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Nicht stressen lassen im Bewerbungsgespräch!
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Bewerbungsgespräch

Bloß kein Seelenstriptease!

Teil 3: Vorsicht bei Enthüllungsfragen

Auch zwischenmenschliche Probleme sind nicht prinzipiell tabu, wenn sie einen professionellen Bezug haben, sagt Triebs: etwa als Illustration dafür, wie sich jemand als Führungskraft verhalte

Wichtig sei aber immer, "dass die geschilderte Situation zu einer guten Lösung führt". Mobbing, wie im Fall von Verena Grashoff, sei dagegen nie ein gelöstes Problem.

Gefährliche Fangfragen

Besonders heikel ist für viele Bewerber das so genannte Stressinterview. Mit Enthüllungsfragen versucht der Interviewer, sein Gegenüber zum Seelenstriptease zu verführen:

Die besten Jobs von allen


  • Womit sind Ihre Arbeitskollegen zurzeit besonders unzufrieden?
  • Was sind die Werte Ihres Vorgesetzten?
  • Was würden Sie an Ihrem jetzigen Arbeitsplatz verändern, wenn Sie das dürften?

Wer sich jetzt in der Rolle des Verhörten sieht, hat es schwer. "Drehen Sie den Spieß herum und sehen sich als Anbieter einer Leistung", empfiehlt Susanne Triebs

"Beschreiben Sie den Idealfall", fordert Beraterin Angela Schmidt sogar: "Ich bevorzuge teamorientiertes Arbeiten. Ich möchte Fragen stellen dürfen. Ich vertraue auf Vorgesetzte, die führen, motivieren und Aufgaben klar formulieren. Ich schätze Unternehmen, in denen auch mit Kritik positiv umgegangen wird." Prinzipiell gelte, nicht im Bedauern über Vorfälle der Vergangenheit stecken zu bleiben, sondern positiv in die Zukunft zu blicken. "Personaler wollen keine rückwärts gewandten Menschen.

Ebenso sollten Bewerber sich nicht durch gezielte Provokationen – "Ich hatte den Eindruck, dass Ihr jetziger Arbeitgeber ganz froh wäre, wenn Sie die Firma verlassen würden" – zu umständlichen Rechtfertigungen verführen lassen. Minimalismus ist hier die beste Lösung: "Das kann ich mir nicht vorstellen!" Diese Antwort zeigt auch, wo der Bewerber Grenzen setzt

Das Gesetz im Rücken

Gerne fragen Abteilungsleiter im Bewerbungsgespräch auch mal danach, wie denn das konkurrierende Unternehmen mit einem bestimmten Problem verfahre. Hier gilt es genau zu überlegen, welche Fakten allgemein über Presse oder Geschäftsbericht zugänglich sind

Ansonsten ist Diskretion die beste und weithin akzeptierte Möglichkeit, sich elegant aus der Affäre zu ziehen. Über den Einsatz von Patenten zu reden oder andere Geheimnisse preiszugeben, ist nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb schlicht verboten.

Der Artikel wurde überarbeitet am 20.2.2013

 
     

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