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Exodus der Managerinnen
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Exodus der Managerinnen

Männer lärmen, Frauen gehen

Claudia Obmann
Unternehmenschefs sind gefrustet, dass ihre Förderung von Führungsfrauen nicht greift. Flexible Arbeitsmodelle und Firmen-Kitas reichen nicht – ein Kulturwandel in Unternehmen ist nötig.
Meine Damen, liebe Kollegen, liebe Susan." So begrüßte der damalige Vodafone-Chef Friedrich Joussen vor drei Jahren seine Dinner-Gäste. Anlass war der Antritt von Susan Hennersdorf, der neuen Chefin des Privatkundengeschäfts, im Kreis ihrer neun männlichen Geschäftsführerkollegen und deren Gattinnen.

"Ich fühlte mich in diesem Moment wie ein Teenager – nichts passt so richtig", erzählt die promovierte Diplom-Kauffrau, deren Verantwortungsbereich rund 2 000 der insgesamt rund 5 000 deutschen Vodafone-Mitarbeiter umfasst. Sich mit 43 Jahren unsicher wie mit 14 in der Pubertät zu fühlen, brachte die Managerin zu der Einsicht, dass sich die Rolle weiblicher Führungskräfte dringend ändern muss.

Managerinnen-Netzwerk

Hennersdorf initiierte ein Netzwerk der Vodafone-Managerinnen. Zum nun dritten Jahrestreffen versammelten sich rund 120 Teilnehmerinnen in Düsseldorf. Darunter vielversprechende Nachwuchskräfte, die unbedingt stärker als bislang ans Unternehmen gebunden werden sollen. Denn obwohl die Hälfte der Vodafone-Belegschaft in Deutschland weiblich ist, sind Frauen in Führungspositionen noch immer "dramatisch unterrepräsentiert", konstatiert Vodafone-Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum, der vor knapp einem Jahr die Geschäftsleitung von Vorgänger Joussen übernommen hat.

Trotz jahrelanger Förderung des weiblichen Nachwuchses sind gerade mal zwölf Prozent der gehobenen Managementpositionen von Frauen besetzt. Damit bildet der deutsche Mobilfunkbetreiber im Vergleich aller Vodafone-Ländergesellschaften das Schlusslicht – zusammen mit Ägypten.

Noch schlimmer: "Statt kontinuierlich Frauen bis in die Topetagen zu befördern, verlieren wir unsere weiblichen Talente", berichtet Susan Hennersdorf. Die meisten davon auf den beiden Führungsebenen unterhalb der Geschäftsleitung – allen flexiblen Arbeitsbedingungen für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, der Firmen-Kindertagesstätte und einer Diversity-Beauftragten, deren Hauptaufgabe es ist, für eine vielfältigere Belegschaft zu sorgen, zum Trotz.

Frauen fliehen aus den Führungsetagen

Und das geht nicht nur Mobilfunkbetreiber Vodafone so, dessen Wurzeln bis in die Mannesmann-Röhrenwerke reichen. Egal ob Automobilproduzent, Chemiemulti oder Elektronikriese – die meisten männlich geprägten Unternehmen der deutschen Wirtschaft tun sich schwer, weibliche Talente auf Dauer an sich zu binden.

SAP ist auch solch ein Fall. Mit Luisa Delgado hat bereits die zweite Personalvorständin nach kurzer Zeit das Unternehmen verlassen. Aufsichtsratsvorsitzender Hasso Plattner müht sich zwar, SAPs Ruf als "Frauenschreck" entgegenzuwirken. Doch auch er fragt sich wie viele seiner DAX-Kollegen, wieso sie qualifizierte Managerinnen nicht halten können. Die Herren an der Unternehmensspitze tun doch, was sie können.

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