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Frauenquote Die heimliche Macht der Männer im Aufsichtsrat

Die Frauen-Quote mag in den Aufsichtsräten der Dax-Unternehmen greifen. Aber: An den Schalthebeln der Macht sind Frauen damit noch längst nicht angekommen. Auch bei der Vergütung klafft eine Lücke.

Von Claudia Obmann |

Die heimliche Macht der Männer im Aufsichtsrat

Frauenquote

Die Erfolgsleitern für Männer und Frauen sehen immer noch sehr unterschiedlich aus.

© Fotolia

Ein Blick auf die Gehaltszettel der Aufsichtsräte der 30 Dax-Unternehmen zeigt: Die weiblichen Kontrolleure verdienen im Schnitt 19 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Die Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG) hat ermittelt, dass „sie“ im Schnitt 31.000 Euro weniger als „er“ mit nach Hause bringt.

Diese Gehaltslücke erklärt sich auch dadurch, dass Aufsichtsrätinnen in den mächtigen Ausschüssen mit höherer Vergütung unterrepräsentiert sind. Und diese erst schon gar nicht leiten.

Die drei Schlüsselgremien in deutschen Aufsichtsräten, wenn es um Neubesetzungen geht:

• Präsidial-,
• Personal- oder
• Nominierungsausschuss.

Eine exklusive Auswertung von karriere.de und dem Handelsblatt zeigt: Insgesamt sind gerade einmal 55 von 293 Plätze in den einflussreichen Gremien mit weiblichen Aufsichtsratsmitgliedern besetzt. Das ergibt einen Frauenanteil von rund 19 Prozent.

An den Schalthebeln der Macht sitzen zumeist die Männer

Das bedeutet: Frauen mögen zwar in die Dax-Aufsichtsräte eingezogen sein, weil die gesetzliche Quote von 30 Prozent im Schnitt greift. An den Schalthebeln der Macht sitzen in vielen Konzernen aber immer noch die Männer.

Und diese inneren Zirkel besetzen offenbar weiter nach dem Motto „Gleich und gleich gesellt sich gern“, so dass qualifizierten Frauen der Aufstieg in die Chefetage weiter verwehrt bleibt. Besonders hartnäckig halten sich so die Herren in den besetzungsrelevanten Ausschüssen bei Volkswagen und der Deutschen Bank. Dort findet sich keine einzige Frau im Personal-, Präsidial-, oder Nominierungsausschuss.

Erst Chef, dann Kontrolleur. Das Männerbünde-Problem hat durchaus System. Schließlich war es jahrzehntelang üblich, erfahrene und damit vor allem männliche Dax-Manager nach ihrer aktiven Zeit in den Aufsichtsrat zu berufen. Die Folge: 28 der 30 Dax-Konzerne haben einen Mann als Chefkontrolleur.

Einige davon, so wie Jürgen Hambrecht oder Werner Wenning, waren früher sogar selbst Vorstandschef der Konzerne, die sie heute beaufsichtigen. Die Aufsichtsratssatzung sieht in der Regel vor, dass mindestens der Chefkontrolleur, oft aber auch sein Stellvertreter die mächtigen, besetzungsrelevanten Ausschüsse leiten. Und so verwundert es nicht, dass BCG-Partnerin und Studienleiterin Judith Wallenstein resümiert: „Der Fortschritt hat Ladehemmung.“

Wie also raus aus dem Dilemma mit den Männer-Seilschaften, die sich immer wieder selbst bestätigen? Ohne ein Umdenken der mächtigen Herren geht es nicht – da sind sich alle Experten einig. Doch auch bei den Aufsichtsrätinnen selbst muss sich etwas ändern, soll die Gehaltslücke geschlossen werden und Frauen in den mächtigen Gremien künftig mitreden.

Drei Karriere-Tipps für „sie“.

Tipp 1: Machtbewusst handeln

Aufsichtsrätinnen sollten sich die Gestaltungsmacht der unterschiedlichen Ausschüsse klar machen. Und sich auch aus vergütungstechnischen Gründen nicht mit einem Platz in den weniger einflussreichen Gremien wie dem Sozial- oder Technologieausschuss abspeisen lassen.

„Mit vornehmer Zurückhaltung ist nichts zu gewinnen“, sagt Monika Schulz-Strelow, Präsidentin der Initiative „Frauen in die Aufsichtsräte“ (Fidar). Das Sitzungsgeld, das Ausschussmitglieder zusätzlich zur Basis-Vergütung erhalten, kann, je nach Bedeutung des jeweiligen Ausschusses, um etliche Tausender variieren.

Tipp 2: Nachfolge-Chance ergreifen:

„Wer über ein gutes Gespür für das richtige Personal und wertvolle, unkonventionelle Kontakte verfügt, soll den Wunsch, in die Kerngremien vorzurücken, ruhig kommunizieren", rät die Fidar-Chefin. Schließlich werden auch während der laufenden Amtszeit immer wieder Nachfolger benötigt.

Das ist die Chance für Novizinnen im Aufsichtsrat, nach einer gewissen Einarbeitungszeit im Kontrollorgan, an Einfluss zu gewinnen.

Tipp 3: Strategische Vorgehensweise

Brigitte Lammers, Partnerin bei der Personalberatung Egon Zehnder, rät vor allem erfahrenen Aufsichtsrätinnen zu einer gezielt „strategischen Vorgehensweise“. Heißt: „Wenn sich ein neues Aufsichtsratsmandat anbietet, von Anfang an den Anspruch anmelden, in einen der einflussreichen Ausschüsse gewählt zu werden.“

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