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Jobsuchende verbinden viele ambivalente Gefühle mit einer Bewerbung.
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Umfrage

Bewerber im Gefühlschaos

Jakob Blume, wiwo.de
Für Unternehmen sind es Massenveranstaltungen, für Jobsuchende ein einschneidendes Erlebnis: Bei Bewerbungen sind Emotionen im Spiel. Eine Umfrage zeigt, was Bewerber wirklich fühlen.
Wie eine Mathe-Prüfung, ein erstes Date oder ein Zahnarzt-Besuch: Bewerber finden viele Umschreibungen für das, was sie bei einem Vorstellungsgespräch durchmachen. Die Beispiele haben eines gemeinsam: Sie beschreiben eine emotionale Drucksituation – das ist eine Bewerbung auch.

Bei einer aktuellen Umfrage von Softgarden, einem Anbieter für E-Recruitinglösungen, gaben 84 Prozent der Befragten an, dass Bewerbungen für sie mit starken Gefühlen verbunden sind. Eine große Mehrheit von 75 Prozent hat jedoch vor allem positive Erfahrungen mit Bewerbungen gemacht.

Trotzdem machen sich viele Jobsuchende Druck: Knapp 80 Prozent der Befragten gab an, dass bei der Bewerbung "viel auf dem Spiel" steht. Und genau wie bei einer Mathe-Prüfung ist hohe Konzentration gefragt: 87 Prozent stimmten der Aussage zu, sich keinen Fehler erlauben zu dürfen.

Bewerben ist eine emotionale Drucksituation

Für ihre Studie hat das Unternehmen Softgarden knapp 3500 Teilnehmer ihres Online-Bewerbungssystems befragt. Sie lässt deshalb ausschließlich Rückschlüsse auf die Nutzer des Softgarden-Produkts zu – und nicht auf Jobsuchende in Deutschland insgesamt. Die Bewerber waren im Schnitt 34 Jahre alt. 42 Prozent von ihnen hatten Berufserfahrung, knapp 26 Prozent waren Berufseinsteiger und rund 11 Prozent Studenten oder Praktikanten. Führungskräfte machen nur einen kleinen Teil der Stichprobe aus.

Auch wenn Bewerbungen für viele der Befragten eine emotionale Drucksituation ist: Stressen lassen sich nur Wenige. Der Aussage "Bewerbungen stressen mich" stimmten nur etwa ein Viertel der Befragten zu. Auch ein Problem oder eine lästige Pflicht sieht nur eine Minderheit in Bewerbungen. Nahezu alle Befragten begreifen die Bewerbung als Chance. Und: 57 Prozent haben sogar Spaß dabei.

Auch Unternehmen müssen sich um die Bewerber bemühen

Zurücklehnen können sich die Unternehmen nicht. Mehr als 60 Prozent der Befragten gaben an, dass sich Arbeitgeber ebenso beim Jobsuchenden um dessen Leistung bewerben müssen. Trotzdem fühlen sich viele Bewerber den Firmen ausgeliefert. Der Aussage "Bei Bewerbungen sitzen Unternehmen am längeren Hebel" stimmten knapp 83 Prozent zu. Und fast 40 Prozent empfinden den Ausgang einer Bewerbung als reine Glückssache.

Und so verbinden Jobsuchende viele ambivalente Gefühle mit einer Bewerbung: Nervosität, Hoffnung, Erleichterung, wenn es vorbei ist. Eben eine Mischung aus Mathe-Prüfung, erstem Date und Zahnarzt-Besuch.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 25.11.2016

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