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Jobfrust

Why?! – Die enttäuschte Generation Y

Claudia Obmann
Junge Berufstätige sind frustriert vom Berufsalltag und wollen mehr Geld.

Foto: olly/Fotolia.com

Neue Studie: Generation Y leidet unter Arbeitsfrust

Ernüchterung macht sich breit unter den jungen Berufstätigen in Deutschland. Die nach 1982 Geborenen, von Soziologen „Generation Y“ genannt, merken, dass sich ihre hohen Ansprüche nicht erfüllen: Bei mehr als der Hälfte von ihnen stimmen wichtige persönliche Arbeitgebermerkmale und die betriebliche Realität nicht überein. Sie bemängeln vor allem die Vergütung, uninteressante Arbeit und die niedrige Qualität der Führungskräfte.

Die besten Jobs von allen


Das hat eine Studie der Unternehmensberatung Accenture mit 600 Befragten ergeben, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Die Generation Y gerät in den Fokus von Arbeitgebern, weil sie im Jahr 2025 weltweit mehr als 75 Prozent der Erwerbspersonen stellen wird. Allein in Deutschland umfasst diese Altersgruppe etwa 15 Millionen Menschen. "Mit einer gewissen Arroganz haben wir unterschätzt, wie wichtig das Thema ,Vergütung’ für die Angehörigen der Generation Y ist", sagt Studienleiter Fred Marchlewski. Vorherige Studien hätten besagt, dass es für die 20- bis 30-Jährigen wichtiger sei, sich zeitlich und räumlich flexibel mit spannenden Themen in einem sinnstiftenden und kollegialen Umfeld beschäftigen zu können. Ebenfalls überraschend: Die "Arbeitsplatzsicherheit" rangiert inzwischen an zweiter Stelle der wichtigsten fünf Kriterien für einen attraktiven Job

Eine mögliche Erklärung: Während der Finanzkrise haben die Newcomer miterlebt, wie fragil Arbeitsverhältnisse sind. Trotz ihres unerwartet hohen Sicherheitsdenkens bleibt die Generation Y wechselfreudiger als etwa die Generation der Baby Boomer – der nach dem Zweiten Weltkrieg bis Mitte der 60er-Jahre Geborenen. Arbeitgeber, die mit Slogans wie "Bei uns machen Sie international Karriere" oder "Wir bieten Top-Gehälter" werben, dann aber mit Auslandsstationen geizen und Gehaltssprünge von der Betriebszugehörigkeit abhängig machen, "produzieren Frust", sagt Fred Marchlewski. 

Junge Talente lassen sich nicht blenden 

Und Jutta Rump, Leiterin des Instituts für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen, ergänzt: "Die Toleranzgrenze der Generation Y ist insgesamt geringer als die der älteren Beschäftigten." Wechsel aus Frust über den Joballtag gab es schon immer. Während sich das früher nur im Familien- und Freundeskreis herumsprach,"kann es jetzt zum Gau für ein Unternehmen werden, wenn Ex-Mitarbeiter in sozialen Netzen verbreiten, das Arbeitgeberimage sei unrealistisch."
Dieser Artikel ist erschienen am 23.10.2012

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