Weiterbildung Erfolgreich mit Projektmanagement

Erfahrene Projektleiter sind weltweit gefragt. Sie gelten als flexibel und führungsstark. Das richtige Zertifikat in der Tasche ebnet den Weg an die Spitze internationaler Projektteams.

Massimo Bognanni | , aktualisiert

Marc Widmann ist der Mann für besondere Fälle. Ob ein Computersystem für die Londoner U-Bahn eingeführt oder ein neuer Unternehmensstandort in den USA datentechnisch an die Zentrale angebunden werden soll - Widmann organisiert, steuert und kontrolliert die Vorhaben. Der 39-Jährige ist zertifizierter Projektmanager und leitet für das IT-Beratungsunternehmen Computer Science Corporation (CSC) millionenschwere Projekte im Bereich Outsourcing. Je nach Auftrag der Kunden sorgt Widmann mit seinem Team dafür, dass Datenleitungen gelegt, PC-Netzwerke aufgebaut und Computerprogramme installiert werden. Dabei leitet er die einzelnen Projekte meist nicht mehr selbst, sondern verantwortet eine Reihe von Projekten, die inhaltlich zusammenhängen.

Als der Diplom-Kaufmann 1999 bei CSC in der Unternehmensberatung als Berater anfing, wurde er mit verschiedenen IT-Einzelprojekten betraut. "Danach hat mich das übergreifende Thema Projektmanagement sehr interessiert. Ich wollte meine Kenntnisse durch eine Fortbildung vertiefen und vor allem einen Beleg für meine Fähigkeiten bekommen", sagt er. Widmann entschloss sich, das Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) zu erwerben. Sein Chef spielte mit: CSC finanzierte seine Fortbildung und stellte Widmann für die notwendigen Präsenztage frei, in denen er versierte Trainer persönlich traf. Ein gutes Geschäft für beide Seiten: Marc Widmann erhöhte seinen persönlichen Marktwert und empfahl sich für neue Aufgaben, sein Arbeitgeber konnte bei seinen Kunden mit Widmanns nachgewiesenem Know-how werben.

Gut ausgebildete Projektmanager wie Widmann sind extrem gefragt. Zeitungen und Online-Stellenbörsen sind mit Jobanzeigen für Projektleiter gefüllt. Vor allem in der IT- und Energiebranche sowie im Verkehrssektor und im Bauwesen ist der Bedarf groß. "Bei uns beginnt die Projektarbeit für neue Mitarbeiter am ersten Arbeitstag. Die Kollegen bekommen ein Projekt zugeteilt, in dem sie gleich Verantwortung übernehmen können", sagt Alfred Quenzler, Leiter Personalmarketing bei Audi. Schon bei den Einstellungstests achte man deshalb sehr auf entsprechende Kompetenzen. Laut Quenzler müsse ein Bewerber demnach in komplexen Situationen den Überblick wahren, Verantwortlichen versiert Rede und Antwort stehen und glaubwürdig die Projektergebnisse vertreten können. "Natürlich darf auch das Fachwissen nicht fehlen", sagt der Personaler.

Den Grund für die steigende Bedeutung von Projektarbeit sieht der Wissenschaftler und Berater Roland Gareis in der Globalisierung. "Unternehmen sehen sich heutzutage komplexen, weltweiten Aufgaben gegenüber. Mit globalen, flexiblen Projektteams können sie sich diesen Aufgaben am besten stellen", sagt Gareis, Professor für Projektmanagement an der Wirtschaftsuniversität Wien. Hierbei handele es sich nicht um einen Modetrend, sondern um eine langfristige Veränderung der Strukturen innerhalb der Unternehmen. Diese setzten schon jetzt in immer mehr Bereichen auf Projekte als temporäre Organisationsformen.

"Früher war Projektmanagement meist auf technische Themen, beispielsweise auf den Anlagenbau oder auf den Forschungs- und Entwicklungsbereich, beschränkt. Heute sind Projektmanager aber auch schon für Marketingprojekte verantwortlich", sagt Gareis. Wichtig sei, dass nur einmalige, umfangreiche Prozesse in Projekten gemanagt werden sollten. Für das Standardgeschäft des Unternehmens bleibe dagegen auch künftig die Stammorganisation zuständig.In den Unternehmen sind Projektmanager also die Leiter von Spezialeinheiten, die sich um neue, komplexe, mitunter riskante Vorhaben kümmern.

Mit ihren Aufgabenbereichen wachsen auch die Anforderungen an das firmeneigene Sonderkommando. Projektmanager bewegen sich ständig innerhalb des "magischen Dreiecks" von Zeitdruck, Kostengrenze und den inhaltlichen Vorgaben. Um diesem oft enormen Druck standzuhalten, hilft neben praktischer Erfahrung theoretisches Fachwissen. Zudem wollen zahlreiche Unternehmen mittlerweile ein Zertifikat als Beleg sehen, bevor sie Projektmanager einstellen. Weiterbildungseinrichtungen haben diesen Markt längst entdeckt. Die Zahl an Projektmanagement-Fortbildungen explodierte in den vergangenen Jahren regelrecht.

Weltweit betrachtet, haben sich zwei Fortbildungsorganisationen im Projektmanagementsektor durchgesetzt. Die Zertifikate des US-Dachverbandes Project Managers Institute (PMI) sind vor allem im amerikanischen Raum gern gesehen. Die International Project Managers Association (IPMA) dagegen verleiht Zertifikate, die besonders in europäischen und asiatischen Führungsetagen gut ankommen. Welche Fortbildung sinnvoller ist, hängt also davon ab, wo man sich damit bewerben will.

Hierzulande ist die Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) mit Sitz in Nürnberg und knapp 4000 Mitgliedern der größte Fachverband. Wie Widmann können sich Fortbildungswillige hier von unabhängigen Prüfern nach dem europäischen IPMA-Standart zertifizieren lassen.
Insgesamt vier Abschlüsse lassen sich bei der GPM ablegen. Angefangen beim Projektmanagementfachmann, bei dem vor allem theoretisches Wissen abgefragt wird, steigern sich die Abschlüsse bis hin zum höchsten Abschluss, dem zertifizierten Projektdirektor. Für diesen höchsten Ausbildungsgrad müssen die Prüflinge einen schriftlichen Test bestehen, einen Workshop absolvieren und eine Projektstudienarbeit vorlegen. Doch damit noch nicht genug. Auf erfolgreiche Absolventen warten nach fünf Jahren weitere Prüfungen, in denen sie ihre Qualifikation erneut unter Beweis stellen müssen. 

Bevor sich die Teilnehmer der Prüfung stellen, steht für sie theoretisches Wissen über Projektmanagementgrundlagen und -methoden sowie über Organisation auf dem Stundenplan. Ebenfalls vorgesehen ist eine Präsenzphase von neun Tagen. "Während der Workshops vermitteln unsere Trainer in Rollenspielen soziale Kompetenzen wie Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie Führungsqualitäten", sagt die Leiterin der GPM-Hauptgeschäftsstelle, Antje Funck. Denn bei der Arbeit unter Zeitdruck liegen die Nerven der Beteiligten oft blank. Projektmanager müssen in solchen Stress-Situationen die Wogen glätten können. Auch die Führung eines Projektteams will gelernt sein, meist sind die Mitglieder aus verschiedenen Abteilungen zusammengewürfelt. Daher lernen Projektmanager auch, ihren Kollegen sinnvolles Feedback zu geben.

Vor allem die starke Praxisorientierung bei der GPM-Zertifizierung hat Widmann gefallen. "Wir haben Projekte aus unserem Alltag nachweisen müssen und in der mündlichen Prüfung und bei Projektsimulationen unsere persönlichen Führungsqualitäten unter Beweis gestellt", berichtet er. Der CSC-Berater hat bei der GPM den zweithöchsten Level, den Senior Project Manager, erreicht.
Der Fortbildungs-Mix aus Theorie und Praxis hat nicht nur ihn überzeugt: "Die Zahl der Kursteilnehmer steigt extrem stark", so Funck. Allein den Basislehrgang haben im vergangenen Jahr knapp 2000 Manager absolviert. 2002 hat die GPM nur tunf 700 Zertifikate in diesem Level überreicht. Der Verband hat bislang schon insgesamt 12864 Menschen in Deutschland zertifiziert. Um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden, "reichen unsere 25 Trainer mittlerweile nicht mehr aus. Wir bilden momentan zusätzliche Trainer aus", sagt Funck.

Leider locke die große Nachfrage auch schwarze Schafe auf den Markt, berichtet Funck. Deshalb sollten Fortbildungswillige vor der Buchung eines Projektmanagement-Seminars den Anbieter auf folgende Fragen überprüfen, rät die Expertin: Kennt mein Trainer die Arbeitswelt aus eigener Erfahrung? Welchen Abschluss erhalte ich am Ende des Seminars? Hat der Anbieter meine Karriere im Blick? Geht er speziell auf meine beruflichen Aufgaben, auf die branchenspezifischen Anforderungen ein?

Auf jeden Fall seriös ist der weltweit größte Fachverband für Pojektmanagement, die amerikanische PMI. Der Verband hat 240000 Mitglieder in 160 Ländern. Das Project Management Profession-Zertifikat (PMP) ist die weltweit am meisten verbreitete Bescheinigung in diesem Bereich. Anders als die IPMA wird hier nur zwischen zwei Leistungsebenen unterschieden.

Der größte Gegensatz zur europäischen Konkurrenz ist die Art der Prüfung. Während die IPMA praktische Projektarbeit, einen Test und eine mündliche Prüfung in das Ergebnis einfließen lässt, prüft die amerikanische PMI lediglich das Wissen der Kandidaten mit einem Multiple-Choice-Test. Auf diese Weise wird vor allem theoretisches Wissen wie Fachvokabular vermittelt. Bei dem PMI-Zertifikat fehle der praktische Aspekt, kritisieren Experten. "Projektmanager leiten Teams, müssen aus jedem Teilnehmer die beste Leistung herauskitzeln und Krisensituationen meistern - das kann man nicht mit einem Multiple-Choice-Test am PC erlernen", sagt der Wiener Projektmanagement-Professor Roland Gareis. Zertifikate allein machten ohnehin keinen guten Projektmanager aus, meint der Wissenschaftler: "Was vor allem zählt, ist die praktische Erfahrung und soziale Kompetenz."

Ob mit oder ohne Zertifikat - erfolgreiche Projektmanager müssen sich um ihre Zukunft nicht sorgen. "Der Trend geht eindeutig hin zu mehr Projektorientierung in Unternehmen", sagt Gareis. Während die Wissenschaft an der Theorie zum Projektmanagement nicht mehr viel optimieren könne, zeigten sich in der Unternehmenspraxis mehrere Varianten. Eine davon sei das Programm-Management: Dabei übernimmt ein besonders erfahrener Manager die Planung, Leitung und das Controlling einer ganzen Reihe inhaltlich zusammengehöriger Projekte. Die einzelnen Projekte des Programms werden von untergeordneten Projektmanagern betreut.
Eine weitere zukunftsträchtige Entwicklung ist das Projektportfolio-Management. Darunter versteht man die Planung, Steuerung und Überwachung aller Projekte einer Unternehmensabteilung. Hierbei handelt es sich um eine permanente Aufgabe, die sich regelmäßig wiederholt.
Widmann arbeitet bereits als Programm-Manager. Vor kurzem hat er sich für die Weiterbildung zum Projektdirektor, also dem allerhöchsten GPM-Level, angemeldet. Zu dieser Prüfung sind nur Manager mit langjähriger Erfahrung und Projektportfolio- oder Programmverantwortung zugelassen.

Bevor sich Widmann zu diesem Schritt entschied, tagte der Familienrat. "Meine Frau ist schwanger. Da muss man schon zusammen überlegen, ob eine zusätzliche Belastung durch meine Vorbereitung auf die Zertifizierung sinnvoll ist", sagt Widmann. Der künftige Vater hat sich schließlich doch für die Doppelbelastung entschieden. Sein Engagement dürfte sich auszahlen: Bei Bestehen der Prüfung wäre Widmann einer von gerade mal 25 Projektdirektoren in ganz Deutschland.

Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement (GPM)

Abschlüsse: Zertifizierter Projektfachmann (Level D), Zertifizierter Projektmanager (Level C), Zertifizierter Senior Projektmanager (Level B), Zertifizierter Projektdirektor (Level A) 

Voraussetzung: Für die Projektmanagement-Grundausbildung (Level D) ist kein Erfahrungsnachweis erforderlich. Wer allerdings die nächsten Prüfungsstufen (Level C bis A) absolvieren will, muss seine Projekterfahrung belegen. Zum höchsten GPM-Abschluss, dem zertifizierten Senior Projektdirektor, sind nur Manager mit langjähriger Projekterfahrung zugelassen, die in ihrem Berufsleben bereits große Verantwortung getragen haben.

Prüfung: Der Level D ist ein reiner Wissenstest. In einer schriftlichen und mündlichen Prüfung werden theoretische Grundlagen vom Kandidaten abgefragt. In den höheren Levels steigern sich die Anforderungen. Für den Level A sind neben einer schriftlichen und mündlichen Prüfung auch die Teilnahme an einem Workshop und die Anfertigung einer Projektstudienarbeit erforderlich.

Preise: Level D: 650 Euro, Level C: 1650 Euro, Level B: 2100 Euro, Level A: 2750 Euro. Die Preise gelten bei der ersten Zertifizierung. Um den jeweiligen Titel führen zu dürfen, müssen in regelmäßigen Abständen Prüfungen erneut absolviert werden. Dann muss in jedem Level eine geringere Gebühr entrichtet werden.

Besonders anerkannt in: Europa und Asien

Info: www.gpm-ipma.deInternational Project Managers Association (IPMA)


Project Management Institute (PMI)

Abschlüsse: Certified Associate in Project Management (Stufe ), Project Management Professional (Stufe 2)

Voraussetzung: Während die US-Organisation in der ersten Ausbildungsstufe von Bewerbern lediglich einen Nachweis von 1500 Projektstunden fordert, muss ein PMP-Bewerber 36 Monate im Projektmanagement tätig gewesen sein und 4500 Stunden Projektarbeit geleistet haben.

Prüfung: Innerhalb von vier Stunden sind 200-Multiple-Choice-Fragen am PC zu lösen. Von den 200 Fragen werden nur 175 gewertet. Hat der Teilnehmer davon 141 Fragen richtig beantwortet, gilt die Prüfung als bestanden.

Preise: CAPM: 340 Euro für Mitglieder beziehungsweise 465 Euro für Nichtmitglieder, PMP: 340 Euro für Mitglieder beziehungsweise 465 Euro für Nichtmitglieder

Besonders anerkannt in: den USA

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