Weltwirtschaft Wie heißt das nächste Billiglohnland?

China versorgt mit billiger Produktion die ganze Welt. Doch bereits heute verliert es Anteile an andere Staaten. Bala Ramasamy, Professor der "Economics China Europe International Business School" in Shanghai, über die Verlagerung der Billigfertigung von China in andere Länder.

Rüdiger Kiani-Kreß/wiwo.de | , aktualisiert

Japan in den Sechzigerjahren, Taiwan, Hongkong, Südkorea und Singapur in den Siebzigern und Malaysia in der Achtzigerjahren: All diese Länder haben sich Wettbewerbsvorteile verschafft, indem sie mit niedrigen Lohnkosten geworben haben. Doch mit zunehmender Entwicklung mussten sie ihre Wirtschaft umbauen, weil die Arbeitskosten kletterten. Die arbeitsintensive Produktion wanderte in relativ billigere Regionen. Der japanische Ökonom Kaname Akamatsu bezeichnete dies als „das Modell der fliegenden Gänse“. Jetzt gibt es ein Déjà-vu: Die chinesische Gans hebt ab.

Die Veränderung hat bereits begonnen

In der Textil-, Spielzeug- und Schuhindustrie verliert China bereits in großem Tempo seinen Lohnkostenvorteil an Länder wie Vietnam, Kambodscha, Indonesien oder Bangladesch. Eine ähnliche Wirkung wie die steigenden Löhne haben die Aufwertung des Yuan, die Abschaffung der Subventionen für die Exportindustrie und das strengere Arbeitsrecht.

Doch China ist ein großes Land. Die Umsiedlung der Fertigung in andere Länder Südostasiens mag sinnvoll sein. Aber auch Chinas westliche Provinzen bieten eine Alternative. Darum ist es nicht überraschend, dass IT-Unternehmen wie Dell und Foxconn oder der Pharmakonzern Pfizer ihre Produktion ins chinesische Hinterland verlegt oder bestehende Anlagen dort vergrößert haben. Die Arbeitskosten sind niedriger, auch wenn die Logistik eine Herausforderung ist. Es ist gut möglich, dass die Fabrik der Welt in zehn Jahren in den Westen Chinas umgezogen ist.

Die Qualität muss steigen

In der Vergangenheit hat Chinas Industrie die Produktivität gesteigert, indem das Betriebskapital pro Beschäftigten erhöht wurde. Leider hat dieses Modell seine Grenzen. Mit anderen Worten: Auf Dauer lassen sich Produktivitätssteigerungen nicht dadurch erzielen, dass ein Arbeitnehmer immer mehr Maschinen bedient.

Vielmehr gilt es, sowohl die Qualität der Maschinen als auch die der Arbeitskräfte zu erhöhen. Während sich die Qualität der Maschinen durch bessere Technologie steigern lässt, steigt die Qualität der Arbeiter nur durch besseres und innovatives Management. Dazu gehört auch, das soziale Kapital zu steigern, also neben der eigentlichen Ausbildung die sozialen Verbindungen und Kompetenzen eines Arbeitnehmers zu fördern.

Indem Unternehmen auf allen Ebenen eine Kultur des Vertrauens schaffen, werden sie langfristig auch produktiver. Dafür gibt es ein paar einfache Wege. Die Beschäftigten mit Würde zu behandeln ist ein guter Anfang. Die jüngsten Arbeitskämpfe in chinesischen Fabriken wie bei Foxconn und Honda zeigen, dass es ein großer Fehler ist, den Wert des sozialen Kapitals zu unterschätzen.

Bala Ramasamy, Professor of Economics China Europe International Business School, Shanghai

(Artikel zuerst erschienen auf WirtschaftsWoche Online wiwo.de)

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