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Vorstellungsgespräch: So gelingt es!

Gerhard Winkler
Personaler achten nicht auf Lampenfieber. Sie konzentrieren sich auf spannendere, entlarvende Körpersignale. Bereiten Sie sich darauf vor und überzeugen Sie durch Ihren Auftritt, rät Bewerbungsberater Gerhard Winkler.
Personaler achten auf die KörperspracheFoto: © Dmitry Nikolaev - Fotolia.com
Die Symptome des Lampenfiebers kennt jeder: Es ist einem nicht wohl in seiner Haut. Die Hände werden zur Feuchtzone oder sie vereisen. Schweißperlen treten auf die Stirn. Man glaubt zu fallen - zumindest knicken einem die Knie weg. Man ringt mit der Selbstwahrnehmung, und zu allem Überfluss nehmen die Gesprächspartner das alles vielleicht wahr. Schrecklich, wenn das dem Gegenüber auffällt. Noch peinlicher: Er bemerkt etwas, das einem selbst nicht aufgefallen ist. Alle Erfahrung sagt: Körperlichkeit lenkt von Kommunikation ab. Der Körper kann einen im Stich lassen oder - noch schlimmer - er kann einen verraten.Was der Personaler liest 

Die besten Jobs von allen

Personaler sind die teils puterroten, teils blutleeren Gesichter ihrer jüngeren Gesprächspartner gewohnt. Sie achten kaum auf Zeichen der Anfangsnervosität. Sie konzentrieren sich auf spannendere, weil entlarvende Körpersignale - und ziehen daraus ihre Schlüsse:.
Mit dem Bein wippen: "Bin im Folterstübchen. Will hier raus!"
Mit dem Fuß tappen: "Wird's bald?"
Arme verschränken: "Bleib mir bloß weg."
Gekrümmte Haltung: "Weckt mich, wenn's vorbei ist."
Oberkörper weit vorgebeugt: "Du Chef?"
Ausgestreckter Zeigefinger: "Ich Chef!"
Nach unten geneigter Kopf: "Geh fort."
Stirnrunzeln: "Was hör ich da für einen Schwachsinn."
Hand vor dem Mund, mit den Haaren spielen: "Bin ja noch so klein ..."
Kritzeln, malen: "Was heißt hier Übersprungshandlung?"
Flüchtiger Blick, hin und her rutschen: "Okay, das ist jetzt gelogen."
Vor einer Antwort zur Seite schauen oder pausieren: "So schnell kann ich gar nicht lügen."
Pokerface: "Ich lächle nicht für Chefs."
Ins Nichts starren: "Ich habe einen Traum. Du kommst darin nicht vor."
Folgen Sie dem ChoreografenWie andere Begegnungen hat auch ein Jobinterview etwas von einem subtilen Machtspiel. In der Regel ist Ihr Gesprächspartner der Choreograf Ihrer Bewegung. Ihre Gestik, Mimik, Ihr ganzes Redeverhalten folgt unaufdringlich dem seinen.
Deshalb wertet ein Jobanbieter bestimmte Signale als sicheres Zeichen, dass Sie nicht mit seinen Ansichten oder Erwartungen konform gehen: Kein Nicken und auch sonst keine körperliche oder verbale Reaktion in Satzpausen oder nach Vorschlägen des Gegenübers. Kein Erwidern des Lächelns. Kein Mitlachen. Kein mit nach vorn Lehnen, wenn der Verhandlungspartner augenscheinlich zur Sache kommt. Wer sich so konsequent der nonverbalen Kommunikation verweigert, sollte sich nicht allzu viele Hoffnungen auf den Job machen.
Überzeugen Sie Bevor Missverständnisse aufkommen: Hier geht es nicht um die Kunst des Einschleimens. Bewerber bestätigen und bestärken nicht nur. Sie haben vor allem zu überzeugen. Nicht allein Ihre Worte, auch Ihr Verhalten machen den überzeugenden Auftritt aus. Visualisieren Sie, dass Sie einen festen Stand haben: Ich weiß, wer ich bin. Ich bringe zum Ausdruck, was ich will. Ich gehe in meinem Beruf auf. Ich traue mir zu, auch für mich neue Herausforderungen zu bewältigen. Ich kenne das Unternehmen. Ich nehme aufmerksam auf, was der Jobanbieter will. Ich bin bereit, alle Jobvorschläge unvoreingenommen zu prüfen. Nehmen Sie Fragen aufrecht sitzend, lächelnd, nickend, sich interessiert vorbeugend entgegen. Setzen Sie die rechte Hand gezielt zum Unterstreichen, Trennen von Argumenten oder zum Betonen ein.Überlassen Sie nichts dem Zufall Darauf kann man sich vorbereiten. Üben Sie vor dem Spiegel. Präsentieren Sie sich Ihren Freunden, sprechen Sie über Ihre Wirkung. In der Personalauswahl schließt man vom Benehmen des Kandidaten auf seine innere Einstellung. Dass Sie in den ersten Minuten eines Gesprächs mit sich zu kämpfen haben, wertet man als Ausdruck Ihres noch ungebändigten Eifers. Je souveräner Ihr Gesprächspartner, desto behutsamer nimmt er Ihnen das Anfangsflattern und bringt Sie in eine stabile Gesprächslage. Überspielen Sie nie Ihre Anfangsnervosität - bauen Sie auf das mit Wohlwollen gemischte Gefühl der Überlegenheit, das Ihr Einsteiger-Verhalten auslöst. Sollte ein Rekrutierer weniger souverän agieren als Sie, nutzen Sie Ihre Überlegenheit und tun so, als bemerkten Sie es nicht. Arbeiten Sie Ihre Agenda ab - Sie haben Kernbotschaften zu vermitteln. Geben Sie am Ende konkrete Anregungen, wie weiter zu verfahren ist.Gerhard Winkler ist Bewerbungsberater. Er betreibt die Karriere-Webseite www.jova-nova.comStefan Kauth, Leiter Personalentwicklung, Linde Engineering: "2006 haben sich 7.500 Menschen bei uns beworben. Wir haben 160 Leute eingestellt, davon 120 Ingenieure. Pro Stelle laden wir etwa fünf Kandidaten ein. Ein Vorstellungsgespräch bedeutet immer Stress, da reagiert jeder körperlich anders. Ich habe noch nie einen Kandidaten wegen seiner Körpersprache abgelehnt, aber ich achte schon darauf. Wenn mir einer zur Begrüßung einen laschen Händedruck gibt, fragt man sich, ob er Power hat und im Job richtig zupackt. Ich wünsche mir immer Blickkontakt. Wer ständig auf den Boden oder umherschaut, scheint permanent auszuweichen. Manche Leute flegeln sich allzu lässig auf ihrem Stuhl, da fragt man sich, ob sie das bei unseren Kunden auch machen werden. Wer sich auf eine Stelle bewirbt, braucht einfach einen gewissen Stil. Viele Leute strahlen aus, dass sie sich im Anzug nicht wohl fühlen oder dass ihnen die Situation unangenehm ist. Manchmal spreche ich das an. Wer unruhig mit den Händen spielt, dem gebe ich einen Zettel zum Mitschreiben. Im Gespräch mit den Fachabteilungen sind die meisten entspannter als bei Interviews mit Personalern. Deshalb haben wir die beiden Gesprächsrunden zusammengelegt. Allgemein ist die Körpersprache von Absolventen seit 2000 selbstbewusster geworden. Gerade die Ingenieure wissen, dass es ein Arbeitnehmermarkt ist."Lesen Sie mehr zum Thema VorstellungsgesprächPeinliche Situationen im VorstellungsgesprächKlare Aussagen gewinnenMit Körpersprache punkten
Dieser Artikel ist erschienen am 01.02.2007
 

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