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Intrigen

Hinterlistige Machtspiele im Büro

Teil 4

Psychologen sprechen auch von einer reinigenden kathartischen Wirkung. Das gilt jedenfalls für diejenigen, die die Gerüchte weiterverbreiten. Die Quelle, also der- oder diejenige, die das Gerücht in die Welt gesetzt hat, kann damit aber etwas ganz anderes vorhaben. So kann das Gerücht, ein Kollege habe ein äußerst lukratives Jobangebot, sowohl schaden als auch nutzen – indem es entweder jemanden zur „lahmen Ente“ macht oder dessen internen Marktwert im Betrieb heraufsetzt.Noch beliebter als das Gerücht sind aber (scheinbare) Belohnungen: Lob und Preise, Anerkennung und Auszeichnungen können hervorragende Intrigenwerkzeuge sein, wenn sie von der falschen Seite kommen oder zur falschen Zeit. Der als unfähig angesehene Fachmann schreibt einen Empfehlungsbrief; die Politikerin, deren Anträge noch nie angenommen wurden, tritt auf der Versammlung öffentlich für einen Kandidaten ein; die Soziologin wird zum Vorwort in einer Festschrift für den umstrittenen Professor gebeten; der Konkurrent wird rechtzeitig weggelobt.Opfer des Neides

Die besten Jobs von allen

Besonders fies: das sogenannte Tot-Loben – also eine demonstrative, vermeintlich positive Sonderbehandlung, bei der der vom Chef hochgelobte Mitarbeiter letztlich Opfer des Neides, der Kritik und des Spotts seiner Kollegen werden soll. Gerüchte sind allerdings tückisch. Einmal in Umlauf gebracht, lassen sie sich kaum noch kontrollieren – und manchmal schlagen sie gar gegen den Urheber zurück.So geschehen im irischen Wahlkampf vor gut einem Jahr. In einem Gespräch mit Pressevertretern hatte der damalige Verteidigungsminister Willie O’Dea einen Konkurrenten der Oppositionspartei Sinn Fein beschuldigt, Miteigentümer eines Bordells zu sein. Als die Anschuldigungen publik wurden, distanzierte sich O’Dea jedoch sofort wieder davon und bestritt in einer eidesstattlichen Versicherung, die ehrabschneidende Aussage je geäußert zu haben. Doch einige Zeit später veröffentlichte ein Journalist eine Tonbandaufnahme, die eindeutig O’Dea als Urheber des Gerüchts entlarvte.„Ich sage in der Hitze des Gefechts manchmal Dinge, die ich nicht so meine“, versuchte sich der Minister noch selbst zu verteidigen. Doch es half nichts: Der Oppositionspolitiker erhielt eine finanzielle Entschädigung, O’Dea blieb der Rücktritt. Gegen Intrigen wehren lässt sich nur schwer. Ein Rundum-sorglos-Paket dagegen gibt es nicht. Allerdings laufen all diese Intrigen nach mehr oder weniger festen Regeln ab.Wer einmal die Grundformen durchschaut hat, wird daher beim nächsten Mal mehr Chancen haben, zu gewinnen oder erst gar nicht zum Opfer zu geraten. Dazu zählt etwa das Konflikttagebuch, in dem Sie sich Akteure und Aktionen detailliert notieren, um hinter das Gespinnst zu blicken. Am besten gehen Sie systematisch die drei Grundformen der Intrige durch: Billardstoß, Angriff auf die Achillesferse, Komplott. Meist werden Sie mit allen dreien gleichzeitig konfrontiert und müssen folglich mehrere Abwehrstrategien entwickeln.Zudem gibt es die Option, sich eine möglichst schikanenfreie Arbeitsumgebung zu suchen. Neben dem Gehalt und den Kompetenzen sollten Sie also auch die Strukturen und das Konfliktklima eines künftigen Arbeitgebers prüfen: Gibt es eine Betriebsvereinbarung zu Mobbing und Konflikten oder sogar ein Konfliktmanagementsystem? Warum hat Ihre Vorgängerin gekündigt? Was erzählt man in der Branche über den Betrieb?Prävention hilftDie beste Intrigenabwehr allerdings ist immer noch die Prävention. Sie erfolgt in den gleichen Schritten wie die Abwehr, ist aber ein hiervon getrennter Vorgang. Und sie ist harte Arbeit: Die Prophylaxe erfordert Disziplin, Zeit und vor allem den Mut zur Wahrheit. Trauen Sie sich, scheinbar gut gemeinte Angebote zu hinterfragen: Was könnte das Interesse desjenigen sein, der Ihnen Hilfe anbietet? Auch wenn Sie nicht auf unlautere Motive stoßen, kann das hilfreich sein. Beispielsweise um eine gut gemeinte Hilfe mit gutem Gewissen annehmen zu können, weil Sie so erfahren, dass die Hilfe dem Helfenden selbst Spaß bringt.Und selbst wenn Sie nicht ablassen können, daran zu glauben, dass Menschen gut sind – vielleicht haben Sie ja sogar recht –, dann halten Sie’s mit Karl Valentin, der fand: „Der Mensch ist gut, aber die Leut’ sind schlecht.“
Dieser Artikel ist erschienen am 21.02.2011

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