Wer wagt, gewinnt Wie wird man Comdirect-Vorstand, Frau Katerbau?

Seit einem Jahr ist Karin Katerbau, 42, Finanzvorstand der Comdirect Bank AG. Das angepeilte Gewinnziel hat sie gleich im ersten Anlauf übertroffen. Auch weil sie sich an Neues wagt. So war es eigentlich immer schon.

Anne Koschik | , aktualisiert

Der Alltag.
Marmortäfelung? Gläsernes Portal? Nichts dergleichen. Mitten im Gewerbegebiet liegt die Quickborner Zentrale der Comdirect Bank. Ein großes, unauffälliges Gebäude. Über die vorbeiführende Autobahn ist es nur ein Katzensprung zum Hamburger Flughafen - und von dort ins Zentrum der Finanzmacht Frankfurt. So schlicht der Bau, so zweckmäßig das helle Büro der Finanzchefin: großer Schreibtisch, kleiner Besprechungstisch, wenig Papierkram.
Wie fühlt man sich hier im hohen Norden, Frau Katerbau?
Gut! Ich wohne in Hamburg und pendle täglich ungefähr 20 Minuten - immer gegen den Strom. Als gebürtige Pfälzerin gebe ich zu: Damals von Frankfurt wegzugehen war schon ein großer Schritt für mich. Nach fünf Jahren habe ich mich aber gut eingelebt und kann sagen: Die "Nordlichter" sind keineswegs so kühl, wie man es ihnen nachsagt.
Ein Jahr im Vorstand - schon übertreffen Sie klar das anvisierte Jahresziel des Geschäftsjahres 2005. Hatten Sie Glück?
Das geht natürlich nicht ohne ein bisschen Rückenwind von den Märkten. Für mich war das wirklich ein Superstart. Ich wurde ja im Dezember 2004 in den Vorstand berufen, und gleich zu Beginn des neuen Geschäftsjahres haben wir unsere neue Wachstumsstrategie vorgestellt. Das hat extrem gut eingeschlagen. Eine tolle Erfahrung - auch weil das Team so gut mitzieht.
Und was sagt die große Mutter Commerzbank dazu: Muss die fürchten, ihre Kunden an die Tochter zu verlieren?
Mit der großen Mutter komme ich gut klar. Wir stehen natürlich im Dialog, schon weil die Commerzbank unsere Transaction-Bank ist und wir umgekehrt für sie durch Direct Banking, Brokerage und schließlich Beratung über unsere Tochtergesellschaft Comdirect Private Finance ein bedeutender Arm im Markt sind. Übrigens sind die wenigsten unserer Kunden gleichzeitig Kunden der Commerzbank.
Worauf zielt die neue Strategie?
Bis 2009 wollen wir 50 Prozent unserer Erträge aus den Kompetenzfeldern Banking und Beratung erzielen. Vor allem das Banking forcieren wir zurzeit durch Marketingkampagnen. Online-Banking hat ein enormes Wachstumspotenzial; wir gehen davon aus, dass die Zahl der Nutzer bis 2007 von zuletzt 13 Millionen auf 17 Millionen steigt. Unser Marktpotenzial sehe ich bei deutlich über 30 Millionen Online-Banking-Konten im Jahr 2007.
Die Ausbildung.
Im Gymnasium in Landstuhl steht Karin Katerbau auf Sprachen, mag aber auch Mathe und Wirtschaft. Am liebsten will sie im Ausland BWL studieren, entscheidet sich aber zunächst für eine Banklehre bei der Landesbank Rheinland-Pfalz in Kaiserslautern. Darauf sattelt sie ein binationales Wirtschaftsstudium an der FH Reutlingen und der Grande Ecole Supérieure Reims. In Frankreich schließt sie das Studium mit deutschem und französischem Diplom ab.
Was hat Ihnen Frankreich gebracht?
Das war ein gutes Lebenstraining parallel zum Studium. Denn die Unternehmenspraktika, die zum Studium gehörten, suchte man sich selbst. Das erforderte Eigeninitiative, was mir lag. Persönlich profitiert man dadurch, dass man Gelegenheit bekommt zu reflektieren, wie man durch die Heimatkultur geprägt ist. Man erlebt, dass es in Nachbarländern andere Arbeitsmethoden gibt, die ebenso zum Erfolg führen.
Wussten Sie schon von Anfang an: Eine Bankkarriere - das ist es?
Ja und nein. Ich kam von der Banklehre und hatte während des Studiums zunächst eher die Konsumgüterindustrie im Visier, war im Marketing und in der Marktforschung tätig und betreute Exportprojekte. Nach zwei sechsmonatigen Praktika bei L'Oréal in Deutschland und bei Moët & Chandon in Frankreich zog's mich schließlich in die Bankenwelt zurück, weil ich mich doch eher als Zahlenmensch fühlte.
Vor Ihrer Banklaufbahn machten Sie aber noch einen Abstecher nach Südostasien ...
.... ja, mit drei Kommilitonen für zehn Monate. In Frankreich ist das so üblich, da arbeiten die Hochschulen sehr intensiv mit Firmen zusammen, die Projektaufträge auch an Studenten vergeben. Wir haben eine eigene Association gegründet und sollten für ein Unternehmen der Textilbranche einen Lizenznehmer in Südostasien finden. Ich profitiere noch heute von den Verhandlungserlebnissen von damals. Man lernt, sich auf neue Situationen einzustellen, andere Wege zu suchen, flexibel zu sein.
Die Laufbahn.
Nur während ihres Studiums wird Karin Katerbau dem Bankengeschäft untreu. Seitdem ist sie Bankerin durch und durch. 1990 startet sie bei der Société Générale in Frankfurt als Kreditanalystin und Firmenkundenbetreuerin. Sie wechselt 1994 in die Commerzbank-Zentrale und ist für multinationale Kunden zuständig. 2001 geht die damals 38-Jährige zur Comdirect Bank und verantwortet Produktmanagement und Investmentbanking sowie Finanzen und Controlling, übernimmt dann die Bereichsleitung von Service und Business Development/Treasury. Ende 2004 bestimmt der Aufsichtsrat sie zum Finanzvorstand.
Hatten Sie Mentoren auf Ihrem Weg?
Schon, auf den verschiedensten Stufen. Zunächst sind es die direkten Vorgesetzten, die einen den nächsten Schritt gehen lassen. Es ist aber auch wichtig, sich in seinem Umfeld Ratgeber zu suchen. Die Commerzbank setzt außerdem auf aktive Betreuung. Da gibt es ein umfassendes Diversity-Programm und einiges an Fördermaßnahmen.
Als Frau im Finanzvorstand - fühlen Sie sich da als Exot?
Sicher ist es so, dass man sich als Frau eigentlich immer in der Minderheit bewegt. Aber es tut sich etwas. Es gibt zunehmend moderne Manager, mit denen eine deutliche Öffnung für das Thema kommt. Gleichzeitig sind viele Frauen selbstbewusster - und das auf der Grundlage einer guten Ausbildung.
Was bedeutet Macht für Sie?
Macht macht Spaß. Spaß im Sinne von Freude an Gestaltung oder an Umsetzung.
Ohne negativen Beigeschmack?
Man sollte sich sehr bewusst sein, dass Macht auch Verantwortung heißt. Man muss sehr genau überlegen, was manche Entscheidungen für die Mitarbeiter, für die Position am Markt und für die Zukunft des Unternehmens bedeuten.
Gab es harte Momente?
Ja, bei großen strategischen Entscheidungen. Wo ich sagen musste, ich leg jetzt den Hebel nach rechts oder links. Und dann diesen Weg konsequent zu gehen. Ein Beispiel: Als ich noch als Bereichsleiterin für die Ergebnissteuerung verantwortlich war, da waren die Märkte schwierig. Da hieß es, wir müssen uns neu ausrichten, die Bank solide aufstellen. Das bedeutete im Endeffekt auch die Trennung von Mitarbeitern.
Was fiel Ihnen am schwersten?
Mit Mitarbeitern Trennungsgespräche zu führen. Das sind anspruchsvolle Zeiten, die sehr schnell sehr erwachsen machen.
Das Privatleben.
Karin Katerbau ist geschieden, hat keine Kinder. Als Workaholic mag sich die 42-Jährige nicht sehen: Einen vernünftigen Ausgleich zum Job sucht sie unter anderem am Wochenende. Sie schaltet bei Freunden ab oder beim Fitnesstraining. Ihr liebstes Hobby ist das Skifahren. Im Gegensatz zum Job mag sie es hier besonders, wenn es steil nach unten geht.
Ist Comdirect für Sie so etwas wie ein Familienersatz?
Ich gebe zu: Unter der Woche ist die Comdirect natürlich sehr zeitintensiv. Da kann der Tag schon mal lang werden. Aber ich versuche, ihn gut ausklingen zu lassen, gehe mit Freunden aus oder jogge.
Könnten Sie sich in Ihrer Position ein Familienleben mit Kindern vorstellen?
Ja, allerdings müsste das gut organisiert werden. Es gibt ja viele erfolgreiche Frauen, die auch Kinder haben und das managen.
Haben Sie ein Erfolgsrezept?
Sich auf Veränderungen einstellen und neuen Themen gegenüber stets offen sein. Wenn ich auf meine letzten Jahre zurücksehe, dann war da sehr viel Veränderung. Neue Situationen annehmen und das Beste draus machen. Das wäre ein Rezept. Das können natürlich auch mal Hindernisse oder Rückschläge sein. Gerade an Hürden wächst man besonders.
Die Fragen stellte Anne Koschik

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