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Nicht stressen lassen im Bewerbungsgespräch!
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Bewerbungsgespräch

Bloß kein Seelenstriptease!

Anne Koschik
Ehrlichkeit hat ihre Grenzen – besonders wenn es um die frühere Firma, den Chef oder die Ex-Kollegen geht: Jammern und klagen sind im Bewerbungsgespräch tabu. Wer mit Altlasten aufgeräumt hat, ist am besten gewappnet.
Die Produktmanagerin versteht die Welt nicht mehr. "Ich habe doch nur die Wahrheit gesagt. Deswegen bin ich doch nicht unloyal", sagt Verena Grashoff (Name v. d. Red. geändert), die gerade eine Absage von einem internationalen Automobilkonzern erhalten hat. Dort hatte sich die 32-Jährige für eine Stelle im Marketing beworben.

Ihre Vermutung: "In meinem Bewerbungsgespräch bin ich über die Frage gestolpert, warum ich denn bereits nach acht Monaten den Job wechseln wolle. Ich habe gesagt, dass mein Chef mich mobbt und dies für mich die Hölle ist." Danach habe sie förmlich gespürt, wie die Stimmung gekippt sei.

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Vergebens ihr Hinweis, dass sie ihren Vorgesetzten mehrfach um klärende Gespräche gebeten habe, doch ihr stattdessen immer mehr Arbeit aufgehalst worden sei

In der Position des Gescholtenen

Die Reaktion des Unternehmens ist für Angela Schmidt von der Karriereberatung Lee Hecht Harrison klar: "Der potenzielle Arbeitgeber nimmt die Position des Gescholtenen ein und fragt sich, ob die Kandidatin in Zukunft auch über ihn schlecht redet."

Mehr noch: "Statt Mitleid zu bekommen, wird die Person für nicht belastbar gehalten." Macht in der Summe das Aus in jedem Bewerbungsgespräch.

Abrechnen ist nicht

Rund ein Drittel aller Arbeitnehmer sind wie Verena Grashoff von Mobbing betroffen, zeigt eine Umfrage des Stellen-Portals Monster. Und 40 Prozent aller Deutschen sind unzufrieden im Job, hat die EU-Kommission ermittelt. Warum also nicht ehrlich über ein Thema sprechen, das viele bewegt?

"Persönliche Konflikte gehören nicht ins Bewerbungsgespräch", sagt Susanne Triebs, Diplom-Psychologin im Büro für Berufsstrategie in Berlin.

"Gerade Mobbing kann viele Gründe haben." Eine Abrechnung mit der alten Firma sei der schlechteste Weg, sich beim möglichen neuen Arbeitgeber zu präsentieren

 

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