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Jobeinstieg

"Dem Studium fehlt Praxisnähe"

Interview: Anne Koschik
Wie steht es um die "Generation Praktikum"? DIHK-Hochschulexperte Kevin Heidenreich warnt vor einem solch pauschalen Begriff. In der Regel seien Praktikanten heute weitgehend zufrieden. Kritisch sieht er die zu geringe Praxisnähe des Studiums – ein Grund mehr aber, sich für mehr und gute Praktika in den Unternehmen einzusetzen.

Angst vor der beruflichen Zukunft


"Generation Praktikum" – dieses Schlagwort steht seit rund einem Jahrzehnt für einen Gesellschaftstrend mit jungen Menschen in Angst vor einer unsicheren beruflichen Zukunft, die sich von Praktikum zu Praktikum und Job zu Job hangeln – schlecht bezahlt und auf der Suche nach der eigenen Identität. Wirtschafts- und Finanzkrise haben diesen Begriff neu befeuert, doch durch den immer stärker werdenden Fachkräftemangel sehen Fachleute ein Ende dieser Ära. Nicht aber die jungen Leute selbst: Neue Umfragen und Studien belegen, dass sie als Praktikanten wieder schlechter bezahlt werden, dass sie weiterhin dauerhaft befristete Arbeitsverträge fürchten, dass sie Angst haben, keinen passende Job zu finden und durch Bewerber aus dem Ausland verdrängt werden.

Herr Heidenreich, können Sie dieser Angst etwas entgegensetzen?

Die besten Jobs von allen


Kevin Heidenreich: Auch in der Krise müssen sich Hochschulabsolventen keine großen Sorgen machen. Ein Studium ist immer noch die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit, die Arbeitslosenquote ist seit Jahren konstant niedrig. 2010 lag sie mit 2,8 Prozent sogar deutlich niedriger als in den Jahren zuvor.

Ist es aus Ihrer Sicht richtig, Praktikumsplätze auch nach dem Studium zu vergeben?
Kevin Heidenreich,
DIHK-Hochschulexperte
Foto: privat
Es gibt gute Gründe auch nach einem Studium ein Praktikum zu absolvieren. Leider sind viele Studiengänge wenig praxisnah, so dass Absolventen praktische Erfahrungen abseits vom Studium machen müssen. Viele Absolventen wissen direkt nach dem Studium auch nicht, welche beruflichen Tätigkeiten zu Ihnen passen. Ein Praktikum kann dabei helfen.

Und wenn jemand nach dem Bachelor einen Master machen will, dann empfehle ich denjenigen, zwischendurch erst einmal Praxiserfahrungen zum Beispiel in Form eines Praktikums zu sammeln. Mit diesen Erfahrungen kann man den persönlichen Wunsch-Master gleich viel gezielter auswählen.

Ist diese Einstellungspraxis nicht auch eine einfache Methode, Bewerber kostengünstig auf Vollzeitstellen zu testen, anstatt hier die Probezeit anzuwenden?

Nein, das ist nicht zulässig. Zwar gehört zu einem guten Praktikum auch das gemeinsame Kennenlernen, klar ist aber: Ein Praktikum ist ein Lernverhältnis und darf keine regulären Vollzeitstellen ersetzen. In dem Fall läuft der Arbeitgeber Gefahr, auf ein Arbeitnehmergehalt verklagt zu werden.



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