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Vorurteile und Mythen

Was im Praktikum wirklich zählt

Dorothee Fricke
Praktika sind wichtig, um einen Einblick in die Berufswelt zu bekommen. Doch es ranken sich viele Mythen und Vorurteile um das Thema. Karriere.de hat bei großen Unternehmen nachgefragt, was von Abiturienten und Studenten wirklich erwartet wird.
• Als Schüler oder Abiturient hat man in größeren Firmen keine Chance auf ein Praktikum...
Falsch. Viele große Unternehmen sind offen für Bewerbungen von Schülern und Abiturienten. Insbesondere für Schülerbetriebspraktika oder Vorpraktika, die unter anderem angehende Ingenieure vor Studienbeginn absolvieren müssen, stehen die Chancen gut. Auch freiwillige Praktika während der Schulferien oder zwischen Abi und Studium sind in vielen Unternehmen möglich. Bei Bayer oder BMW zum Beispiel können Schülerinnen und Schüler für einige Tage oder Wochen in die Ausbildungsberufe hineinschnuppern.
Wie für alle Praktika gilt: Bei der Bewerbung sollten Schüler und Abiturienten unbedingt angeben, welchem Bereich des Unternehmens sie gerne kennen lernen möchten und was die Motivation für das angestrebte Praktikum ist. Tipp: Um einen ersten Einblick in einen Beruf zu bekommen, hilft es oft schon, wenn man für ein oder zwei Tage einem Verwandten oder Bekannten über die Schulter schaut.

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• Für ein richtig tolles Praktikum muss man sich mindestens ein Jahr im Voraus bewerben...
Stimmt in der Regel nicht. Bei den meisten Unternehmen reicht es aus, sich zwei bis vier Monate vor dem gewünschten Praktikumsbeginn zu bewerben, lediglich bei Großkonzernen wie Bayer, Deutsche Bank, ThyssenKrupp und BASF (für Schülerpraktika) empfiehlt sich ein Vorlauf von bis zu sechs Monaten. Viele Praktika werden im Internet auf den Karriereseiten der Unternehmen ausgeschrieben. Dort finden sich meist auch kurzfristige Angebote. Wer sich für einen nicht ausgeschriebenen Bereich interessiert, sollte frühzeitig Kontakt mit dem Wunschunternehmen aufnehmen. 
• Als Praktikant steht man meist am Kopierer...
Kommt leider vor. Dann ist aber in der Regel nicht allein das Unternehmen, sondern auch der Praktikant mit Schuld. Als Hospitant muss man die Chance nutzen, alle Fragen zu stellen, die einen interessieren. Man darf nach Aufgaben fragen oder vorschlagen, dass man Mitarbeiter auf Termine begleitet oder an Sitzungen teilnimmt.
Enttäuschung lässt sich am besten vermeiden, in dem man schon beim Vorstellungsgespräch genau abklärt, was die Inhalte des Praktikums sind. Die meisten Unternehmen haben kein Interesse daran, Praktikanten als billige Arbeitskräfte auszunutzen. Schließlich wollen sie auch als interessanter Arbeitgeber im Gedächtnis bleiben: „Studierende, die bei uns ein längeres Praktikum machen, werden in feste Teams und Projekte integriert. Sie übernehmen eigenverantwortlich Aufgaben", erklärt etwa Christoph Anz, Leiter des Bereichs Bildungspolitik bei BMW.Allerdings: Routinetätigkeiten gehören zu jedem Beruf. Dazu gehört es eben auch, dass man mal frischen Kaffee für die Kollegen kocht.• Am besten macht man so viele Praktika wie möglich...
Es gibt junge Menschen, die bis zum Abschluss ihres Studiums eine zweistellige Anzahl Hospitanzen absolvieren. Doch ist dies tatsächlich das, was die Unternehmen später von Bewerbern erwarten? Nein – es gilt eher das Gegenteil. Zu viele Praktika, vor allem wenn diese willkürlich angehäuft erscheinen, können negativ wirken.
„Ein hochwertiges Praktikum ist mehr Wert als drei, vier oder fünf beliebig ausgewählte", betont Christoph Anz von BMW. Wichtig sei die bewusste Entscheidung für ein Praktikum. „Wenn mehrere Praktika absolviert wurden, sollten die Beweggründe nachvollziehbar und die Zielrichtung erkennbar sein", sagt auch Birgit Puschmann aus der Personalabteilung des Chemieunternehmens BASF. Sie empfiehlt, lieber länger in einem Projekt mitzuarbeiten, anstatt mehrere Stationen zu durchlaufen.
 

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