Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz Ein Jahr #MeToo – wir haben uns im Dax umgehört

Eine Umfrage unter den 30 wertvollsten deutschen Börsen-Konzernen kommt zu ernüchternden Ergebnissen.

Diana Fröhlich und Claudia Obmann |

Ein Jahr #MeToo – wir haben uns im Dax umgehört

Jahrestag #MeToo: Wie stark sind deutsche Unternehmen betroffen?

© Getty Images

Ein Jahr ist es her, dass die US-Schauspielerin Alyssa Milano auf Twitter folgende Worte schrieb: "Wenn du sexuell belästigt oder angegriffen wurdest, schreibe 'me too' als Antwort auf diesen Tweet." Milanos Aufruf – eine Reaktion auf Missbrauchsvorwürfe gegen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein – verbreitete sich Zigtausende Male. Bis heute wurde der Hashtag #MeToo millionenfach in den sozialen Netzwerken verwendet und geteilt.

Doch, was hat sich eigentlich in hiesigen Konzernetagen seither getan? Sind die Meldungen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz tatsächlich nach oben geschnellt, wie von vielen vor einem Jahr angenommen?

Nur wenige konkrete Angaben zu sexueller Belästigung

Eine Umfrage von karriere.de unter den 30 Dax-Unternehmen kommt zu einem ernüchternden Ergebnis:

  • Gerade einmal zwei Unternehmen (Beiersdorf, Continental) meldeten insgesamt 13 Fälle sexueller Belästigung in diesem Jahr. 2017 waren es neun Fälle bei beiden Unternehmen.
  • Drei Dax-Konzerne (Merck, RWE, Vonovia) gaben bei der Umfrage null gemeldete Fälle für 2017 und 2018 an.
  • Fünf Unternehmen meldeten sich gar nicht zurück.
  • Der Rest machte bewusst keine konkrete Angabe.

Sind die niedrigen Fälle realistisch?

Studien suggerieren zumindest etwas anderes. Laut einer repräsentativen Bürgerbefragung im Auftrag des DBB Beamtenbundes ist jede vierte Angestellte in Deutschland sexuell belästigt worden. Übertragen auf die Zahl der im Dax Beschäftigten ergäbe das insgesamt mehr als 300.000 Fälle – und diese Zahl würde nur sexuelle Belästigungen gegenüber Frauen einschließen. Man darf die niedrigen Fallzahlen zu sexueller Belästigung im Dax also zumindest anzweifeln.

Auch blieb die Zahl allgemeiner Fälle sexueller Belästigung alles andere als konstant. So stiegen die Beratungsgespräche beim "Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen", einer Service-Hotline des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, im #MeToo-Jahr 2017 um fast neun Prozent. Zahlen für dieses Jahr liegen der Behörde noch nicht vor. 

Was die Statistik nicht verrät

Dass so viele in der Dax-Liga vorsichtig mit Zahlen zu sexueller Belästigung seien, erklärt Nivea-Hersteller Beiersdorf, der als einer der wenigen Konzerne überhaupt Zahlen nannte, auch mit den geltenden Schweigepflichten: "Bei diesen Zahlen ist zu bedenken, dass es nur um Meldungen geht, die zu einem disziplinarischen Verfahren geführt haben", erklärt eine Sprecherin und bezieht sich damit auf Fälle, die in einer Kündigung oder Abmahnung mündeten.

Wendet sich dagegen ein Opfer sexueller Belästigung an den Werksarzt, die Sozialberatung, den Betriebspsychologen, die Beschwerdestelle oder den Betriebsrat, könnten auf diesen Ebenen offenbar viele Fragen schon auf kleinem Dienstweg gelöst werden. In der Statistik tauchten diese Fälle dann – zumindest bei Beiersdorf – nicht auf. Offiziell hat der Konzern 2018 von insgesamt fünf Fällen sexueller Belästigung Notiz genommen.

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