Weiterbildung Wo Korruptionsbeauftragte ihr Handwerk lernen

Compliance-Experten sind gerade in großen Unternehmen gefragter denn je. Doch nicht jeder Jurist ist gleich ein Betrugsexperte. Weiterbildung ist nötig - zum Beispiel durch ein Studium zum Korruptionsbeauftragten.

Claudia Obmann | , aktualisiert

Schmiergeldskandal bei Siemens, Datenmissbrauch bei der Telekom, schwarze Kassen bei Ferrostaal - die Liste der deutschen Unternehmen, deren Mitarbeiter sich offenbar nicht an Gesetze halten, wird immer länger. Sogenannte Compliance-Fachleute wie Andreas Pohlmann, der bislang bei Siemens den Sumpf trockenlegte und jetzt zu Ferrostaal wechselt um dort aufzuräumen, haben Hochkonjunktur. "Solche Spezialisten für gesetzeskonformes Verhalten sind heiß begehrt", bestätigt Personalberater Richard Fudickar von Boyden International aus seinem Vermittlungsalltag.

Fliegen dunkle Geschäfte auf, werden Experten von außen geholt, denn sie haben keine Seilschaften, denen sie Rücksichtnahme schulden. Doch generell werden mehr sachkundige Strategen auf Geschäftsleiter- oder Vorstandsebene zur Vorbeugung gebraucht, da weltweit tätige Unternehmen in Töchterfirmen die jeweiligen nationalen Gesetze befolgen und dies auch dokumentieren müssen. Sollte etwa einmal die Staatsanwaltschaft mit Ermittlungen oder eine Versicherung mit Regressforderungen vor der Tür stehen, können sie das als Beweismittel vorlegen.

Doch was genau macht einen Juristen, Wirtschaftsprüfer oder Betriebswirt zum erfolgreichen Bekämpfer in Sachen Betrug, Bestechung & Co.? Um wirksam Anti-Korruptions-Strategien zu verfolgen, sollten sie die blinden Flecke von Organisationen kennen, weil sie selbst viele Jahre als Hausjurist, im Controlling oder als Steuerexperte in Konzernen gearbeitet haben. Neben Eigenschaften wie Durchsetzungskraft- und Kommunikationsgeschick zählt aber vor allem fachliches Know-how.

Master-Titel für Nachwuchskräfte oder Zertifikatslehrgang

Das Angebot im Weiterbildungsmarkt ist entsprechend groß. Es reicht von mehrtägigen Workshops für die Durchschnittsführungskraft bis hin zu nebenberuflichen Fortbildungen für Profis - den hauptamtlichen Compliance-Beauftragten.

Zwei renommierte Fortbildungsanbieter, die Deutsche Universität für Weiterbildung (DUW) in Berlin und die Frankfurt School of Finance & Management, gehen mit ihren Programmen für Compliance-Spezialisten in spe jetzt in die zweite Runde. So richtet sich der 24-monatige, berufsbegleitende Masterstudiengang Compliance der DUW an junge Akademiker, die sich auf die komplexen Führungsaufgaben in diesem Bereich vorbereiten wollen.

Neben der Theorie rund um die Gesetze, Einführungsstrategien und Sanktionsmechanismen entwickeln die Teilnehmer während ihres Studiums für ihr Unternehmen ein maßgeschneidertes Compliance-Regelwerk. Interessenten können sich noch bis zum 30. Juni um ein Stipendium in Höhe von 2500 beziehungsweise 5000 Euro für den insgesamt 15000 Euro teuren Master-Studiengang bewerben. An der Frankfurt School beginnt Anfang September erneut das Programm "Certified Compliance Professional (CCP) Corporates". Auf dem Lehrplan stehen Risikomanagement, Korruptionsprävention, Aufsichtsrecht und Krisenmanagement.

Neben diesen Pflichtfächern können die Teilnehmer eigene Schwerpunkte setzen - etwa zu branchenspezifischen Compliance-Themen im Bereich Energie, Pharma oder Medien oder zu Umweltrecht, Wirtschaftskriminalität und Produkthaftung. Dieser berufsbegleitende Lehrgang dauert zwölf Monate und kostet 8500 Euro.

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