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Managerinnen 50plus
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Managerinnen

Mit 50plus ist für Karrierefrauen Feierabend

Teil 2: "Die Macht läuft Undercover"

Und das Alter dieser Frauen spielt keine Rolle? Die Arbeitsbelastung in Top-Jobs verdichtet sich zunehmend – vielleicht liegt der Grund in einer geringeren Belastbarkeit?

Nein, für diese Frauen war es selbstverständlich, 60, 70, 80 Stunden pro Woche zu arbeiten. Es war ihnen nicht zu viel. Außerdem dürften dann auch keine 50-jährigen Männer mehr befördert werden. Nein, es geht um Männermacht und Männerkultur. Die Ausschlussmechanismen sind allerdings subtil. Es wagt ja heute keiner mehr zu sagen: Du darfst das nicht, du bist eine Frau. Nein, Frauen werden von den Informationskanälen und Entscheidungszentren ausgeschlossen.

Das heißt, die Frauen nehmen zwar an den Aufsichtsratssitzungen teil, aber die Entscheidungen werden nachher unter den Männern an der Bar geschlossen.

Nein, die Sitzung ist bereits vorher in der Bar oder am Telefon entschieden worden. Ohne die Frauen. Die Macht läuft undercover.

Wie haben die befragten Managerinnen auf diesen Ausschluss von Macht und Einfluss reagiert?

Es gibt drei Gruppen. Die erste Gruppe nenne ich die Kämpferinnen. Die wollen es wissen und kämpfen mit allen Mitteln um ihren Platz im Unternehmen. Dann gibt es die Aussteigerinnen. Sie verlassen das Unternehmen und machen etwas ganz anderes. Die dritte Gruppe sind die Resignierten. Sie sind häufig die Versorgerinnen ihrer Familie und können nicht einfach hinschmeißen. Sie gehen in die innere Emigration und machen Dienst nach Vorschrift.

Sie bezeichnen die Sinnkrise, die diese Managerinnen erleben, als Statuspassage. Darunter versteht man normalerweise einen markanten Wechsel von einem sozialen Status in einen anderen, wie etwa den Beginn eines Studiums oder der Beginn des Berufslebens.

Heute ist man mit 50 nicht mehr alt. Unser Alterskonzept hat sich ja völlig geändert. Wer heute Anfang 50 ist, hat erstmals noch genau so viele Berufsjahre vor sich wie aktive Lebenszeit nach der Rente, nämlich im Schnitt etwa 15 Jahre. Und beide Phasen, mindestens 30 aktive Lebensjahre, möchte man sinnvoll und gut gestalten.

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