Witzige Ideen Den Geschmack der Personaler treffen

Wer eine ungewöhnliche Bewerbungsform wählt, will auffallen. Doch nicht jeder kreative Weg führt zum Job. Klassisch oder ungewöhnlich? Die Meinungen der Personaler gehen auseinander.

Astrid Oldekop | , aktualisiert

Hunderte von blauen, roten und gelben Kärtchen hatte Christoph Sollich kopiert, laminiert und hinter die Windschutzscheiben dicker Autos geklemmt. Bei seinen nächtlichen Aktionen begegnete er Berliner Wildschweinen in Wannsee. Auf dem Parkplatz der Funkausstellung musste der BWL-Absolvent all seine Überredungskünste aufwenden, damit ihm die Damen vom Ordnungsamt kein Bußgeld aufbrummten. Und immer wieder fand der 27-Jährige seine Kärtchen achtlos auf den Boden geworfen. Die meisten Autobesitzer hielten sein Jobgesuch für Gebrauchtwagen-Werbung und fühlten sich nicht angesprochen.

Trotz seines immensen Aufwands war die Ausbeute mager. In der Hoffnung, den idealen Arbeitgeber zu finden, hatte Sollich seine Guerilla-Marketing-Bewerbung ausgeheckt. "Sie wollen Ihr Auto nicht verkaufen? Weder jetzt noch später? Mir doch egal!", textete der BWL-Absolvent, um sich im nächsten Satz selbst anzupreisen. Auf der Rückseite des Kärtchens listete er seine Qualitäten noch mal übersichtlich mit Bullet Points auf: "Elite-Uni, Motivation zur Innovation, Auslandserfahrung, relevante Praktika, Berufserfahrung". Und als Knüller, dick umrandet: "Sofort verfügbar".

Sich von der Masse abheben

Mit dieser kreativen Bewerbung hob sich der Berliner zwar von der Masse der Jobsuchenden ab, doch die Streuverluste waren zu groß. Kaum einer fühlte sich angesprochen. Und wenn, dann führte der Kontakt auch nicht zum Ziel. Ein Rechtsanwalt versprach, ihn zu empfehlen. Mehr als zwei unseri-öse Angebote und etwas ermutigendes Feedback von Unbeteiligten kam dabei aber nicht heraus. "Ich hatte gehofft, auf diesem Weg eine Firma zu finden, die nicht jeder kennt", resümiert der Berliner. "Wenn ich mich für Großkonzerne interessieren würde, hätte ich mich mit einer ganz normalen Mappe beworben."

Gezielter, aber ebenso kreativ an die Jobsuche geht zurzeit Sebastian Kuhl. Der 33-Jährige Gründer und Geschäftsführer des "Afghan German Management College" macht gerade an der European Business School in Reutlingen (EBS) einen MBA. Auf einem EBS-Firmenforum und auf dem Alumnikongress der Universität der Bundeswehr München drückte er seinen Gesprächspartnern einen professionell gestalteten Flyer in die Hände, mit dem er für sich wie für ein Produkt wirbt. Neben seinen wichtigsten Lebensdaten listet Kuhl darin Soft Skills wie "Führungsstärke, Initiative, Selbstständigkeit" auf, unterlegt sie mit Fakten und zitiert Menschen, die Gutes über ihn sagen. "Der Flyer ist mein Türöffner, mein Eisbrecher", erklärt Kuhl, der im kommenden Jahr bei einer Unternehmensberatung oder als Assistent der Geschäftsführung einsteigen will. Einen Job hat er zwar noch nicht. "Doch der Flyer hilft mir, mich im Gespräch genauer darzustellen".

Sönke Fenzl hat eine ähnliche Strategie gewählt. Er hat einen dreiminütigen Bewerbungsfilm über sich gedreht und verschickt diesen per E-Mail an Personaler. Erst wenn Feedback zurückkommt, sendet er seine Unterlagen hinterher. Eine witzige Aktion, doch die Münchener Bewerbungstrainerin Gitte Härter warnt vor allzu großen Hoffnungen. Mit ausgefallenen Aktionen habe man gerade mal eine 50:50-Chance. Treffe man den Humor und Geschmack des Personalers, so habe man zwar schneller eine Einladung zum Interview in der Tasche. Doch die Gefahr sei groß, danebenzuliegen. Fehle der Bezug zum Unternehmen und zur freien Stelle oder sei die Bewerbung schlecht gemacht, so lege der Jobanbieter gerade die ungewöhnlichen Anfragen zur Seite.

Warnung Nummer eins: Die gewählte Form muss zum Bewerber passen. Regel Nummer zwei: Der Empfänger muss sich angesprochen fühlen. Und zu guter Letzt: Verschwende nie die Zeit deines Gegenübers. Denn für Personaler, die viel arbeiten und ohnehin angespannt sind, bedeutet das Abspielen eines Films oder Podcasts vor allem zusätzlichen Aufwand.
Und dass es auf dem klassischen Weg klappen kann, hat dann auch Christoph Sollich gelernt. Den Job fürs Leben fand der Berliner BWL-Absolvent im Oktober nämlich doch noch, über eine Anzeige. Er antwortete auf das Gesuch - und stieg als Marketingexperte bei einem Internet-Startup ein.

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