Zukunftsperspektive junger Talente Wunsch nach Spielraum im beruflichen Umfeld

Heimatregion statt Ausland, Individualität und gelebte Freiheit statt Machtspielchen am Arbeitsplatz: Die junge Generation sucht Sicherheit und wünscht sich einen dauerhaften Job, der gut bezahlt wird. Das hat die Continental-Studentenumfrage herausgefunden.

Ferdinand Knauß, wiwo.de | , aktualisiert

Wunsch nach Spielraum im beruflichen Umfeld

Suche1

Foto: bonninturina/Fotolia.com

Wie die Umfrage zeigt, wünscht sich die Generation der 20- bis 35-Jährigen vor allem eine gute Balance zwischen Familien- und Arbeitsleben. Eine Frauenquote im Job lehnt die Mehrheit ab. Zwar glauben 65 Prozent der Studierenden in Deutschland, dass Männer bei den Karrierechancen im Vorteil sind, doch trotzdem befürworten nur 26 Prozent Frauenquoten für Führungspositionen.

Das ist ein zentrales Ergebnis der 10. "Continental-Studentenumfrage". Selbst unter den Studentinnen wünschen sich nur 33 Prozent Quotenregelungen. Für die repräsentative Studie befragte das Institut für angewandte Sozialforschung Infas 1011 Studierende.

Familienaufgaben fast wie in alten Zeiten

Auffällig ist ein Geschlechterunterschied bei der Bewertung der Zukunftsperspektiven: 77 Prozent der Studenten bewerten ihre Aussichten als gut, während das nur 67 Prozent der Studentinnen so sehen.

Ein Indiz für die Gründe dieser Abweichung gibt die Antwort auf die Frage nach der Kinderbetreuung: Fast die Hälfte der Frauen rechnet damit, dass sie diese Aufgabe übernehmen werden, nur etwa ein Drittel der Männer widerspricht dieser Annahme.

"Die Ergebnisse bestätigen einmal mehr, dass junge Menschen keine Quote wollen. Vielmehr wünschen sie sich eine Arbeitswelt, in der Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen sind. Mittlerweile sind sogar mehr Männer (59 Prozent) als Frauen (55 Prozent) bereit, ihre beruflichen Ziele für die Familie zurückzustellen", erklärte Continental-Personalvorstand Elke Strathmann.

Karrierewege mit unterschiedlichem Tempo

Grundsätzlich scheint die "Generation Y" großen Wert auf eine individuelle Lebensgestaltung zu legen, bei der es möglich ist, Beruf und Privatleben miteinander in Einklang zu bringen. Dabei stufen sie die Bedeutung der Lebensbereiche "Beruf und Arbeit", "Familie und Partnerschaft" sowie "finanzielle Sicherheit und Vorsorge" auf nahezu gleichem Niveau ein.

"Die Herausforderung der Zukunft wird darin bestehen, gut ausgebildeten jungen Menschen im beruflichen Umfeld Spielraum zu geben, damit sie individuell leben können und gleichzeitig Sicherheit für planbare Rahmenbedingungen bekommen", analysierte Strathmann.

Sie plädiert dafür, dass Unternehmen Karrierewege ermöglichen, "die in die in verschiedene Richtungen führen, auf denen sie auch mal eine Pause machen können oder die Geschwindigkeit des Aufstiegs variieren können."

Die Umfrage zeigt den steigenden Wunsch nach mehr Planbarkeit und Freiräumen für eine individuelle Lebensgestaltung: Während 2006 nur 17 Prozent der Studierenden den Wunsch nach planbaren Arbeitszeiten mit einer tariflich geregelten 40-Stunden-Arbeitswoche äußerten und 2010 schon 30 Prozent, sind es jetzt 39 Prozent.

Dies ist der bisher höchste Wert seit Beginn der Befragung vor 10 Jahren. Umgekehrt sind jetzt nur noch 21 Prozent bereit, frei vereinbart über 40 Stunden pro Woche zu arbeiten – 2006 waren es noch 48 Prozent, 2010 lediglich 31 Prozent.

Für rund 70 Prozent ist zudem die eigene freie Arbeitseinteilung wichtig.

Kriterien für attraktive Arbeitgeber

Sicherheit scheint hier besonders wichtig. Bei der Entscheidung für einen Arbeitgeber stehen eine unbefristete Anstellung sowie gute Verdienstmöglichkeiten und Sozialleistungen bei den jungen Menschen ganz oben auf der Liste. Erst danach folgen der eigene Aufgabenbereich oder auch Weiterbildungsoptionen.

Den Wunsch nach Sicherheit und Planbarkeit sieht eine Mehrheit am ehesten mit einem festen Angestelltenverhältnis erfüllt: 58 Prozent wünschen, eine lange Zeit ihres Berufslebens bei einem Unternehmen zu bleiben. 2005 wollte dies nur jeder Vierte. Andere, nicht feste Beschäftigungsformen oder Selbstständigkeit sind für weniger als 20 Prozent eine Alternative.

Kollegiale Zusammenarbeit

Vier von fünf Studierenden geben an, nicht der Einsatz von Ellenbogen sei für sie wichtig, sondern kollegiale Zusammenarbeit. "Die 'Generation Y' will sich an einem Arbeitsplatz ohne Machtkämpfe wohl fühlen. Sie will Individualität und Freiheit auch am Arbeitsplatz, aber gleichzeitig Sicherheit und Stetigkeit. Sie möchte beruflich erfolgreich sein, aber auch ihre individuelle Vorstellung vom Leben verwirklichen", fasst Strathmann zusammen.

Das gestiegene Bedürfnis nach Stabilität zeigt sich auch in einer abnehmenden Neigung zum Arbeiten im Ausland. Fast die Hälfte (48 Prozent) der Studierenden wünscht sich, in der vertrauten Heimatregion einen Arbeitsplatz zu finden.

Strathmann vermutet, dass dabei auch die Wahrnehmung des Standortes Deutschland als besonders wirtschaftsstark und krisenresistent eine Rolle spielt: "Je besser die Perspektiven innerhalb Deutschlands wahrgenommen werden, desto geringer scheint die Bereitschaft, ins Ausland zu gehen."

Gegen einen Auslandsaufenthalt sprechen nach Ansicht von 87 Prozent der Befragten die negativen Folgen für die Familie, Partnerschaft und Freundschaften (51 Prozent).

Zeit fürs Private

Das Bedürfnis nach Sicherheit und Zeit fürs Private beeinträchtigt aber offenbar nicht den grundsätzlichen Erfolgswillen der jungen Generation.

82 Prozent der Studierenden behaupten zumindest, es sei ihnen wichtig, im Beruf etwas zu leisten. 72 Prozent (im Vorjahr 77 Prozent) sind auch zuversichtlich für die eigene Karriere.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

Artikel teilen

Ihr Browser ist veraltet. Deshalb können Sie diese Webseite nicht korrekt darstellen!

Bitte laden sie einen dieser aktuellen, kostenlosen und exzellenten Browser herunter:

Für mehr Sicherheit, Geschwindigkeit, Komfort und Spaß.

Lade Seite...