

Unerträgliche Hitze im Büro

Sehnsucht nach Hitzefrei: Ohne Klimaanlage arbeiten ist möglich. Welche Hilfsmittel Unternehmen ihren Mitarbeitern jetzt anbieten müssen.

Foto: Becca Matimba by unsplash

Generell soll die Lufttemperatur in Arbeitsräumen zwar 26 Grad nicht überschreiten. Ausnahme: Die Außentemperatur ist höher. Dann gilt in Arbeitsräumen eine Obergrenze von 35 Grad. Das hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) in der Richtlinie für Arbeitsstätten festgelegt.

Wird diese Obergrenze überschritten, sollte der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern Kühlung verschaffen und eine weitere Aufheizung der Räume vermeiden: beispielsweise durch Jalousien an den Fenstern, die vor direkter Sonneneinstrahlung schützen, oder durch das Lüften der Arbeitsräume in den kühlen Abend- und Morgenstunden.

Denn der Gesetzgeber verlangt, die Arbeit so zu gestalten, „dass eine Gefährdung für Leben und Gesundheit möglichst vermieden wird“. 

Was also können Mitarbeiter jetzt von ihren Chefs erwarten?

Arbeitgeber sollten ihren Mitarbeitern kostenlos kaltes Wasser zur Verfügung stellen. Ab einer Temperatur über 26 Grad empfiehlt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz das Aufstellen von Ventilatoren und Kühlungsgeräten oder das Lockern des Dresscodes. Eine weitere Möglichkeit wäre die Aufforderung, elektrische Geräte, Lampen, Drucker und Kopierer nur bei Bedarf in Betrieb zu nehmen. 

Zudem lassen sich Gleitzeitregelungen in besonderer Weise ausschöpfen: So ist es möglich, die Arbeitszeit in die kühlen Morgen- oder Abendstunden zu verschieben oder zusätzliche Pausen einzulegen. 

Spielt der Arbeitgeber jedoch nicht mit, haben Mitarbeiter es schwer, einen Anspruch durchzusetzen.

Arbeitsrechtler empfehlen, dass sich Mitarbeiter gemeinsam mit dem Betriebsrat mögliche Maßnahmen überlegen und diese dann zusammen mit dem Arbeitgeber abstimmen.

Warum eigenmächtiges Handeln der Mitarbeiter gefährlich werden kann

Grundsätzlich gilt: Wem zu heiß wird, der darf weder eigenmächtig nach Hause gehen noch ohne Absprache eigene technische Vorkehrungen treffen. Betroffene Mitarbeiter sollten daher auch in Unternehmen, die keinen Betriebsrat haben, immer das Gespräch mit dem Chef suchen.

Ein rechtlicher Anspruch auf kühlende Maßnahmen lässt sich aus der Richtlinie der BAUA nämlich nicht ableiten. Wer wegen Hitze früher geht oder sogar die Arbeit verweigert, riskiert sogar, seinen Job zu verlieren. „Von der eigenmächtigen Niederlegung der Arbeit – egal bei welcher Temperatur – kann man als Arbeitsrechtler nur warnen“, warnt Heike Kroll, Fachanwältin für Arbeitsrecht. 

Ein absoluter Ausnahmefall könnte nur dann vorliegen, wenn der Arbeitgeber keinerlei Maßnahmen zum Schutz vor den Temperaturen unternimmt und die Weiterarbeit unter diesen Umständen für die Arbeitnehmer ein konkretes Gesundheitsrisiko darstellt. In diesem Zusammenhang ist es jedoch wichtig, die Beweislage im Auge behalten: Der Arbeitnehmer müsste im Zweifel die Gesundheitsgefährdung durch die zu hohe Raumtemperatur beweisen. 

Die sechs besten Tipps zum Umgang mit starker Hitze bei der Arbeit

1. So werden die Räume kühl
Optimal ist eine Klimaanlage. Wenn keine Klimaanlage vorhanden ist, sollte morgens gelüftet werden. Danach die Fenster schließen und verdunkeln, so bleibt die Wärme draußen.

Auch Ventilatoren schaffen Abhilfe. Da durch sie aber Staub und Pollen aufgewirbelt werden, können Allergiker hier mit einem ärztlichen Attest durchsetzen, dass die Geräte so aufgestellt werden, dass sie keine Gefahr darstellen.

Mobile Klimageräte müssen so installiert werden, dass die Mitarbeiter keinen Zug abbekommen und sich nicht erkälten. Dafür ist die richtige Temperatur entscheidend: Sie sollte nicht mehr als sechs Grad Unterschied zur Außentemperatur betragen. Andere elektrische Geräten sollten möglichst wenig verwendet werden, da sie die Temperatur wiederum erhöhen.

2. So helfen Getränke und Nahrung dabei, fit zu bleiben
Wer kann, der sollte auf seinen morgendlichen Kaffee und süße Getränke verzichten und gegen den Durst stattdessen zweieinhalb bis drei Liter Wasser, Tee und verdünnte Obst- und Gemüsesäfte  trinken. Ein gutes Frühstück ist an heißen Tagen wichtig. Im Sommer vergeht vielen der Appetit. Also sollte man gleich mit Energiereserven starten.

In der Mittagspause empfiehlt sich etwas leichte Kost für den hungrigen Magen. So steht man den Tag wach und fit bis zum Feierabend durch. 

3. So schützen Sie Ihren Kreislauf
Zur schnellen Abkühlung ist es gut, sich kaltes Wasser über die Innenseiten der Handgelenke laufen zu lassen. Das stärkt den Kreislauf. Noch besser sind kalte Fußbäder.

4. So können Sie die Arbeitsabläufe zu Ihrem Vorteil abändern
Frühaufsteher sollten die Gelegenheit nutzen und früher mit der Arbeit beginnen, denn Schlafen in heißen Nächten ist ohnehin kein Genuss. Wer früh anfängt, muss zwar noch durch den heißen Mittag und frühen Nachmittag, kann aber nach Hause gehen, bevor es ganz schlimm wird.

Ein paar kleine Pausen zwischendurch lassen den Arbeitstag erträglicher werden. Alternativ sind Homeoffice-Absprachen eine Möglichkeit, wenn es daheim mehr Abkühlung gibt – sei es nur dank des Fußbads auf dem schattigen Balkon oder des Rasensprengers im Garten.

5. So arbeiten Sie auch im Freien sicher
Wer im Sommer im Freien arbeitet, ist nicht nur größerer Hitzebelastung, sondern auch erhöhter UV-Strahlung ausgesetzt. Hinzu kommen Sommersmog, Ozon und Feinstaub. Darum gelten für das Arbeiten im Freien besondere Regeln.

Der Arbeitgeber muss entsprechende Schutzkleidung stellen und dafür sorgen, dass seine Mitarbeiter ausreichend Getränke haben. Mitarbeiter können zudem erwarten, dass ihr Chef die Arbeitszeit und Arbeitsintensität den Witterungsverhältnissen anpasst und sie ab Temperaturen über 30 Grad reduziert.

Auf Baustellen besteht beispielsweise ein Anspruch auf Sonnensegel und Sonnenschirme, mitunter sogar auf Anlagen zur Besprühung mit Wasser. Werden die Ozon- oder Smogwerte überschritten, müssen schwere Arbeiten im Freien abgebrochen oder eingegrenzt werden.

6. So nutzen Sie Ausnahmeregelungen
Schwangere, stillende Mütter und Mitarbeiter, die per Attest gesundheitliche Probleme nachweisen, können vom Arbeitgeber die Einhaltung bestimmter Raumtemperaturen verlangen. Ist es dem Unternehmen nicht möglich, für Kühlung am Arbeitsplatz zu sorgen, haben sie ein Recht auf Freistellung an besonders heißen Tagen.

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