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Das falsche Bild von MINT-Jobs
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Berufswahl

Das falsche Bild von MINT-Jobs

Teil 2: Über den Tellerrand wird kaum geschaut

Laut Analysen auf Basis der VDMA-Daten befürchten viele Schülerinnen und Schüler, dass es bei der Arbeit in technischen Berufen laut und kalt sei, dass die Aufgaben monoton und die Jobs gesellschaftlich wenig sinnvoll seien und man leicht körperlichen Schaden nehme. 61 Prozent der Schülerinnen und Schüler gehen außerdem davon aus, dass man in technischen Berufen wenig mit Menschen zu tun habe – gerade Mädchen wünschen sich jedoch Berufe, in denen Kommunikation und die Zusammenarbeit mit Menschen eine Rolle spielt. Ein Schüler fasst zusammen, wie er sich technische Berufe vorstellt: "… dass es kraftaufwendig ist, man viele Überstunden leisten muss; dass man sich vielleicht nach drei, vier Jahren nicht mehr richtig bücken kann, wenn man schwere Sachen heben muss; dass man eine größere Verletzungsgefahr hat."

Keine Vorstellung von Verdienstmöglichkeiten

Selbst von den Verdienstmöglichkeiten in technischen Berufen haben die Jugendlichen keine Ahung: Die Schweizer Studie zeigt, dass fast die Hälfte der 12- bis 16-Jährigen keine Vorstellung davon hat, ob ein Ingenieur eher gut oder schlecht verdient. 17- bis 21-Jährigen wissen zwar, dass Ingenieurinnen und Ingenieure gut verdienen – einordnen können sie das Gehalt jedoch nicht.

Sich für ein vermutlich schlechtes Gehalt in kalten Fabrikhallen am Fließband den Rücken krumm schaffen – das wollen die Jugendlichen verständlicherweise nicht. Nur: Wer ist schuld daran, dass sie dieses Bild von MINT-Berufen haben? Auch auf diese Fragen findet das MINT-Nachwuchsbarometer Antworten.

Nur Bekanntes ist interessant

Wie kürzlich eine Studie der Vodafone-Stiftung zeigte, haben Jugendliche keine Pläne für ihre berufliche Zukunft – weil sie schlicht nicht wissen, welche Berufe es gibt und was zum jeweiligen Arbeitsalltag gehört. Demnach fühlen sich 56 Prozent der Schüler in Deutschland ausreichend über ihre beruflichen Möglichkeiten informiert. Und wer schon in der Schule weiß, welchen Beruf er gerne lernen möchte, der tendiert zu einem Beruf, den er aus seinem eigenen Umfeld kennt. "Es sind immer die bekanntesten Berufe. Es sind nie die, die man nicht so kennt. Ich kenne zum Beispiel jetzt nicht alle Berufe und ja, die bekanntesten sprechen einen halt an", zitiert der VDMA einen Schüler. Ein weiterer sagt: "Durch den Alltag sieht man auch viele verschiedene Berufe, zum Beispiel den Einzelhandelskaufmann sieht man ja in verschiedenen Läden. Dann kommt man auf die Idee, das mal zu recherchieren."

Weil MINT-Jobs seltener beziehungsweise weniger sichtbar sind, rangieren Berufe aus dem IT- und dem Computersektor auf dem letzten Platz der von Schülern gegenüber der Vodafone-Stiftung genannten Traumberufe.
 

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