Zwickmühle Mindestlohn Praktika: Bessere Bezahlung, weniger Auswahl

Ein Jahr nach Einführung des Mindestlohns sind die Auswirkungen auf Praktika-Angebote deutlich spürbar – in zweierlei Hinsicht. Einerseits beklagen Studierende den Rückgang von Menge und Vielfalt an freiwilligen Praktika, andererseits freuen sie sich über eine im Durchschnitt bessere Bezahlung. Ist das ein Gewinn?

Anne Koschik | , aktualisiert

Praktika: Bessere Bezahlung, weniger Auswahl

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Foto: goodluz/Fotolia.com

Die positive Nachricht: Um mehr als 20 Prozent ist im vergangenen Jahr das Durchschnittsentgelt für Praktika gestiegen. So zahlten Unternehmen ihren Praktikanten durchschnittlich 950 Euro pro Monat, im Vorjahr waren es 771 Euro/Monat. Dies ist ein Ergebnis des , dem eine Befragung von mehr als 7.000 Praktikanten zugrunde liegt.

Damit hat das Bundesarbeitsministerium ein großes Ziel erreicht. Denn die Effekte des Mindestlohns machen sich auch im Bereich Praktika bemerkbar. Doch offensichtlich ist für die Praktikanten selbst nicht die Höhe der Entlohnung das allein Seligmachende. Interessant ist, dass bereits vor Einführung des Mindestlohns nur rund ein Fünftel der Befragten unzufrieden mit dem Praktikums-Entgelt waren, 2015 sank diese Zahl von 22 um lediglich drei Prozentpunkte auf 19 Prozent.

Studierenden kommt es vor allem auch auf ein breites Angebot an Praktika an, die ihnen die Chance bieten, Erfahrung zu sammeln und sich den Unternehmen als Nachwuchskraft zu empfehlen. Die Pflichtpraktika, die Zugangsvoraussetzung für ein Studium sein können oder ins Curriculum eingebunden sind, erfüllen hier alleine nicht ihren Zweck.

So hatte auch der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages DIHK, Eric Schweitzer, bereits im Herbst 2015 moniert, dass in den mehr als 17.000 Studienangeboten Studierende nicht immer das notwendige praktische Rüstzeug für den Übergang ins Arbeitsleben erhielten. Praktika sind schließlich der erste Kontakt ins Arbeitsleben, wo Studierende in die Atmosphäre großer Markenunternehmen eintauchen und weitgehend unbekannte Arbeitgeber aus dem Mittelstand schätzen lernen können, um sich auf ihre zukünftigen Jobs vorzubereiten

"Praktikanten bedauern es sehr, dass die Zahl angebotener freiwilliger Praktika mit einer Länge von mehr als drei Monaten immer weiter schrumpft", weiß Fair Company-Projektleiterin Elke Neuhard aus ihrer Community zu berichten. Die Fair Company-Initiative setzt sich seit über zehn Jahren für faire Spielregeln im Umgang mit Praktikanten ein.

Dort wurde jetzt festgestellt, auf welche Weise die Unternehmen im Bereich Praktika auf das Mindestlohngesetz reagiert haben: So sei der Anteil der kurzzeitigen Praktika (drei Monate Dauer) von 11 Prozent auf 21 Prozent gestiegen, erklärt Neuhard. "Aber insgesamt ist die Anzahl der Praktika-Angebote gesunken."

Grundsätzlich verschiebe sich das Angebot: "Unternehmen fahren ihre Angebote zurück, damit sie mit dem vorhandenen Budget auch längere Praktika nach dem Mindestlohngesetz bezahlen können." Denn Fakt sei, dass die Fachabteilungen in den Unternehmen längere Praktika klar bevorzugten. Ausschließlich freiwillige Praktika, die nicht in den Hochschulordnungen verankert seien und die länger als drei Monate dauerten, seien überdies "fast komplett" vom Markt verschwunden.

Wie sehr es seit Anfang 2015 mit den Praktika-Angeboten nach unten geht, zeigt deutlich der Stellenindex des Jobturbo, der die bedeutendsten Jobbörsen und Medien regelmäßig nach Anzeigen durchforstet:

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