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Gehälter in systemrelevanten Berufen 20.000 Euro weniger – Wo Frauen schlechter wegkommen

Obwohl ohne Frauen in der Coronakrise die Grundversorgung am Ende wäre, kommen sie finanziell schlecht weg. Eine Übersicht über die Ungerechtigkeit.

Von Anne Koschik |

Ob Gesundheitswesen, Kinderbetreuung und Versorgung: Die Strukturen des gesellschaftlichen Lebens halten aktuell in der Mehrzahl Frauen aufrecht. Ihre Leistung wird aber nicht entsprechend anerkannt, wie eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) gerade erst wieder gezeigt hat.

Es geht nicht nur ums Prestige: Die Gehälter stimmen ebenfalls nicht. Diskussionswürdig sind nicht nur zu niedrige Gehälter etwa im Pflegebereich. Auch die Entgeltlücke zwischen den Geschlechtern ist markant.

Beispiel Fachärzte: In dieser Berufsgruppe arbeiten zu gut 60 Prozent Frauen, verdienen aber rund 25 Prozent weniger als die männlichen Kollegen. Im Arzthelferbereich, den Frauen zu fast 98 Prozent ausfüllen, klingt es fast aberwitzig: Hier verdienen sie noch ein Prozent weniger als das eher seltene männliche Pendant.

Einkommen, Entgeltlücken und Geschlechterverteilung von ausgewählten systemrelevanten Berufen haben jetzt die Analysten von Gehalt.de untersucht: Als Basis dienten ihnen 22.097 Datensätze – Gehaltsangaben aus Jahresbruttogehältern inklusive Bonuszahlungen.

Auffälligstes Ergebnis: „Die Entgeltlücke tendiert dazu, mit steigendem Gehaltsniveau zu wachsen“, sagt Gehalt.de-Geschäftsführer Philip Bierbach. „Das beobachten wir vor allem in Positionen mit Personalverantwortung, in denen Frauen unterrepräsentiert sind.“

Fachärztinnen: 20.000 Euro weniger als die männlichen Kollegen

Die Untersuchung hat ergeben: Im Facharztbereich gibt es die größten Gehaltsunterschiede: Hier beziehen männliche Beschäftigte jährlich ein Einkommen von 95.100 Euro, während ihre weiblichen Kolleginnen 74.600 Euro erhalten.

Online-Redakteurinnen: 6300 Euro weniger als die männlichen Kollegen

Das Geschlechter-Verhältnis ist in den Online-Redaktionen relativ ausgewogen. Frauen sind hier mit 56 Prozent leicht in der Überzahl und verdienen 41.000 Euro. Das Einkommen der Männer liegt aber um 14,3 Prozent höher: 47.300 Euro kassieren sie im Jahr.

Einzelhandelskauffrauen: 5600 Euro weniger als die männlichen Kollegen

In der Lebensmittelbranche machen Frauen ebenfalls den größten Teil der Einzelhandelskaufleute aus. In diesem Beruf beträgt der weibliche Anteil 77 Prozent bei einem Jahresgehalt von 27.100 Euro. Einzelhandelskaufmänner beziehen 32.700 Euro und somit fast 20 Prozent mehr.

Krankenpflegerinnen: 4500 Euro weniger als die männlichen Kollegen

Mit 37.700 Euro Jahresgehalt verdienen Krankenpflegerinnen 11,6 Prozent weniger als Krankenpfleger, die auf 42.200 Euro kommen und in dem Berufsfeld nur ein Fünftel der Arbeitskräfte stellen.

Apothekerinnen: 3900 Euro weniger als die männlichen Kollegen

Männliche Apotheker verdienen rund 49.700 Euro und sind zu 27 Prozent vertreten. Der Frauenanteil überwiegt somit auch hier und das Jahresgehalt beträgt 45.800 Euro. Die Einkommen der Apothekerinnen sind um 8,2 Prozent geringer als die der Apotheker.

Erzieherinnen: 2100 Euro weniger als die männlichen Kollegen

76 Prozent aller Erzieher sind weiblich. Die Gehälter unterscheiden sich um 5,8 Prozent zugunsten der Männer. Diese kommen jährlich auf 37.900 Euro. Erzieherinnen müssen sich mit 35.800 Euro zufrieden geben.

Kassiererinnen: 2000 Euro weniger als die männlichen Kollegen

Wer sitzt im Supermarkt meistens an der Kasse? Frauen. Ihr Anteil beträgt hier 88 Prozent. Im Jahr kommen sie auf 27.200 Euro bei Vollbeschäftigung. Kassierer dagegen gehen mit einem Gehalt von 29.200 Euro nach Hause.

Altenpflegerinnen: 1200 Euro weniger als die männlichen Kollegen

In diesem Bereich fällt der Unterschied weniger auf: 32.600 Euro Jahresgehalt bei den Frauen stehen 33.800 Euro bei den Männern gegenüber.

Arzthelferinnen: 300 Euro weniger als die männlichen Kollegen

Arzthelferinnen kommen auf 31.100 Euro im Jahr, die männlichen Beschäftigten immerhin auf 31.400 Euro: Obwohl sie diesen Beruf nur selten ausüben, wird ihre Leistung offensichtlich mehr anerkannt und besser bezahlt.

Alle Ergebnisse im Überblick:

Beruf

Q1

Median 

Q3

Anteil

Frauen

Lohnlücke*

Altenpfleger/-in

29.320 €

32.932 €

37.674 €

77,1%

-3.5 %

Frauen

28.929 €

32.633 €

37.387 €

 

 

Männer

30.450 €

33.778 €

38.839 €

 

 

Gesundheits- und

Krankenpfleger/-in

33.181 €

38.554 €

45.076 €

80,1%

-11,6%

Frauen

32.598 €

37.695 €

44.030 €

 

 

Männer

36.337 €

42.153 €

48.623 €

 

 

Kassierer/-in

23.052 €

27.318 €

33.187 €

87,5%

-7,1%

Frauen

23.041 €

27.225 €

32.597 €

 

 

Männer

23.263 €

29.156 €

35.998 €

 

 

Einzelhandels-

kaufmann/-frau

(Lebensmittel)

24.097 €

28.126 €

33.554 €

76,8%

-19,8%

Frauen

23.709 €

27.128 €

31.826 €

 

 

Männer

26.787 €

32.706 €

38.874 €

 

 

Erzieher/-in

31.999 €

36.325 €

41.883 €

76,4 %

-5,8%

Frauen

31.481 €

35.819 €

41.056 €

 

 

Männer

33.092 €

37.916 €

43.972 €

 

 

Apotheker/-in

32.213 €

47.613 €

58.373 €

73,4%

-8,2%

Frauen

29.473 €

45.813 €

57.063 €

 

 

Männer

40.603 €

49.738 €

62.066 €

 

 

Arzthelfer/-in

26.730 €

31.030 €

36.773 €

97,8%

-1,2%

Frauen

26.721 €

31.019 €

36.731 €

 

 

Männer

27.005 €

31.393 €

40.596 €

 

 

Facharzt /-ärztin

65.575 €

80.378 €

98.607 €

61,4%

-25,5%

Frauen

59.443 €

74.606 €

87.578 €

 

 

Männer

78.704 €

95.148 €

121.083 €

 

 

Online-Redakteur/-in

36.000 €

43.590 €

55.385 €

56,1%

-14.3%

Frauen

33.903 €

41.080 €

51.286 €

 

 

Männer

39.352 €

47.296 €

62.059 €

 

 

Quelle: Gehalt.de | *Lohnlücke (gemessen am Median)

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