Spitzenpersonal orientiert sich neu Wenn Chefs auf Jobsuche gehen

Ganz hoch auf das oberste Treppchen der Karriereleiter – und zwar ohne Headhunter und Karriereberater. Wir zeigen Ihnen ungewöhnliche Bewerbungsstrategien, die Managern und Vorstandschefs würdig sind.

Bewerbung – ganz einfach | Von Carina Kontio |

Wenn Chefs auf Jobsuche gehen

Entscheidungen

Freie Managementpositionen werden selten ausgeschrieben.

© DigitalVision Vectors/Getty Images

Für CEOs und hochrangige Manager gelten besondere Bewerbungsregeln.

„Wer die obere Managementebene anstrebt oder bereits erreicht hat, bewirbt sich nicht mehr im klassischen Sinne“, sagen Jürgen und Nana Nebel, Autoren des Karriereratgebers „Die CEO-Bewerbung“. Und das hat seinen guten Grund: Rund 80 Prozent der freien Managementpositionen werden nicht ausgeschrieben. Viele Firmen vergeben die Jobs unter der Hand und nicht über eine Ausschreibung in der Wochenendausgabe der Tageszeitung. „Diese Zahl steigt und wird noch weiter steigen“, heißt es auch bei Svenja Hofert, Autorin des Klassikers „Die Guerilla-Bewerbung“. Hofert: „Gute Jobs verschwinden mehr und mehr aus dem offenen Angebot. Sie gehen in den Untergrund.“ Das gilt im Besonderen für die oberen Gehaltsklassen.

Wie das kommt, dass so große Teile des Stellenmarkts nicht allen zugänglich sind? Einen Grund kennen Hans Rainer Vogel und Daniel Detambel, beide erfahrene Headhunter: „Der Stelleninhaber soll ersetzt werden, aber er darf von seinem "Glück" noch nichts wissen.“ Im Führungskräftebereich passiere das sehr häufig, weil die „Chemie“ nicht stimmt, auch wenn die Arbeitsleistung nichts oder nur wenig zu wünschen übriglässt. Kommt es zur Trennung, wird das oft äußerst diskret und neutral gehandhabt. „Würde in einem solchen Fall eine Anzeige geschaltet, um den Nachfolger zu suchen, würde man den Schaden vermutlich maximieren.“ Gerade für Top-Manager stellt sich daher die Frage, wie man diesen verdeckten Stellenmarkt knacken kann.

Wie Sie den Ball ins Rollen bringen

Nicht selten wenden sich CEOs in dieser Situation an Headhunter. „Sprechen Sie Headhunter am besten telefonisch oder per Xing an“, empfiehlt die Karriere-Expertin Svenja Hofert. „Ist ihr am Telefon geschildertes Profil interessant genug, wird Ihnen dieser Wunsch sicher erfüllt werden, denn Headhunter verdienen ihr Geld mit der Vermittlung von Top-Kandidaten“, so Hofert, „und sie werden sich einen guten Mann oder eine gute Frau nicht entgehen lassen.“ Dabei gilt: Je besser der Bewerber ist, desto mehr verdient der Vermittler, denn das Honorar richtet sich nach dem Bruttojahresgehalt.

Andere Chefs setzen bei der Jobsuche lieber auf das berühmte Vitamin B. „Vielfach überschätzt“, sagen Jürgen und Nana Nebel, Autoren des Karriereratgebers „Die CEO-Bewerbung“: „Die Jobsuche über das Netzwerk gerät immer seltener zum großen Befreiungsschlag.“ Nicht zuletzt auch deswegen, weil die Rekrutierungsprozesse aufgrund zunehmend verschärfter Compliance-Regeln derart sensibel geworden seien, dass das Kontaktnetz immer seltener greift. „Wohl dem, der in den letzten Jahren in einer verantwortungsvollen Managementposition die Zeit gefunden hat, dieses Netz zu pflegen. Die Realität sieht häufig anders aus.“

Bringen Sie sich direkt ins Gespräch

Wie aber geht man bei einer guten CEO-Bewerbung vor? Wie müssen die Unterlagen inhaltlich aussehen? Und wie verkauft man sich am besten beim persönlichen Kontakt? „Bringen Sie sich ins Gespräch“ lautet zunächst die Devise von Jürgen und Nane Nebel. Sie empfehlen – schnurstracks vorbei an der Personalabteilung – die direkte und initiative Ansprache von Aufsichtsräten, Geschäftsführern und Vorständen. „Nur die Unternehmensverantwortlichen können wissen, welche Führungspositionen in absehbarer Zeit zu besetzen sind.“

Doch auf dem Weg zum Chefsessel lauern einige Hürden. Um bei den Entscheidern Aufmerksamkeit zu erreichen, rät das Autorenpaar Managern mit ihren Erfolgen und bisher erzielten Leistungen zu glänzen statt mit Standard-Phrasen und Floskeln („führungsstark und analytisch-strategisch“, „Marketingstrategien entwickelt und umgesetzt“) aufzuwarten. Ein Ansatz, den auch der international angesehene Management-Experte Fredmund Malik vertritt. Er warnt: „99 Prozent der Bewerber geben zwar Positionen in ihren Lebensläufen an, aber keine Resultate“, so der international angesehene Management-Experte, „Ergebnisse sind entscheidend, nicht Visitenkarten.“


Was Sie wann preisgeben sollten

Dabei ist es für eine wirksame, weil glaubhafte Erfolgsdarstellung im Lebenslauf unerlässlich, dass die angepriesene Leistung („20 Prozent Umsatzsteigerung“) auch dem Geschäftserfolg dient. Denn woher soll der Entscheider wissen, ob der Branchendurchschnitt nicht bei 35 Prozent lag? Jeder Umsatz mehr könnte außerdem die Verluste vergrößert haben.
Wer noch ein Sahnehäubchen oben draufsetzen will, beantwortet dem Empfänger dann noch die Frage, wie der Erfolg erreicht wurde. Und zwar ohne mit Vokabeln wie „strategisch“, „analytisch“ oder „belastbar“ zu langweilen. „Das ist eher peinlich und nicht einmal im Ansatz glaubwürdig“, schreiben die Nebels. „Im Grunde ist es nämlich zweitrangig, auf Basis welcher Kompetenz Sie einen Erfolg erzielt haben. Wichtig ist zunächst, dass sie ihn erzielt haben.“ Die Darstellung von charakterlichen Eigenschaften oder Kompetenzen lieber für das persönliche Gespräch aufzusparen.

Beschreiben, wie Sie von Nutzen sein können

Stattdessen sollte die eigene Performance detailgetreu und präzise dargestellt werden. Lapidar zu schreiben „Marketingstrategie entwickelt und umgesetzt“, warnen die Karriereexperten, schaffe kein Vertrauen, sondern wecke Argwohn. Je genauer dagegen der adressierten Person der konkrete Nutzen beschrieben wird, desto überzeugender wirkt der Text. In dieselbe Richtung gehen auch die Headhunter Vogel und Detambel. Die Botschaft bei der Bewerbung muss lauten: „Ich möchte und kann dies oder jenes für dich tun; wenn du Bedarf für diese Art von Leistung hast, lass es mich bitte wissen, damit wir Auftragsverhandlungen führen können.“ Ein Chef ist also idealerweise niemals ein Bewerber um eine Arbeit, sondern Anbieter einer Leistung – der entscheidende Unterschied zum klassischen Bewerbungsweg.

Was Sie verschicken sollten

Dementsprechend könnten sich Kandidaten für C-Level-Positionen auch das Versenden ausführlicher Bewerbungsmappen sparen, die „erfahrungsgemäß allenfalls überflogen werden“, wie das Autoren-Duo Nebel konstatiert. Stattdessen sei es besser, potenziellen Arbeitgebern ein kleines Booklet über den Werdegang und die persönliche Erfolgsbilanz zu schicken. In einer Klemmmappe finden sich dazu ein kurzes Anschreiben, die persönlichen Beiträge zum Erfolg der bisherigen Arbeitgeber und eine Executive-Summary-Version des Lebenslaufs. Darauf, so versprechen die Autoren, werden meist 70 Prozent der angeschriebenen Unternehmen antworten. Aus diesen Rückmeldungen resultierten dann durchschnittlich zehn bis 20 Erstgespräche, „und am Ende können Sie fast immer zwischen mehreren Vertragsangeboten wählen.“

Hochwertiges Papier und Vermerk „Persönlich / Vertraulich“

Wichtig sei in diesem Zusammenhang, sich auf die erste Hürde zu konzentrieren: Der Empfänger muss diesen Brief nämlich auch öffnen. Klingt banal, ist aber nicht automatisch der Fall. Ganz wichtig sei es daher, dass die Post nicht standardisiert daherkommt. Mit der Verwendung von hochwertigem Papier, einer echten Briefmarke und dem Vermerk „Persönlich/Vertraulich“ kommt man seinem Ziel hingegen deutlich näher.
Thema Betreffzeile: Hier fassen erfolgreiche Jobsucher präzise drei- bis vierzeilig ihre bisherigen Funktionen, ihr Alter und ihr Spezialgebiet zusammen. Ein Beispiel wäre: „Geschäftsführer, General Manager, COO, Führungspersönlichkeit, 47, mit erstklassigen Referenzen und nachhaltigen Erfolgen in Retail-, Service und Multi-Channel-Organisationen.“

Besonderen Nutzen hervorheben

Der weitere Inhalt des kurzen Anschreibens muss eindeutig den Nutzen für den Adressaten darlegen. Daher sollte das Anschreiben mit einem passenden Statement („Profitables Wachstum erfordert mehr als eindimensionales Management“) beginnen, bevor der Bewerber in drei bis vier knappen Sätzen zeigt, wo er andernorts bereits konkreten Nutzen gestiftet hat und daher auch dem angeschriebenen Unternehmen Vorteile bringen kann.
Beendet wird das Schreiben mit einer Einladung zum Gespräch („Interessiert Sie ein Gedankenaustausch über eine mögliche Zusammenarbeit - dann freue ich mich über einen Gesprächstermin mit Ihnen“). Das Schreiben wird mit der persönlichen Unterschrift vollendet. Stil-Experten raten zu blauer Tinte, um sich vom gedruckten Text abzuheben. Denn selbst die beste eingescannte Unterschrift ist als solche erkennbar und signalisiert etwas Unpersönliches.

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