Das Erfolgsportal von
Handelsblatt & WirtschaftsWoche
Alles, was erfolgreich macht.

Humor durch die Krise So trainieren Sie ihren Humor im Arbeitsalltag

Humor hilft. In Krisen ganz besonders. Was dabei zu beachten ist, das zeigen zwei Humor-Expertinnen auf Youtube.

Arbeit und Coronavirus | Von Angelika Ivanov |

Eva Ullmann bringt Menschen zum Lachen. Aus beruflichen Gründen. Dabei ist sie weder Stand-up-Comedienne noch Clown. Die Sozialpädagogin bringt in Seminaren für Manager und Mitarbeiter Humor in den Unternehmensalltag. Dafür hat sie 2005 das Institut für Humor in Leipzig gegründet.

Wegen Corona muss sie aber zusammen mit ihrer Kollegin Katrin Hansmeier, ebenfalls Expertin für Humor, Rednerin und Schauspielerin, vom Homeoffice aus arbeiten. Denn ihre Workshops vor Ort fallen natürlich aus.

Dabei ist gerade in der Krise Humor so wichtig wie selten zuvor, um die Stimmung jedes einzelnen, aber auch im Team hochzuhalten. Sie weiß: Eine angespannte oder gar tragische Situationen kann mit ein paar lustigen Worten aufgelockert werden. „Firmen fragen uns jetzt an, ob wir ihnen Videos zusenden können, damit ihre Beschäftigten die anstrengende Lage gut überstehen,“ erzählt sie.

Damit auch andere von ihrer Arbeit profitieren können, hat Humortrainerin Ullmann ihre Videos öffentlich ins Netz gestellt. Ullmann und ihre Kollegin Hansmeier nennen ihr Youtube-Angebot den Krisenkalender. Ähnlich wie beim Adventskalender werden hier virtuelle Türchen geöffnet. Darin stecken Kniffe und Tricks, um Humor zu erlernen. Vielleicht nicht bis zur Bühnenreife, aber ausreichend für den Alltag. Mal ist es ein Witz, mal eine konkrete Anleitung wie sich eine Anekdote lustig erzählen lässt.

Hirschhausen: Prävention gegen Burn-Out, Depression und Krankheiten

Doch hat Humor überhaupt was auf der Arbeit zu suchen? Ja, meint Deutschlands wohl beliebtester Arzt und Humorist Eckart von Hirschhausen im Interview mit karriere.de. Die Deutschen sind leidensfähig und zitieren gerne den Leitsatz: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. „Das mag im Kohlebergbau gegolten haben“, sagt Hirschhausen. Aber jeder, der sein Geld nicht mit körperlicher Arbeit verdiene, sondern mit Kopf und Herz, brauche eine andere Motivation. Spaß bei der Arbeit sei mehr denn je gefragt.

Wer bei seiner Arbeit kein Vergnügen habe, „macht etwas grundsätzlich falsch“, so Hirschhausen. Humor sei keine Kopfschmerztablette für jemanden, der täglich schwierige Arbeitsbedingungen aushalten muss. Humor sei der Gradmesser dafür, wie sehr sich Arbeitnehmer verbiegen.

Denn Humor ist mehr als nur ein paar lustige Sprüche. Es ist eine Wesensart, die zeigt, wie Menschen die Welt sehen – oder eben die Perspektive wechseln können. Lustig ist immer nur das, was Wahrheit enthält oder sie aufdeckt.

Für Hirschhausen ist der Auftrag an die Unternehmen klar: Wenn sie erkennen, dass sie davon profitieren, sich um das Glück ihrer Mitarbeiter zu kümmern, ist viel gewonnen.

„Darin liegt eine große Präventionskraft gegen Burn-Out, Depression und Krankheiten,“ sagt er. Freude und Glück könnten zwar nur von innen kommen. Aber Unternehmen könnten sehr wohl Rahmen schaffen, in denen sich Menschen wohler und freier fühlten. Dafür sei vor allem Vertrauen nötig. „Oft arbeiten Unternehmen mit Angst und Druck. Daher wäre viel schon gewonnen, wenn man mal anfängt, die Demotivation wegzulassen“, so Hirschhausen.

Humorvoll Konflikte aushebeln

Doch anfangen kann man vor allem bei sich selbst. Wer Konflikte und Streitigkeiten stilvoll lösen will, kann das von Humorexpertin Ullmann lernen. Sie beschreibt etwa in Türchen 9, dass man auf eine Beleidigung oder einen Angriff mit der sogenannten unsinnigen Zustimmung reagieren kann.

Heißt: Jemand bezeichnet Sie als unfähig. Sie antworten: „Ja. Ich habe sogar ein Seminar besucht und habe jetzt ein Zertifikat.“ Die positive Reaktion nimmt dem Gegenüber den Wind aus den Segeln – denn normalerweise reagieren Menschen eher mit Gegenwehr. Die Überhöhung hebelt den Angriff komplett aus.

Sozialen und aggressiven Humor unterscheiden

Dabei sind zwei Dinge bei Humor besonders zu unterscheiden, erklärt Ullmann. Zum einen der soziale Humor, der eine vielleicht peinliche Situation liebevoll auffängt. Zum anderen der aggressive Humor, der das Gegenüber abwertet.
Hansmeier zeigt in einem Video folgendes Beispiel: In einer Konferenz fällt einem Teilnehmer das Wasserglas auf den Boden.

Die soziale humoristische Reaktion der Moderatorin wäre: „Sie können aber schön loslassen.“ Das nimmt der Person Schuld und Scham. Der aggressive Witz könnte dagegen lauten: „In ihrem Alter wird es schwer das Wasser zu halten.“ Dieser Kommentar ist zwar in seinem Sprachwitz doppeldeutig, beleidigt die Person jedoch zusätzlich. Das ist kontraproduktiv für den gesellschaftlichen Zusammenhalt oder das Teamgefühl.

„Grundsätzlich darf Humor alles,“ sagt Ullmann. Doch in einer angespannten Lage wie zu Zeiten des Coronavirus sei der soziale Humor der hilfreicher. „Das löst Menschen aus der Angst und Panik.“

Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die neuesten Karriere-Themen informieren? Sie erhalten 1 bis 2 Meldungen pro Woche.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.karriere.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Ab sofort bleiben Sie bei den aktuellsten Karriere-Themen auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 2 Meldungen pro Woche.
Lade Seite...