Weiterbildung Praxisnähe fehlt beim E-Learning

Viele Mitarbeiter wollen lernen, gerne eigenständig. Die E-Learning-Angebote ihrer Firmen – speziell zur Digitalisierung – sind aber alles andere als gut. Eine Studie zeigt, woran es krankt und was besser geht.

Nora Schareike, wiwo.de | , aktualisiert

Praxisnähe fehlt beim E-Learning

E-Learning Digitalisierung

Foto: Chinnapong/Fotolia.com

Jeder zweite Mitarbeiter in Unternehmen mit Online-Kursen für eigenständiges Lernen findet deren Inhalte unattraktiv und nicht praxisbezogen. Das ist eines der Ergebnisse einer internationalen Studie mit dem Titel "Moderne Lerninhalte für moderne Mitarbeiter" des Marktforschungsunternehmens Towards Maturity in Zusammenarbeit mit dem Dienstleister Skillsoft.

Die Studie zeigt, dass durch die Digitalisierung insgesamt ein hohes Bedürfnis an Weiterbildung existiert – die Angebote sind jedoch häufig nicht zufriedenstellend. Dabei setzen 89 Prozent aller Organisationen bereits Lern-Management-Systeme ein.

Befragt wurden im vergangenen Jahr rund 6000 Mitarbeiter unterschiedlicher Unternehmen. 73 Prozent von ihnen nutzen E-Learning-Programme für irgendeine Form des arbeitsbezogenen Lernens. Doch jeder dritte nannte das Angebot uninspirierend. Jeder vierte fand nicht, was er suchte. Den Angaben der Befragten wurden die besten Lernstrategien gegenübergestellt, die führende Unternehmen in diesem Bereich praktizieren.

Guter Weg, um den Job besser zu machen

Eine wichtige Erkenntnis: Lernen wollen die allermeisten Mitarbeiter. 69 Prozent glauben, durch Lernen ihre Aufgaben im Job besser und schneller erfüllen zu können und wollen entsprechende digitale Lernangebote nutzen. 47 Prozent sind überzeugt, dass eigenständiges Lernen mithilfe von E-Learning prinzipiell ein guter Weg ist.

45 Prozent derer, die das Kursangebot ihrer Unternehmen genutzt haben, empfanden die Online-Kurse jedoch als nicht passend für ihre Lernbedürfnisse.

Die Befragten wissen auch genau, was sie sich stattdessen wünschen: 77 Prozent hätten gern Lernangebote, die sich vorteilhaft auf ihr berufliches Leben und ihre persönliche Karriereentwicklung auswirken. 80 Prozent erklären sich sogar bereit, ihr Wissen mit anderen Kollegen zu teilen und diese für digitales Lernen zu motivieren.

Vorbilder für diese Art des E-Learnings gibt es bereits: Die im Bereich Corporate Learning besten Unternehmen stellen ansprechende Inhalte für ihre Mitarbeiter bereit – gepaart mit Anreizsystemen. Das heißt zum Beispiel: Textbasierte Lerninhalte werden mit Video-, Animations-, Audio- und Bildmaterial angereichert. Die Didaktik bedient sich Storytelling-Techniken. Bei 94 Prozent der Vorbildunternehmen kommen interaktive Methoden wie Lern-Spiele und Simulationen zum Einsatz.

Fehlende Strategie der Verantwortlichen

Ein wichtiger Erfolgsfaktor für digitale Lernangebote ist der Grundsatz "Weniger ist mehr, wenn das Angebot gut gepflegt wird". Unter den besten Unternehmen überprüfen 87 Prozent regelmäßig die Inhalte ihres digitalen Lernangebots, statt immer wieder neue zu schaffen. 82 Prozent von ihnen löschen überflüssig gewordene Inhalte sogar komplett.

Wo Frust und Wildwuchs herrschen, spiegelt sich das in der fehlenden Strategie der Verantwortlichen beim E-Learning. 700 von ihnen wurden für die Studie befragt, 13 Prozent gaben an, keine Strategie zur Organisation, Strukturierung und Pflege ihrer Lerninhalte zu haben. Nur 30 Prozent planen, neue Medien in vorhandene Lerninhalte einzubeziehen.

Zum Vergleich: 82 Prozent der fortschrittlichen Unternehmen integrieren neue Medien längst.

Lerninhalte müssen gepflegt und aktualisiert werden

Auf der Grundlage der Best-Practice-Lernstrategien gibt die Studie vier konkrete Handlungsempfehlungen zur Modernisierung von Lerninhalten. Im Wesentlichen sollten Unternehmen darauf bedacht sein, ihre Lernstrategie und Inhalte an den Bedürfnissen der Mitarbeiter und der Geschäftsziele auszurichten und ihre Lerninhalte regelmäßig daraufhin zu überprüfen.

Zusätzlich rät die Studie, sich künftig stärker auf das "Lernerlebnis" der Mitarbeiter zu fokussieren und Social Media-Komponenten, etwa für Feedbacks, Diskussionen oder zum Erfahrungsaustausch in Bezug auf Lerninhalte zu integrieren.

Auch die Möglichkeit von zeitunabhängigem, mobilem Lernen könne die Akzeptanz der Mitarbeiter für digitale Lernangebote verbessern und Lernanreize schaffen.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de

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