Weiterbildung Fortbildung an der Uni: Master, Crashkurs, MBA

Hochschulen wetteifern um fortbildungswillige und zahlungskräftige Berufstätige. Über 100 haben bereits eigene Weiterbildungszentren eingerichtet. Was die Wissenschaftler den Privatanbietern voraushaben und wer von den neuen Programmen profitiert.

Dorothee Fricke | , aktualisiert

Jan-Peter Schmelz ist hochzufrieden. Der Architekt, der bei Bayer Technology Services in Leverkusen in der Bauplanung arbeitet, hat das erste Semester des Teilzeitstudiengangs Facility Management an der FH Nürnberg hinter sich. Etwa einmal im Monat fährt der 38-Jährige für ein verlängertes Wochenende vom Rheinland nach Süddeutschland, um Gebäudetechnik, Betriebswirtschaft und Qualitätsmanagement zu pauken. In der restlichen Zeit ackert er im Alleingang und bearbeitet Studienbriefe. Für ihn eine ideale Kombination: "Ich bekomme praxisorientiertes Wissen auf akademischem Niveau, kann mich mit anderen austauschen und das Studium mit meinem Beruf vereinbaren." Die Gebühren von 6.500 Euro trägt er selbst, für die Präsenzphasen nimmt er den Bildungsurlaub aus mehreren Jahren.

Schmelz, der sein Fachwissen erweitern wollte, nachdem die Anforderungen in seinem Beruf immer komplexer geworden waren, hat lange nach dem richtigen Angebot gesucht: "Der Fortbildungsdschungel ist kaum zu durchblicken." Das FH-Angebot eines berufsbegleitenden Master-Studiums kam ihm deshalb gerade recht: "Hochschulen sind für mich der erste Ansprechpartner in Sachen Bildung. Da kann ich schon ein gewisses Niveau erwarten", meint Schmelz. "Außerdem ist ein zusätzlicher akademischer Titel natürlich besser als ein Zertifikat von irgendeiner Akademie."

Großes Potenzial 

Mit der Fachhochschule Nürnberg tat der Architekt einen goldenen Griff: Ihr Weiterbildungskonzept wurde jüngst beim Wettbewerb "Hochschulen im Weiterbildungsmarkt" des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft ausgezeichnet. 37 Unis und Fachhochschulen hatten ihre Konzepte für eine Best-Practice-Beurteilung eingereicht. Neben den Nürnbergern sahnten auch die FH Konstanz und die Uni Augsburg Preisgelder von insgesamt 175.000 Euro zum Ausbau ihrer Programme und eine Strategieberatung von McKinsey ab.

Das Engagement des Wissenschaftsverbandes in der staatlichen Weiterbildung kommt nicht von ungefähr. "Universitäten und Fachhochschulen haben im Fortbildungsmarkt großes Potenzial", ist Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband überzeugt. Gerade im Zuge der Studienreformen und der Umstellung auf Bachelor- und Master-Abschlüsse gewinne die wissenschaftliche Weiterbildung eine immer größere Bedeutung. Das Prinzip, nach einem kurzen Studium zunächst in den Beruf einzusteigen und sich später gezielt weiter zu qualifizieren, sei das Modell der Zukunft.

Tatsächlich setzen inzwischen immer mehr Hochschulen auf Angebote für Fach- und Führungskräfte. Der Hochschulkompass verzeichnet 2.064 weiterführende Studiengänge, über 100 Unis haben inzwischen eigene Weiterbildungszentren eingerichtet, die vom Master-Studiengang bis zum Crashkurs Fortbildungen jeglicher Couleur anbieten (siehe Tabelle S. 72).

Liebling MBA

Zunehmend zum Aushängeschild der wissenschaftlichen Weiterbildung wird der MBA. Ob Unternehmensführung an der Uni Augsburg, Accounting and Corporate Finance an der FH Konstanz, Technologiemanagement an der RWTH Aachen, Deutsch-Chinesisches MBA-Programm an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin oder Health Care Management an der FH Osnabrück: Die jungen deutschen Managementstudiengänge setzen oft zielgenaue Schwerpunkte auf bestimmte Branchen und Fächer in der Hoffnung, die richtige lokale Nische in der hochkarätigen MBA-Welt zu besetzen.

Fast alle hiesigen Programme können berufsbegleitend absolviert werden. Zudem sind die Kosten mit 5.000 bis etwa 30.000 Euro vergleichsweise moderat. Teilnehmern sollte jedoch klar sein: Der Trendtitel MBA bedeutet nicht automatisch, dass die Programme alle Ansprüche einer umfassenden General-Management-Ausbildung mit internationaler Ausrichtung erfüllen. Wer sich jedoch als Führungskraft gezielt spezialisieren will, kann durchaus gute Angebote finden.

Um nur ganz punktuell sein Fachwissen zu erweitern, kann man sich in Seminaren, Semesterveranstaltungen oder Studienmodulen weiterbilden. Die LMU München bietet Tagesseminare zu Themen wie Personalführung, Selbst- oder Projektmanagement an. Die Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik lockt mit Fortbildungen in den Bereichen Medien- oder Kultur- und Bildungsmanagement.

Wissen up to date 

Besonders umfangreich ist das Angebot im "Kontaktstudium Management" der Universität Augsburg mit Themen wie Kundenbindung, Personalmarketing oder Motivation. Inhalte, die auch Heerscharen von Privatinstituten anbieten. Doch was die wissenschaftliche Weiterbildung ihnen voraus hat, bringt Bernd Wagner, Leiter des Augsburger Zentrums für Weiterbildung und Wissenstransfer, auf den Punkt: "Wir liefern den Teilnehmern nicht nur Kochrezepte, wie das viele private Anbieter tun, sondern legen auch großen Wert auf die Vermittlung theoretischer Hintergründe und neuester Ansätze."

Durch ihre Nähe zur aktuellen Forschung sind Hochschulen als Weiterbilder auch dort interessant, wo Wissen nur eine geringe Halbwertzeit hat, wie im IT-Bereich oder in den Ingenieurwissenschaften. So betreibt die FH Nürnberg im Bereich Ingenieurqualifizierung eine erfolgreiche Public-Private-Partnership zwischen FH, dem Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (VBM) sowie dem Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft (bbw).
"Wir kombinieren das Wissen der Hochschule mit dem Know-how von Wirtschaftsverbänden", erklärt Michael Braun, Prorektor der FH Nürnberg und Leiter des Bereichs Weiterbildung. "Auf diese Weise können wir wirklich marktorientierte Angebote entwickeln." Kurse zum Thema "bleifreies Löten" seien etwa gerade ein Renner. "Hier müssen die Unternehmen eine neue EU-Richtlinie umsetzen. Und wir haben weit und breit das einzige passende Kursangebot dazu", sagt Braun stolz.

Studenten profitieren mit 

Trotz des Booms beträgt der Anteil der Hochschulen am gesamten Weiterbildungsmarkt bislang gerade mal fünf Prozent. "Das ist durchaus ausbaufähig", findet Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband. In so mancher Uni friste die Weiterbildung noch ein institutionelles Nischendasein oder werde unkoordiniert als professorale Nebentätigkeit angeboten, kritisiert er.

 "Hochschulen dürfen ihre Chance nicht verpassen. Sonst springen andere Anbieter auf den Zug." Dabei kann auch der Student im Erststudium vom Weiterbildungsengagement seiner Uni profitieren. "Ein Hochschullehrer, der sich mit Praktikern auseinander setzt, kann die Erfahrungen in Forschung und Lehre einfließen lassen", glaubt Bernd Wagner. Davon ist auch sein FH-Kollege Michael Braun überzeugt: "Wenn wir wissen, wo in der Industrie der Schuh drückt, profitieren auch die Studierenden davon."

Ob die Weiterbildungsprogramme der Hochschulen auch ihre oft klammen Haushalte sanieren, steht auf einem anderen Blatt. Der Stifterverband warnt davor, die zu erwirtschaftenden Beträge zu überschätzen. "Ziel sollte sein, dass sich die Weiterbildungszentren selber tragen", sagt Volker Meyer-Guckel. "Aber das ist auch durchaus drin."

Wahl-Hilfen

Ein gutes Weiterbildungsangebot an Unis und Fachhochschulen können Sie schon im Vorfeld erkennen. Darauf sollten Sie achten: Der erste Eindruck zählt: Eine übersichtliche Homepage mit aktuellen Terminen, aussagekräftiges Infomaterial und kompetente Infos am Telefon sind das erste Indiz, dass hinter dem klangvollen Angebot auch Professionalität und Substanz steckt.

Güte mit Siegel: Bei Master-Programmen sollten Sie darauf achten, dass der Studiengang bereits akkreditiert ist oder zumindest der Antrag auf Akkreditierung läuft. Programme, die das TÜV-Siegel für Studiengänge bereits haben und damit die Mindeststandards erfüllen, finden Sie online unter www.akkreditierungsrat.de/.

Dozenten-Check: Erkundigen Sie sich nach der Qualifikation Ihrer Lehrer. Ideal ist meist eine Mischung aus Hochschullehrern, die auf das angebotene Themengebiet spezialisiert sind, und erfahrenen Praktikern.

Infos aus erster Hand: Gerade bei längerfristigen Weiterbildungen oder Studiengängen sollte Ihnen die Gelegenheit gegeben werden, mit ehemaligen Teilnehmern zu sprechen. Fragen Sie auch, ob Sie probeweise an einer Veranstaltung teilnehmen können.

Geiz ist nicht immer geil: Weiterbildungsmaßnahmen gibt es auch an Hochschulen nicht für lau. Die Preisspanne reicht von etwa 200 Euro für ein Tagesseminar bis über 30.000 Euro für einen MBA mit Auslandsaufenthalt. Da die Fortbildungsgebühren von den Hochschulen kostendeckend kalkuliert werden müssen, sollte man en detail vergleichen, was fürs Geld geboten wird. Die Erfahrung zeigt, dass das billigste Angebot nicht immer das beste ist.

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