Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Richtig bewerben mit den richtigen Schlüsselbegriffen
Foto: Gstudio Group/Fotolia.com
Online-Bewerbung

Lebensläufe für den Computer-Algorithmus trimmen

Kerstin Dämon, wiwo.de
Viele Unternehmen lassen Online-Bewerbungen von Computerprogrammen vorsortieren. Wer deren Bedürfnisse und Logik nicht versteht, schafft es kaum zum Vorstellungsgespräch. So kommen Sie am digitalen Personaler vorbei.
Immer häufiger lesen nicht mehr zuerst Menschen, sondern Computer den Lebenslauf eines Bewerbers. Bei vielen Online-Bewerbungsportalen ist ein entsprechender Algorithmus eingebaut.

Auch wer seinen Lebenslauf analog einreicht, kann erwarten, dass ein Algorithmus das Schreiben analysiert, bevor es zum Personaler wandert. CV-Parsings nennt sich diese Digitalisierung schriftlicher Lebensläufe, die beispielsweise bei Bosch zum Einsatz kommt.

Damit niemand den Lebenslauf Wort für Wort abtippen muss, wird der Lebenslauf zuerst in ein strukturiertes Format umgewandelt und von einer Software eingelesen. Dann kann der Lebenslauf, anders als ein Scan, nach einzelnen Schlagworten durchsucht werden.

Suche nach Schlüsselbegriffen

"Immer mehr Unternehmen greifen auf sogenannte Applicant Tracking Systems zurück. Das beobachten wir vor allem bei größeren Unternehmen, die auf Stellenausschreibungen Tausende Bewerbungen erhalten und so den Einstellungsprozess verkürzen sowie optimieren möchten", sagt Christian Umbs, Managing Director beim Personaldienstleister Robert Half Deutschland.

Diese ATS scannen Bewerbungen auf bestimmte Inhalte. Sie suchen etwa Schlüsselbegriffe und sortieren die Schreiben bei Diskrepanzen oder fehlender Übereinstimmung aus.

        


karriere.de bietet einen Bewerbungscheck mit Überprüfung von Anschreiben und Lebenslauf an. » Mehr Informationen


Das bedeutet: Wenn der Algorithmus etwas nicht findet oder nicht versteht, fliegt die Bewerbung raus. Das Risiko steigt, je kreativer der Lebenslauf gestaltet ist. Lebenslauf-Scanner sind Fans von einfachen Strukturen, nicht von kreativen Layouts.

Eindeutige Überschriften

Die Experten von Robert Half raten deshalb, auf Logos oder Symbole zu verzichten. Sie empfehlen, statt ausgefallener Typos Standardschriften wie Arial, Calibri oder Times New Roman zu nutzen. Außerdem sollen Bewerber die einzelnen Abschnitte im Lebenslauf mit eindeutigen Überschriften wie Ausbildung, Berufserfahrung oder Qualifikationen versehen. Dann kann der Algorithmus die Daten im Lebenslauf richtig einordnen.

Gleiches gilt für Schlüsselbegriffe, die klar machen, dass der Bewerber die benötigten Fähigkeiten mitbringt. Hier geht es allerdings nicht um die typischen Bewerbungsfloskeln wie "teamfähig" und "kreativ", sondern um branchenspezifisches Fachwissen.

Außerdem gilt es, Rechtschreibfehler zu vermeiden. Während ein Personaler einen einzelnen Buchstabendreher vielleicht verzeiht, kann die Maschine ein fehlerhaftes Wort im schlimmsten Fall gar nicht lesen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 30.09.2016