FAQs

Wer nicht fragt, bleibt dumm

Ulrike Heitze
Wie groß sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, wenn man nicht zu den Besten eines Jahrgangs gehört?
Je nach Firma und Position spielen Abi- und Uninoten eine wichtige Rolle. Bei den großen Unternehmensberatungen geht ohne eine Eins vor dem Komma tatsächlich nichts. Für Controller oder Finanzjobs muss es mindestens die Zwei davor sein, weiß tom Woerden. Dort ist man dann schon beim ersten Screenen der Bewerbung draußen. Aber: Keine Panik, man bekommt auch mit einer Drei noch eine Stelle. Wer sich die McKinseys und PWCs dieser Welt gleich mal aus dem Kopf schlägt und andere Arbeitgeber beispielsweise aus dem Mittelstand anpeilt, bekommt die Gelegenheit, mit anderen Qualifikationen und Stärken zu punkten. Es kann sich auch lohnen, Jobs eine Chance zu geben, die auf den ersten Blick nicht den Hochglanz-Vorstellungen entsprechen. Oft entpuppen die sich als spannender und verantwortungsvoller, als es von außen scheint. Und wer dann noch zu den Großen will, schafft das möglicherweise über diesen Zwischenschritt. Denn nach ein paar Jahren wiegt Berufserfahrung schwerer als Zeugnisnoten.
Wie wichtig ist außeruniversitäres Engagement?
Ziemlich. Denn damit kann ein Bewerber die bei Unternehmen so geschätzten Soft Skills wie Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein oder Führungsstärke belegen – abgesehen davon, dass einen solche Aktivitäten persönlich tatsächlich weiter bringen. Wer nur begrenzt Zeit hat, kann sich auch etwas Unaufwändiges suchen, wie etwa im Kindergarten oder im Altenheim vorlesen oder kurzzeitige Ferienprojekte. Falsch wäre es, aus rein opportunistischen Gründen ein Helfersyndrom zu entwickeln. Wer nicht mit dem Herzen bei der Sache ist, fliegt spätestens im Bewerbungsgespräch auf.
Kann sich ein VWLer auch auf BWL-Stellen bewerben?
Ja, wenn man sich während des Studiums betriebswirtschaftliche Zusatzkenntnisse zum Beispiel über die Wahl der Schwerpunktfächer zugelegt hat. So wird ein rein in VWL-ausgebildeter Absolvent kaum in einer Marketing-Abteilung landen können – da wäre die BWL-Konkurrenz ohnehin zu groß –, ein VWLer mit zusätzlichen Controlling- oder finanzmathematischen Kenntnissen hätte dagegen gute Chancen auf eine BWL-Stelle zum Beispiel im Risk Management. Vielfach wird  auch weniger ein genauer Abschluss gesucht, sondern eine bestimmte Schlüsselqualifikation, stellt Kienbaum-Partner Drosten fest. So benötigen Strategieberatungen analytisch denkende, gut strukturierende Mitarbeiter. Das muss man nachweisen können. Die Fachrichtung ist dann zweitrangig. 
Wie lange sucht ein Wiwi derzeit nach einer Stelle?
Mit einem viertel bis einem halben Jahr Suchzeit kann man derzeit schon rechnen, stellt Raimund Schouren, Berater beim Hochschulteam der Arbeitsagentur Düsseldorf, fest. Die Firmen nehmen sich Zeit, Kandidaten genau zu prüfen. Deshalb ist es nicht verkehrt, schon vor dem Abschluss mit den Bewerbungen loszulegen. Wer länger erfolglos sucht, kann sich auch von einem Zeitarbeitsunternehmen anheuern lassen. Die entsenden einen dann für qualifizierte Jobs in verschiedene Unternehmen. Der Vorteil: Berufspraxis und ein Gehalt, das deutlich über einer Praktikumsvergütung liegt. Erfahrungsgemäß werden Wiwi-Absolventen ziemlich flott von den Unternehmen abgeworben. Zeitarbeit ist darüber hinaus eine gute Alternative für Orientierungslose. Innerhalb eines Jahres kann man drei, vier Unternehmen testen und sich umschauen, bevor die Entscheidung fällt.
Sollte man mit einer Traineestelle oder im Direkteinstieg ins Berufsleben starten?
Das kommt ganz drauf an, wie genau man sich schon festlegen kann oder möchte. Viele Unternehmen haben beide Varianten im Angebot. Wer seinen Traumjob schon identifiziert hat, kann den Direkteinstieg wählen und gleich Verantwortung für seinen Bereich übernehmen. Trainee-Programme bieten dagegen den Vorteil, dass man sich vieles ansehen kann und das Unternehmen auch sehr viel breiter kennen lernt. Ein Wissen und ein Netzwerk, die einem im späteren Berufsweg sehr nützlich sein können. Wer sich Trainee-Programme ansieht, sollte erfragen, ob ein schon recht spezialisiertes Programm geboten wird – zum Beispiel Trainee im Marketing oder Trainee im Controlling – oder ob der Jobeinsteiger wirklich alle Bereiche durchläuft und in Personal, Produktion, Finanzwesen und Markting reinschnuppern kann, bevor er sich für seinen Weg entscheidet. Diese Programme sind eher selten, können aber auch ihren Reiz haben, wenn man noch nicht genau weiß, wohin.
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Dieser Artikel ist erschienen am 25.07.2008

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