Weiterbildung Master of Arzt

Der Organisationsaufwand in Praxen und Klinken wächst. Ärzte mit doppelter Qualifikation werden deshalb vermehrt gesucht. Der Ärzteverband hat den Master of Health Care Management entwickelt, der Mediziner auf diese künftigen Verwaltungsaufgaben vorbereiten soll.

Carola Sonnet | , aktualisiert

Kaum eine Führungsposition in der Klinik wird heute ausgeschrieben, ohne dass BWL-Kenntnisse gefordert sind", beschreibt Alfons Runde die Basis für den Wachstumsmarkt, auf dem er selbst aktiv ist. Runde ist Professor für Gesundheitsökonomie und leitet den Studiengang Master of Healthcare Management an der Fernhochschule Riedlingen. Zusammen mit dem Ärzteverband Hartmannbund hat er das Curriculum ausgetüftelt, das junge Mediziner auf künftige Managementaufgaben vorbereitet.

Denn im Gesundheitsmarkt herrscht kreative Unruhe: Weil die Versorgung in einzelnen Arztpraxen ein Auslaufmodell ist, schließen sich Ärzte in medizinischen Versorgungszentren zusammen. Der Organisationsaufwand wächst, Führungskräfte mit medizinischem Sachverstand werden händeringend gesucht. Private Klinikkonzerne kaufen klamme kommunale Krankenhäuser auf, Ärzte werden als Manager gebraucht. Sie kümmern sich dann nicht mehr um die Patienten, sondern um Excel-Tabellen, um Finanzierungsfragen, Controlling oder die Abrechnung der Therapien.

"Im liberalisierten Gesundheitsmarkt werden Ärzte gebraucht, die einen breiten BWL-Hintergrund haben", sagt Bruno Weidl von der Personalberatung Medpreneur. Darauf vorbereiten kann sie entweder ein auf Gesundheitsfragen spezialisiertes Masterprogramm oder ein allgemeiner MBA. Der MBA ist praxisorientiert und breiter gefasst, zwingt die Studenten dazu, über den eigenen Bereich hinauszudenken und bereitet auf eine Führungsposition nicht nur im Gesundheitswesen vor. Spezialisierte Masterstudiengänge vermitteln Ärzten BWL-Kenntnisse.

Ökonomisch geschulte Ärzte können einen wichtigen Beitrag leisten

Auf der anderen Seite locken mittlerweile einige Universitäten sowohl Ärzte als auch Wirtschaftswissenschaftler mit medizinisch spezialisierten Masterstudiengängen und prominenten Gesundheitsökonomen an der Spitze. Zwar halten sich die Bewerberzahlen bisher in Grenzen, doch das Interesse an den doppelt ausgebildeten Fachkräften steigt. Zwischen MBA und Master gibt es auch auf die Gesundheitsbranche zugeschnittene MBA-Programme wie in Bayreuth oder an der Frankfurt School of Finance. Sie versprechen, allgemeines Managementwissen zu vermitteln, das die Studenten aber auf Fragestellungen aus dem Gesundheitssektor anwenden.

Gerade bei gesellschaftlich relevanten Diskussionen können ökonomisch geschulte Ärzte einen wichtigen Beitrag leisten: Müssen Medikamente rationiert werden, um das Versorgungsniveau zu halten? Dürfen Ärzte auf der Intensivstation einen jüngeren Patienten zuerst behandeln, wenn ihnen die Zeit fehlt? Um Antworten zu finden, müssen Ärzte und Manager zusammenarbeiten. Im Idealfall ist jemand dabei, der von beidem eine Menge versteht.

So wie Christian Elsner, Geschäftsführender Direktor der Uniklinik Schleswig-Holstein, Campus Lübeck. Mit seinen 36 Jahren ist er sehr jung in dieser Position, verantwortet rund 4000 Mitarbeiter und ein Budget von 400 Mio. Euro. Schon nach zweieinhalb Jahren als Arzt war ihm klar, dass sein Hang zum Klinikmanagement stärker war als der zu den Patienten. "Ich wollte über den Tellerrand des Klinikalltags schauen", sagt Elsner. Also entschied er sich für ein MBA-Programm an der Handelshochschule Leipzig (HHL).

Die HHL ist eine von wenigen Anbietern echter MBA-Programme in Deutschland. Mannheim Business School, Goethe Business School, Gisma, WHU und die ESMT vergeben weitere renommierte Abschlüsse in Deutschland. Die Frankfurt School of Finance bietet einen MBA an, der auf das Gesundheitswesen zugeschnitten ist, die europäischen MBA-Guidelines erfüllt und dafür auch das Epas-Gütesiegel erhalten hat.

Um diese europäischen Richtlinien zu erfüllen, muss ein Programm zum Beispiel Kurse in Accounting, Finanzierung, Marketing und Vertrieb, Operations Management, Information Systems Management, Recht und HR-Management beinhalten. Headhunter Weidl empfiehlt eindeutig den generalistischen MBA, wenn ein Arzt sich entscheiden muss, womit er sich besser auf spätere Führungspositionen vorbereitet: "Man braucht in einem Haus von Spezialisten keinen Oberspezialisten", sagt Weidl. Aus seiner Sicht ist vielmehr die "Helikopter-Perspektive" entscheidend, die Fähigkeit, sich an Best-Practice-Beispielen aus anderen Branchen für Probleme im eigenen Bereich zu orientieren.

Zwiespalt zwischen Ökonomie und Gesundheit überwinden

Das war auch für Elsner bei der Auswahl entscheidend. Für ihn war zwar klar, dass er in der Gesundheitsbranche bleiben würde, aber er wollte nicht nur mit anderen Ärzten studieren. In seiner MBA-Klasse saß auch der Marketingchef von Hugo Boss, insgesamt studierte er mit 19 Teilnehmern: "Ein buntes Spektrum an Denkansätzen und Industrien", hebt Elsner hervor.

Das hilft ihm, Strukturen zu verstehen. "Ich habe gelernt, auf der Metaebene zu denken", sagt Elsner. "Als Mediziner im klinischen Alltag steht man oft im Risiko, sich in Details zu verlieren". Er dagegen weiß jetzt, an welchen Stellschrauben er drehen kann und wie er strukturierte Pläne entwerfen muss. "Die meisten Verbesserungsideen sind in Krankenhäusern schon vorhanden, allein die Umsetzung schafft kaum jemand", offenbart der Klinikleiter. Er habe mehr Glaubwürdigkeit gegenüber den Kollegen als jemand, der nur BWL studiert habe. "Dabei hilft es, dass ich weiß, wie sich 17 Schichtdienste im Monat anfühlen", sagt Elsner.

Anders als Elsner hat sich der Herzchirurg Tobias Hermann für einen Master of Arts und gegen den MBA entschieden. Nach seinem Abschluss an der Fernhochschule Riedlingen fing er bei der Beratung des Gesundheitsökonomen Peter Oberender an, die sich auf medizinische Themen spezialisiert hat. Und Hermann bestätigt, dass die Gesundheitsbranche eine strukturelle Veränderung durchlebt: "Es gilt, den größer werdenden Zwiespalt zwischen Ökonomie und Gesundheit zu überbrücken", analysiert er. "Wenn man in dem System vorankommen will, muss man beides können."

Den Konflikt zwischen Medizinern und Ökonomen bringt Hermann auf den Punkt: "Einen Patienten kann man nicht optimieren wie ein grünes Auto. Auch wenn das für viele einfacher wäre." Die Verbindung der medizinischen Machbarkeit mit der ökonomischen Finanzierbarkeit ist die Herausforderung, der sich alle Ärzte stellen müssen. Nicht viele verstehen aber die Zusammenhänge. Dass Leute wie er dringend gebraucht werden, zeigte sich unmittelbar nach dem Abschluss: "Ich hatte mehr Angebote, als auf die E-Mail-Platte passen." Seiner Einschätzung nach wird die Nachfrage nach Doppelabschlüssen noch steigen: "Der Markt ist schon da", sagt Hermann.

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