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Neues Suchmaschinen-Tool Was sich durch die Google-Jobsuche für Bewerber ändert

Ab sofort werden auch in Deutschland Stellenanzeigen direkt auf Google ausgespielt. Das wirbelt den Markt gleich in mehrfacher Hinsicht durcheinander.

Von Mareike Müller , Claudia Obmann und Michael Scheppe |

Was sich durch die Google-Jobsuche für Bewerber ändert

Google mit neuem Bewerbertool

Google startet eigene Jobsuche. Ob Bewerber davon profitieren?

Foto: Arthur Osipyan on unsplash

Der Weg zum Traumjob ist nur drei Worte entfernt. Nutzer müssen etwa „Jobs Wirtschaftspsychologe Hamburg“ ins Google-Suchfeld eingeben. Und schon einen Klick später spuckt die Suchmaschine passende Treffer aus. Während Google-Manager Nick Zakrasek in Berlin die neue Jobsuche des Tech-Giganten vorstellt, sagt er: Es gehe darum, „einen Job zu finden, der wirklich passt“.

Was die Google-Jobsuche kann

Wunsch-Arbeitgeber, Branche, Vollzeit-,Teilzeit-Stelle, sogar die Entfernung des potenziellen neuen Arbeitsplatzes vom eigenen Zuhause – all das lässt sich in Googles neuer Jobsuche anzeigen, die nun auch in Deutschland verfügbar ist.

Dazu kommen Bewertungen von Leuten, die heute schon beim möglichen neuen Chef arbeiten.

Was der Suchmaschinengigant da in Berlin gestartet hat, ist nichts weniger als Googles nächster Angriff. Nachdem der kalifornische Tech-Gigant schon die Suche nach Reisen, Restaurants, Kinos und Nachrichten revolutioniert hat, versucht der US-Konzern hierzulande nun auch den Stellenmarkt aufzumischen.

Die neue Jobsuche-Funktion von Google durchforstet neben Online-Stellenbörsen wie etwa Monster, auch die Karrierenetzwerke LinkedIn und Xing sowie die Karriereseiten großer Unternehmen nach Stellenangeboten. Wer nun „Jobs“, eine Stellenbeschreibung und einen Ort bei Google eintippt, bekommt auf der Suchmaschine einen blau-weißen Kasten mit passenden Stellen ausgespielt. Bislang sahen Anwender lediglich Links zu verschiedenen Stellenbörsen.

Welche Gefahr von der Google-Jobsuche auf andere Stellenbörsen ausgeht

Der Markt der Jobbörsen ist hierzulande unübersichtlich. Fast 1.200 Jobportale zählen die Branchenbeobachter vom Crosswater Job Guide. Dazu zählen große Börsen wie Indeed oder Stepstone, die alle Berufe abdecken, aber auch das Online-Angebot der Arbeitsagentur. Hinzu kommen unzählige Spezialbörsen – mit besonderen Angeboten für Mediziner, Informatiker oder Ingenieure.

Jeder dieser Anbieter hat seine eigene Benutzeroberfläche, und teilweise sind Jobangebote bei mehreren Anbietern gelistet. Google sortiert in seiner Trefferliste Dubletten aus und erspart es Bewerbern so, mehrere Stellenbörsen nach passenden Angeboten abzugrasen.

Das könnte den Jobbörsen auf Dauer zu schaffen machen. Ein Brancheninsider, der ungenannt bleiben möchte, sagt: „Google ist eine Gefahr für den Markt und wird Wettbewerb vernichten. Gerade für die kleinen Jobportale ist eine Kooperation mit Google zunächst das süße Gift, um mehr Reichweite zu erzielen. Aber langfristig werden die Nutzer nicht mehr die Jobportale besuchen, weil sie schnell gelernt haben, dass sie alle Stellen über Google finden können.“

Welche Jobportale mit Google kooperieren – und welche nicht

Wie massiv Stellenportale durch Googles Jobsuche an Bedeutung verlieren können, zeigt ein Blick nach Amerika, dem Heimatland der Suchmaschine. Dort startete bereits vor zwei Jahren das übergeordnete Programm „Google for Jobs“, zu dem auch die neue Suchfunktion gehört.

Damals verzeichnete zum Beispiel die Jobbörse Monster noch 26 Millionen Zugriffe von Wechselwilligen im Monat, wie Zahlen des Analysetools Similiarweb zeigen. Im April 2019 waren es hingegen nur noch gut 12 Millionen Zugriffe – ein Einbruch von 53 Prozent für Googles Kooperationspartner.

Von den zehn größten Jobbörsen stellen nach Handelsblatt-Recherchen nur fünf Anbieter ihre Daten für Googles Jobsuche zur Verfügung – so verweigern etwa die Branchengrößen Indeed und Stepstone eine Kooperation mit der US-Suchmaschine.

Frank Hensgens, Deutschland-Chef von Indeed, findet Googles neue Jobsuche unnötig: Ob Sammeln von Stellenanzeigen, Bewerbungen mit nur einem Klick, das Zulassen verschiedener Suchparameter und die Auflistung relevanter Stellenanzeigen - „alle Funktionen, an denen Google arbeitet, bietet Indeed bereits seit mehr als 14 Jahren“, sagt er.

Beim Anbieter Stepstone aus Düsseldorf heißt es: „Um Bewerber und Unternehmen zusammenzubringen, entwickeln wir intelligente Matching-Technologien und setzen auf hochqualitativen Content. Wenn wir diese Inhalte an eine andere Plattform weitergeben, würden uns Nutzer gar nicht mehr als eigene Jobplattform wahrnehmen.“

Wie Bewerber ihre Suche jetzt verfeinern können

Für Jobsuchende bedeutet Googles neuer Dienst vor allem eins: Es wird bequemer. Denn die Suchmaschine bietet interessante Filteroptionen an. Besonders interessant:

  • Google berechnet die ungefähre Pendelzeit und zeigt über seinen Kartendienst Maps die kürzeste Route zum potenziellen neuen Arbeitgeber an.

  • Google aggregiert auch Daten von externen Anbietern und zeigt etwa, wie Unternehmen bei der Jobbewertungsplattformen wie Kununu von ihren Angestellten beurteilt wurden.

  • Je mehr Informationen eine Stellenbeschreibung enthält, desto höher wird der Job im Ergebnisfeld gelistet. So belohnt Google außerhalb Deutschlands Arbeitgeber, die auch Gehaltsdaten veröffentlichen.

„Google kann wegen seiner unglaublichen Marktmacht die verschiedensten Jobinformationen in einer intelligenten Art und Weise verknüpfen, die man von den Jobbörsen aktuell nicht kennt“, sagt Jörg Breiski. Er ist Partner bei der Personal- und Managementberatung Kienbaum, die Unternehmen bei der Besetzung von Topmanagement-Positionen hilft. Seiner Meinung nach werden Bewerber bereits kurzfristig „von qualitativ besseren Jobvorschlägen profitieren“.

Was der Google Such-Algorithmus zusätzlich von den Bewerbern abgreift

Auf der anderen Seite fürchten Kritiker, dass aus der beliebten Suchmaschine eine Datenkrake wird, die in alle Lebensbereiche vordringt. Ähnlich wie beim Vergleich von Flugpreisen oder bei der Navigation mit Google Maps müssen Nutzer den Kosmos der Kalifornier nicht mehr verlassen. So hat Google die Möglichkeit, noch mehr Informationen über die Vorlieben seiner Nutzer zu sammeln.

Doch was ist, wenn Google so nicht nur den „gläsernen Bewerber“ erschafft – sondern sich bei den Schlussfolgerungen aus den gesammelten Daten auch noch irrt? Ein Beispiel: Von anderen Google-Suchen nach Schlagworten wie „Babysitz“ oder „Elternteilzeit“ ausgehend, könnte der Algorithmus etwa vermuten, dass eine Nutzerin der neuen Jobsuche-Funktion schwanger ist oder Kinder hat und ihr daraufhin bestimmte Stellenangebote vielleicht erst gar nicht mehr anzeigen. Ärgerlich für eine qualifizierte und engagierte Stellenwechslerin, die sich vielleicht nur für ein Gespräch mit ihrer schwangeren Freundin schlau machen wollte.

Ebenso könnten Google-Suchen in Zusammenhang mit religiösen Themen, Behinderung und Pflege oder zu bestimmten privaten oder politischen Interessen dazu führen, dass Stellensuchende eigentlich relevante Jobs bei Google nicht mehr zu sehen bekommen. Konfrontiert mit solchen Vorbehalten erwidert Google-Manager Zakrasek: „Die Filter beruhen nicht auf persönlichen Informationen, mit Ausnahme des Standorts.“ Transparenz, wie der Such-Algorithmus im Detail funktioniert, gibt es für Nutzer aber nicht.

Unter welchen Bedingungen Unternehmen von dem Angebot profitieren

Der Zeitpunkt für den Einstieg in den hiesigen Stellenmarkt könnte für Google kaum günstiger sein, leiden die Firmen in Deutschland doch zunehmend unter dem Fachkräftemangel. Nach Zählungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg gibt es hierzulande fast 1,4 Millionen offene Stellen. Arbeitgeber, die eine Stelle besetzen wollen, dürften an dem neuen Angebot von Google langfristig kaum vorbeikommen.

„Die Personalabteilungen müssen sich auf Googles Jobsuche vorbereiten, sonst werden die Unternehmen für Bewerber irgendwann nicht mehr sichtbar sein“, sagt Christa Stienen, Vizepräsidentin des Bundesverbandes der Personalmanager (BPM). Das gilt vor allem in technischer Hinsicht: Unternehmen müssen die IT-Schnittstellen ihrer Karriereseiten optimieren, damit die Suchmaschine die dort offerierten Jobs auch finden kann. Doch die Chance, besser als bisher ihre Vakanzen besetzten zu können, scheinen Deutschlands Personaler zu verschlafen. Ein Check des Personalmarktbeobachters Henner Knabenreich hat ergeben, dass von den 30 Dax-Konzernen gerade einmal 16 fit für Google for Jobs sind.

Das vergleichsweise kleine Düsseldorfer Fintech-Unternehmen Auxmoney hat seine Karriereseite zum Beispiel bereits für Googles neue Suchfunktion optimiert – und erhofft sich zusätzliche Reichweite. Personalchefin Yasmin Kurzhals sagt dazu: „Das war gar nicht so trivial.“ Es müssen die Berufsbezeichnung, eine genaue Jobbeschreibung, die Art der Arbeit, den Einsatzort und weitere Details im HTML-Code auf der Seite hinterlegt werden.

Auxmoney werde nun mehr auf die eigene Karriereseite setzen, um neue Mitarbeiter zu gewinnen und könne sich bei einigen Vakanzen so das Geld für Inserate bei den klassischen Stellenbörsen sparen. „Wir denken, dass wir durch Google  mehr potenzielle Bewerber ansprechen können als mit einer Stellenanzeige auf einer einzigen Jobbörse“, sagt Kurzhals.

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