Das Erfolgsportal von
Handelsblatt & WirtschaftsWoche
Alles, was erfolgreich macht.

Rechtsprobleme im Urlaub: Sechs Irrtümer aus dem Urlaubsrecht, die Sie kennen sollten

Rechtsprobleme im Urlaub Sechs Irrtümer aus dem Urlaubsrecht, die Sie kennen sollten

Muss ich im Urlaub erreichbar sein? Darf mich der Chef vom Strand zurückholen? In der Ferienzeit kann es zwischen Chef und Arbeitnehmer schnell zu Streit kommen. Was rechtens – und was Unrecht ist.

Von Michael Scheppe |

Sechs Irrtümer aus dem Urlaubsrecht, die Sie kennen sollten

Urlaubsrechte

Der Urlaub ist heilig: Wann darf der Chef trotzdem stören – und wann gerade nicht?

Foto: Nikos Zacharoulis on Unsplash

Es ist Urlaubszeit: 14 der 16 Bundesländer haben schon Sommerferien, Baden-Württemberg und Bayern folgen noch. Das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) werden die wenigsten Erholungssuchenden mit in den Strandkorb genommen haben.

Dabei kommt es in der Ferienzeit oft zu Ärger mit dem Chef: Wie lange darf ich in Urlaub fahren? Muss ich erreichbar sein? Und ist es rechtens, wenn mich meine Firma zwingt, den Urlaub abzubrechen?

Bei solchen Fragen lohnt ein Blick in die Rechtsprechung. Karriere.de klärt mit sechs großen Irrtümern auf.

Vorab: Jedem Mitarbeiter – egal ob Festangestellt, Mini-Jobber oder Praktikant – steht Urlaub zu. Laut BUrlG sind das 24 Tage pro Jahr. Das Gesetz geht allerdings von einer Sechs-Tage Woche aus.

Wer fünf Tage pro Woche arbeitet, hat Anspruch auf 20 Tage im Jahr. In den meisten deutschen Unternehmen erfreuen sich die Arbeitnehmer aber an mehr Urlaub – Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung sei Dank.

Irrtum 1: Ich darf nicht vier Wochen Urlaub am Stück machen.

Doch! Falls Sie planen, nach Australien zu fliegen und vier Wochen Zeit brauchen, darf Ihnen das der Chef nicht einfach so verbieten. „Urlaub darf nur dann nicht gewährt werden, wenn wichtige betriebliche Gründe dagegensprechen“, sagt Arbeitsrechtler Sebastian Schröder von der Düsseldorfer Kanzlei Aquan.

Und der Chef muss das auch gut begründen: Wenn Sie in einem wichtigen Projekt der einzige Verantwortliche sind, ist es rechtens, dass Ihnen in der finalen Phase der Urlaub verwehrt wird.

Weitere Ausnahme: Viele Kollegen haben schon ihren Urlaub eingereicht und das Unternehmen kann mangels Mitarbeiter nicht mehr ordnungsgemäß arbeiten.

Grundsätzlich, das steht im Gesetz, ist der Urlaub „zusammenhängend zu gewähren“ (§7 BUrlG). Ihr Chef kann Sie nicht auf mehrere verlängerte Wochenenden vertrösten. Mindestens muss er Ihnen einmal pro Jahr zwei Wochen am Stück gewähren, auch das schreibt das Gesetz vor.

Das gilt übrigens auch zu Jahresanfang: Mitarbeiter können direkt ihren Jahresurlaub nehmen – sofern keine betrieblichen Gründe dagegensprechen.

Irrtum 2: Der Chef darf mich vom Strand zurück ins Büro holen.

Falsch! Der Arbeitgeber darf seine Mitarbeiter nur im größten Notfall zurückholen. Für das Bundesarbeitsgericht sind es gar „zwingende Notwendigkeiten, welche einen anderen Ausweg nicht zulassen“.

Ein kranker Kollege ist da kein ausreichender Grund. „Da muss schon die Existenz der Firma auf dem Spiel stehen“, sagt Schröder. Und die Storno- und Flugkosten muss dann auch der Arbeitgeber zahlen.

Das gilt auch für den Fall, wenn der Vorgesetzte den bereits genehmigten Urlaub wieder canceln will – denn: genehmigt ist genehmigt. Das gilt umgekehrt übrigens auch für den Arbeitnehmer, der kurz vor seinem Urlaub keinen einseitigen Rückzieher machen kann. Das ist nur in Ordnung, wenn beide Parteien damit einverstanden sind.

Irrtum 3: Als Führungskraft muss ich im Urlaub erreichbar sein.

Stimmt nicht! „Der Grundgedanke von Urlaub ist, dass sich Menschen erholen und ihre Arbeitsfähigkeit wiederherstellen“, sagt Jurist Schröder. Und das gilt eben auch für Führungskräfte.

Sie können Handy und Dienstlaptop zu Hause lassen – zumindest ohne rechtliche Bedenken.

In der Praxis wird allerdings häufig erwartet, dass Führungskräfte für ihre Mitarbeiter erreichbar sind. Das gibt auch Schröder zu: „Für das berufliche Fortkommen eines Managers ist es nicht gerade förderlich, wenn er wochenlang nicht ans Telefon geht.“

Irrtum 4: Wenn ich zu einem anderen Arbeitgeber wechsle, bekomme ich neuen Jahresurlaub.

Nein! Paragraf 6 des BUrlG schließt doppelte Urlaubsansprüche aus. Der Arbeitnehmer bekommt vor seinem Jobwechsel eine Urlaubsbescheinigung, die auflistet, wie viele freie Tage er schon genommen hat.

Der neue Arbeitgeber muss für den Rest des Jahres dann nur noch den Mindesturlaubsanspruch gewähren.

Was ist, wenn man bei seinem alten Arbeitgeber schon mehr Urlaub genommen hat, als einem anteilig eigentlich zustand? Dann hat der Chef Pech gehabt. „Bereits genommener Urlaub kann vom Arbeitgeber nicht zurückgefordert werden“, sagt Schröder.

Und wer seinen Urlaub vor einer Kündigung noch nicht ganz genommen hat? Kann ihn sich laut Bundesurlaubsgesetz abgelten lassen, wenn er den Urlaub bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses nicht mehr nehmen kann.

Irrtum 5: Mitarbeiter in der Probezeit haben kein Recht auf Urlaub.

Irrtum! Zwar gilt für Angestellte erst nach sechs Monaten der „volle Urlaubsanspruch“ (§4 BUrlG), aber bis dato haben sie ein Recht auf anteiligen Urlaub – und zwar pro Monat auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs. Das gilt selbst in den ersten Wochen, auch wenn das beim neuen Arbeitgeber nicht so gut ankommen mag.

Irrtum 6: Resturlaub verfällt am 31. März des Folgejahres.

Stimmt auch nicht. Laut Gesetz verfällt der Urlaubsanspruch am 31. Dezember – es sei denn, im Arbeits- oder Tarifvertrag steht etwas anderes. Den Urlaub ins neue Jahr mitnehmen geht nur, wenn es gute Gründe dafür gibt: eine lange Krankheit etwa oder eine Urlaubssperre wegen eines wichtigen Projektes.

Doch ein wenig Wahrheit ist an diesem Irrtum dran: Wenn der Urlaub ins neue Jahr übertragen wird, muss der Angestellte diesen bis zum 31. März genommen haben.

Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die neuesten Karriere-Themen informieren? Sie erhalten 1 bis 2 Meldungen pro Woche.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.karriere.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Ab sofort bleiben Sie bei den aktuellsten Karriere-Themen auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 2 Meldungen pro Woche.
Lade Seite...