Auch bei hoher Arbeitsbelastung lässt sich ein Burnout vermeiden, sagt Gesundheitsexpertin Elke Engels. Im Interview gibt sie Tipps, wie man sich die Gesundheit am Arbeitsplatz bewahrt und seine Leistungsfähigkeit erhält.
Frau Engels, Sie haben in Ihren Büchern untersucht, wie unterschiedlich Männer und Frauen erkranken und welche Rolle die Arbeit dabei spielt. Stimmt es, dass Burn-Out eine typische Männerkrankheit ist? Elke Engels: Nein, keineswegs. Frauen sind sogar besonders gefährdet, weil häufig sie es sind, die einer Doppel- oder Dreifachbelastung ausgesetzt sind, und weil Burn-Out-Erkrankungen oft in klassischen Frauenberufen wie Erziehung oder Pflege vorkommen. Allerdings suchen sich Frauen schneller Hilfe und sprechen eher über psychische Erkrankungen als Männer. Frauen leben gesundheitsbewusster und haben ein besseres Körpergefühl. Männer suchen in der Regel erst den Arzt auf, wenn Beschwerden deutlich zur Belastung werden. Sie verdrängen Erkrankungssymptome eher, insbesondere bei Burn-Out, was von der Umwelt als Schwäche interpretiert werden könnte.Wie unterscheidet sich denn der Krankenstand je nach Geschlecht? Der Krankenstand zwischen den Geschlechtern unterscheidet sich nur marginal. 2009 war der Krankenstand sehr niedrig und lag bei 3,3 Prozent der Sollarbeitszeit, das sind etwa 7,3 Krankentage im Jahr. Die Fehlquote von Frauen war mit 3,5 Prozent gering höher als bei Männern mit 3,2 Prozent. Eine Erklärung ist ganz sicher das höhere Gesundheitsbewusstsein der Frauen, die sich bei Krankheit auskurieren. Ein weiterer Punkt: Ist der Nachwuchs krank, kümmert sich meistens die Frau darum und bleibt zu Hause.Die Anzahl der durch psychische Erkrankungen verursachten Fehlzeiten ist in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen. Ja, das stimmt. Bereits elf Prozent aller Fehltage gingen 2009 auf das Konto psychischer Erkrankungen, das ergab eine Studie der Bundespsychotherapeutenkammer. Vor zehn Jahren war es gerade einmal die Hälfte. Die Behandlungskosten für depressive Störungen liegen inzwischen bei mehr als vier Milliarden Euro im Jahr. Besonders Burn-out-Erkrankungen nehmen zu.Woran liegt das? Zum einen liegt das an Umstrukturierungen in der Arbeitswelt: Immer weniger Menschen müssen immer mehr Arbeit in immer knapperer Zeit verrichten. Wirtschaftskrisen verschärfen diese Prozesse. Zum anderen liegt es aber auch an der Einstellung der Mitarbeiter selbst. Viele Menschen neigen dazu, problemorientiert statt zielorientiert zu arbeiten. Arbeit nimmt in ihrem Leben den zentralen Raum ein, ein Privatleben findet kaum noch statt. Freizeit, Entspannung und soziale Kontakte sind aber für die Gesundheit sehr wichtig. Menschen brauchen Spiel und Spaß in ihrem Leben, sonst werden sie krank.
Ob Fußball, Badminton oder Gymnastik - Betriebssport ist gut für Gesundheit und Betriebsklima. Doch nicht bei jeder Sportart sind die Mitarbeiter auch versichert. Was zu beachten ist.
Email, SMS, Anrufe - die ständige Erreichbarkeit kann auf Dauer krank machen. Dabei gibt es durchaus clevere Ansätze, wie Führungskräfte in Teilzeit ihr Arbeits- und Privatleben ausbalancieren können.
Deutschland ade: Unternehmen verlagern Produktion, Verwaltung und Forschung in alle Welt – weil Schwellenländer wettbewerbsfähiger werden und Manager durch Herkunft und Werdegang so weltoffene wie nüchterne Kalkulierer sind wie keine Generation vor ihnen.
Meterhohe Aktenstapel, Fotos von den Kindern, Spielfiguren aus Plastik: Schreibtische sind nicht nur nüchterne Arbeitsfläche, sondern Spiegel der Seele und unserer Gesellschaft. Weil unsere Arbeitswelt im Umbruch ist, wird der eigene Schreibtisch aber zum Auslaufmodell. Die Zukunft gehört flexiblen Arbeitsplätzen.
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Foto: G. Altmann/Pixelio
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