Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Stärkere Allgemeinbildung verbessere die langfristige Perspektive am Arbeitsmarkt.
Foto: industrieblick / Fotolia.com
Ausbildung

Spezialisierung ist nicht immer vorteilhaft

Ferdinand Knauß, wiwo.de
Das ifo Institut fordert anhand einer Studie, die allzu frühe Spezialisierung in der Ausbildung zu verringern. Stärkere Allgemeinbildung verbessere die langfristige Perspektive am Arbeitsmarkt.
Eine sehr berufsspezifische Ausbildung kann die Beschäftigungschancen von jungen Menschen zwar zunächst bessern. Aber wenn die speziellen beruflichen Kompetenzen, die durch die Ausbildung vermittelt wurden, im Laufe der Zeit im technischen und strukturellen Wandel nicht mehr nachgefragt werden, so erhöht sich später die Gefahr, die Arbeit zu verlieren. Dann sind Menschen mit allgemeineren Bildungsabschlüssen eher im Vorteil.

Das ist das Ergebnis einer neuen Länderstudie von Franziska Hampf und Ludger Wößmann vom ifo Zentrum für Bildungsökonomik. "Um unser duales System zukunftsfähig zu halten, sollten wir die frühe Spezialisierung der Auszubildenden verringern, indem wir die Zahl der spezifischen Berufe senken, den allgemeinbildenden Anteil an den Inhalten ausweiten, Ausbildungsbestandteile modularisieren und die lebenslange Weiterbildung stärken", sagt Ludger Wößmann, Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik.


TIPP:

Work in Germany        Ein Jahr Work in Germany: Unter dem Dach der Fair Company-Initiative, die sich für faire Bedingungen im Praktikum einsetzt, läuft das neue Orientierungsprogramm der deutschen Wirtschaft gut an. Es richtet sich an junge Menschen, die ihren Weg in die Arbeitswelt suchen, und bietet die Möglichkeit zu vier Praktika in vier Unternehmen. Mehr Infos und Erfahrungsberichte >>>


Von den 16 teilnehmenden Ländern sind die Ergebnisse in jenen Ländern besonders stark ausgeprägt, die – wie Deutschland – ein duales Berufsausbildungssystem haben. In diesen Ländern dreht sich der Beschäftigungsvorteil der beruflichen Ausbildung schon im Alter von 44 Jahren in einen Beschäftigungsnachteil um. Die neuen Ergebnisse bestätigen frühere Befunde, die einen ähnlichen Konflikt im Lebensverlauf für die Neunzigerjahre belegt hatten.

Auch Studiengänge leiden unter dem Trend zur Spezialisierung

Nicht untersucht wurden die Auswirkungen der extrem gestiegenen Anzahl und damit Spezialisierung von akademischen Studiengängen. Im Wintersemester 2007/8 gab es laut Hochschulrektorenkonferenz (HRK) 11.265 Studiengänge an Unis, Fach- und Kunsthochschulen. Im Wintersemester 2015/16 waren es 18.044. Statt allgemeiner Betriebswirtschaftslehre studiert man nun zum Beispiel "Cruise Management", um Manager im Kreuzfahrt-Tourismus zu werden.

Allgemeine Kenntnisse, die nach einschneidenden Veränderungen, etwa nach dem Niedergang einer gesamten Branche, die berufliche Anschlussfähigkeit sichern könnten, kommen in solchen Studiengängen zu kurz, wie Kritiker monieren. „Den Studenten wird vorgegaukelt, dass es für ihr spezifisches Profil tatsächlich ein echtes Jobangebot gibt“, kritisierte der Geschäftsführer des Deutschen Hochschulverbandes, Michael Hartmer schon vor einem Jahr.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 31.10.2016
 

Karriere | Service

Gehälter