Weiterbildung Fördere mich, oder ich kündige

Der ideale Mitarbeiter ist motiviert, leistungsstark und bildet sich regelmäßig weiter. Aber bitte auf eigene Rechnung: Nur die Hälfte der Unternehmen ermöglicht betriebliche Weiterbildung. Das hat Konsequenzen.

Kerstin Dämon, wiwo.de | , aktualisiert

Fördere mich, oder ich kündige

Foto: MH / Fotolia.com

Niemand arbeitet heute noch von der Ausbildung bis zur Pensionierung im selben Unternehmen. Wer aufsteigen will, muss dafür zwangsläufig auch den Betrieb wechseln. Jedenfalls für den objektiven Karriereerfolg, also für mehr Macht, mehr Geld und den besseren Status.

Immer mehr Menschen legen jedoch auch Wert auf den subjektiven Karriereerfolg: Sie wollen sich verbessern, neue Aufgaben bewältigen, in ihrem Job wachsen. Das wird auch von den Arbeitgebern gewünscht. Schließlich müssen Mitarbeiter sich den ständig verändernden Bedingungen und technischen Möglichkeiten anpassen. Ohne Weiterbildung ist das jedoch kaum möglich.

Angestellte fühlen sich allein gelassen

Deswegen verwundert es, dass nur 51 Prozent der Deutschen die Möglichkeit haben, sich regelmäßig außerbetrieblich weiterzubilden. Bei 43 Prozent fragt der Chef auch nicht nach, welche Entwicklungsziele seine Mitarbeiter haben. Fast jeder dritte Erwerbstätige (31 Prozent) fühlt sich von seinem Vorgesetzten nicht unterstützt, wenn es um die Karriereplanung und persönliche Weiterentwicklung geht. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW).

Immerhin: 61 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können regelmäßig an internen Weiterbildungen teilnehmen. "Doch Arbeitgeber müssen ihre Angestellten noch viel stärker bei der Karriereplanung unterstützen. Entwicklungsgespräche und klare Zielvereinbarungen sollten in modernen Unternehmen selbstverständlich sein – aktuell einigt sich jedoch nicht einmal die Hälfte der Angestellten mit ihren Vorgesetzten auf solche ‚Meilensteine‘", sagt Julian Bomert, Kanzler der DUW. "Obwohl Unternehmen die Bedeutung moderner Personalführung erkannt haben, setzen sie vieles in der Praxis nicht um."

Und das hat Folgen: Wer seltener von seinem Arbeitgeber gefördert wird, ist unzufriedener als andere Kollegen. Das kann bis zur Kündigung führen. Von den 18- bis 35-Jährigen würden 42 Prozent bei einem Jobwechsel den Arbeitgeber vorziehen, der ihnen eine akademische Weiterbildung ermöglicht.

Sinnvoll auswählen

Doch es hilft auch nichts, nun die gesamte Belegschaft zum Chinesischkurs zu schicken oder allen eine Programmiersprache beizubringen. Die Weiterbildung muss einen konkreten Nutzen für den Einzelnen haben. Es braucht also individuelle Angebote. Während dem Vertriebler, der mit asiatischen Partnern zu tun hat, der Chinesischkurs sicher nützt, ist er für die Kollegen aus der IT-Abteilung vermutlich unsinnig. Und auch wer ein berufsbegleitendes Studium plant beziehungsweise anbieten möchte, sollte sich vorher fragen, ob das gewünschte Studium tatsächlich etwas für den konkreten Arbeitsalltag bringt.

Denn wenn die Weiterbildung etwas bringen soll, muss sie Theorie und Praxis verbinden. So sehen es auch die Befragten: 65 Prozent sagen, dass eine akademische Weiterbildung vor allem konkretes Fachwissen für die berufliche Praxis vermitteln soll. Nur etwa jeder Zehnte erwartet theoretische Hintergründe.

Zuerst  veröffentlicht auf wiwo.de

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