Weiterbildung Den Master nebenberuflich machen

Mit einem nebenberuflichen Master-Studiengang erarbeiten sich Berufstätige solides Wissen und schaffen sich somit weitere Optionen für einen Karrieresprung. Weiterbildungen mit Masterabschlüssen gewinnen in vielen Berufszweigen an Bedeutung und werden auch vom Arbeitgeber gefördert.

Britta Mersch | , aktualisiert

Sich auf jede Aufgabe bestmöglich vorzubereiten - das ist der Anspruch von Stephan Ensminger. Der 39-Jährige ist Herzchirurg an der Universitätsklinik in Erlangen. Bereits während seines Medizinstudiums suchte er sich für seine praktischen Stationen renommierte Institute im Ausland aus. An der Harvard Medical School verbrachte er etwa vier Monate im Bereich Kinderheilkunde, am John Radcliffe Hospital in Oxford widmete er sich der Inneren Medizin. Nach seinem Einsatz als Arzt im Praktikum in Tübingen nahm er sich drei Jahre Zeit, um in Oxford noch den Doctor of Philosophy, der dem Ph. D. entspricht, draufzusatteln. Und nur zwei Jahre später habilitierte er sich im Bereich der experimentellen Herzchirurgie und bekam im vergangenen Jahr eine Professur an der herzchirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen. "Ich wollte mir ein ordentliches wissenschaftliches Fundament aufbauen", sagt Ensminger zu seiner Lernmotivation.

Diese solide Basis ergänzt er jetzt um einen weiteren Bildungsbaustein, denn seit diesem Jahr ist er Geschäftsführender Oberarzt am Universitätsklinikum in Erlangen - muss sich also auch mit Themen beschäftigen, die eigentlich nichts mit der Arbeit eines Chirurgen zu tun haben. Zu seinen Aufgaben gehören nun auch die Kostenkalkulation und die Personalplanung.

Fernstudium erweitert das wissenschaftliche Fundament

Damit ihm dies gelingt, hat sich der Mediziner für eine weitere Ausbildung entschieden: An der TU Kaiserslautern hat sich Stephan Ensminger für den Studiengang Management von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen eingeschrieben, den die Absolventen mit einem Master-Titel beenden.

Dieses Fernstudium dauert vier Semester. Zu den Teilnehmern gehören Ärzte, Pädagogen oder Psychologen, die in Führungspositionen arbeiten - und die Kompetenzen mitbringen müssen, die sie in ihrem grundständigen Studium nicht erlernen. Rund 5000 Euro kostet die Zusatzausbildung insgesamt. "Das ist noch recht günstig", sagt Hans-Joachim Schubert, der Leiter des Studiengangs. Tatsächlich kosten viele weiterbildende Master-Angebote locker fünfstellige Summen.

Mit der Einführung der neuen Abschlüsse Bachelor und Master an deutschen Universitäten sind mittlerweile rund 4 000 neue Master-Studiengänge entstanden. Viele von ihnen wurden aus den schon bestehenden Magister- und Diplom-Angeboten entwickelt - und auch die WeiterbildungsAngebote wurden teils ganz neu konzipiert, teils ergänzt. Insgesamt machen die Aufbaustudien etwa zehn Prozent aller Master-Angebote aus, werden also noch recht stiefmütterlich behandelt. Der Grund: Die Hochschulen stecken noch mitten in der Reform, die Angebote der Weiterbildungssparte bleiben da leicht auf der Strecke.

Das Programm ist auf Leute mit Berufserfarhung ausgerichtet

Das Besondere an den weiterbildenden Studiengängen ist aber: Sie richten sich gezielt an Berufstätige, die während des zwei- bis viersemestrigen Studiums weiter ihren Job machen. Darin unterscheiden sie sich von den anderen Master-Studiengängen, den sogenannten konsekutiven, die an einen Bachelor-Studiengang anknüpfen und die rund 70 Prozent der neuen Master-Angebote ausmachen. Daneben gibt es noch eine dritte Säule, die nicht-konsekutiven Studiengänge, die inhaltlich eine neue Spezialisierung anbieten, für die man im Grunde genommen keine Berufserfahrung braucht. Viele Studenten wählen diesen Studiengang aber trotzdem erst, nachdem sie schon ein paar Jahre gearbeitet haben.

Verwirrend ist die neue Situation auch, weil die Titel eigentlich alle gleichwertig sein sollten - aber nicht alle gleich heißen. Am bekanntesten unter den akademischen Fortbildungen ist der "Master of Business Administration", besser bekannt unter dem Kürzel MBA. Bislang wurde der begehrte Titel vor allem von Business Schools verliehen. Das sind Spezialinstitute der Hochschulen, die eine umfassende Managementausbildung anbieten. Mit der Studienreform taucht der Titel MBA aber auch in Studienangeboten auf, die sich genau genommen gar nicht so nennen dürfen, weil es sich lediglich um eine spezialisierte Ausbildung handelt.

Diese bekommen eigentlich -obwohl sich in den Studieninhalten auch Managementtechniken finden - meistens den Master of Science, um sich vom klassischen MBA abzugrenzen. Ein Unterschied, auf den die Hochschulen durchaus Wert legen. So wie die Universität Bochum, die eines der ersten Weiterbildungsprogramme mit Master-Abschluss konzipiert hat und dafür den Titel Master of Organizational Management gewählt hat. "Wir verfolgen einen interdisziplinären Ansatz", sagt Institutsleiterin Uta Wilkens. So gehören zu den Studieninhalten neben dem klassischen betriebswirtschaftlichen Know-how auch Themen aus den Bereichen Soziologie, Politikwissenschaft oder Informatik.

Auch der Erfahrungsschatz der Teilnehmer soll genutzt werden

Wer sich für diesen Studiengang einschreiben will, muss mindestens einen Bachelor-Abschluss an einer Fachhochschule vorweisen. "Wir fordern außerdem eine Berufserfahrung von zwei Jahren, die dem Abschluss entspricht", sagt Uta Wilkens. Interessenten, die bereits einen Bachelor-Abschluss in der Tasche haben, sollten also nicht nur die Kopierarbeiten einesUnternehmens erledigen. Zu den Teilnehmern gehören vielmehr Personalleiter oder Geschäftsführer aus unterschiedlichen Branchen: Ingenieure und IT-Spezialisten zählen ebenso dazu wie Schulleiter, die Management-Know-how benötigen. "Wir achten darauf, dass möglichst viele unterschiedliche Menschen zusammenkommen", erklärt Uta Wilkens. So bekommen die Teilnehmer die Chance, auch voneinander zu lernen.

Zu Beginn des Studiums wählen die Teilnehmer Module, die sich mit ganz unterschiedlichen Themen beschäftigen. Etwa, wie sich ein Unternehmen erfolgreich umstrukturieren lässt oder wie Führungskräfte die Fertigkeiten der Mitarbeiter mit den Zielen des Unternehmens in Einklang bringen. Allen Modulen ist gemein, dass sie möglichst viele Praxisbeispiele aus dem Berufsalltag der Teilnehmer behandeln.

So wie die von Mischa Orlowski. Experimentierfreudig war der 32-Jährige schon immer: Erst machte er eine Lehre zum Tontechniker und startete ein Elektroingenieur-Studium, das er aber an den Nagel hing als er in einem Dortmunder Unternehmen in die IT-Administration einstieg. Es folgte ein Studium für Informationstechnologie an der privaten International School for Advanced Studies in Information Technology in Dortmund - und damit hätte sein Lebenslauf eigentlich perfekt sein können. "Irgendwann bekam ich aber Lust auf Neues", sagt Mischa Orlowski.

Also bewarb er sich bei einer Bertelsmann-Tochter in München, wo er im Projektmanagement aktiv wurde. Und noch einmal ganz von vorne anfing: Statt Computerfehler zu suchen, erarbeitete er Businesspläne und kümmerte sich um Marktanalysen. "In mir wuchs der Wunsch, für diese Aufgaben auch die nötige Qualifikation zu erwerben", sagt er. Seit 2006 ist er deshalb in Bochum eingeschrieben. Und hat zudem den Arbeitgeber gewechselt. Mittlerweile arbeitet er in einer Unternehmensberatung in Stuttgart, die viele Kunden der Automobilbranche betreut.

Jeder Student muss einsatzbereit sein

Orlowskis Zweitstudium ist zeitintensiv: Pro Semester muss der Student rund 50 Unterrichtsstunden einkalkulieren, die am Wochenende oder in einer Praxiswoche stattfinden. Dazu kommen noch die Selbstlernphasen zur Vorbereitung der Seminare und Klausuren. "Von den Studenten ist viel Eigeninitiative gefragt", sagt Professorin Ute Wilkens.

Rund 1 000 Euro Studiengebühren pro Jahr fallen an: Insgesamt belegen die Studenten zwei bis drei Module pro Semester. Wer zu Beginn des Studiums unsicher ist, ob dieses Pensum zu schaffen ist, kann sich zunächst für nur ein Modul bewerben: "So starten sogar die meisten", sagt Ute Wilkens. Eine Praxis, die besonders bei den Weiterbildungs-studiengängen üblich ist. Denn so können die Berufstätigen prüfen, ob sich das Studium neben Job und Familie überhaupt bewältigen lässt.

Diese Prüfmöglichkeit ist nur ein Kriterium, auf das Fortbildungswillige bei der Wahl ihres Studiengangs unbedingt achten sollten. Denn der modulartige Aufbau der Weiterbildung sorgt nicht zuletzt auch dafür, dass sich Teilnehmer finanziell nicht gleich für den ganzen Studiengang verpflichten, sondern nur jedes absolvierte Modul bezahlen müssen.

Der Arbeitgeber muss vom Vorteil der Fortbildung überzeugt werden

Was die Finanzierung der akademischen Fortbildung angeht, gibt es kein einheitliches Modell. Einige Studenten tragen die Kosten selbst, andere bekommen eine Finanzspritze vom Chef. Das hängt vom Überzeugungsgeschick des Fortbildungswilligen ab, dem es gelingt, den Vorteil seiner Weiterbildung für den Arbeitgeber zu betonen.

Neben dem modularen Aufbau noch weitere Qualitätskriterien für die Wahl des optimalen Master-Studiums zu finden, ist allerdings schwer. Orientierung bieten immerhin die Gütesiegel der insgesamt sechs Akkreditierungsagenturen, welche die neuen Studienangebote in Deutschland auf die Güte der Lehre und ihre Praxisnähe prüfen. "Die Akkreditierung verweist allerdings nur darauf, dass die Ausbildung den Mindeststandards entspricht", erklärt Frank Ziegele, Geschäftsführer des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh.

Ob ein Angebot das richtige ist, lässt sich deshalb oft nur im Selbsttest herausfinden. Das liegt auch daran, dass "viele Hochschulen bislang nur wenig Erfahrung im Weiterbildungssegment haben", sagt Frank Ziegele. Bislang hätten die Hochschulen noch gar nicht erkannt, welches Potenzial in ihren Angeboten steckt. Und welche bedeutende Rolle sie im Weiterbildungssektor für Berufstätige spielen könnten.

Weiterbildung erhält einen höheren Stellenwert

Auch beim Arbeitskreis Personalmarketing (dapm), dem zahlreiche Personalmanager von Konzernen wie BMW, Philips oder SAP angehören, ist man überzeugt, dass der Master-Titel bei der Weiterbildung von Mitarbeitern in Zukunft an Bedeutung gewinnt. Denn Absolventen könnten vom Uni-Know-how und dem Master-Titel auf der Visitenkarte sehr profitieren.

Dem Herzchirurgen Stephan Ensminger ist das schon gelungen. Der promovierte und habilitierte Herzspezialist schreibt zurzeit seine Master-Arbeit zum Thema "Kostenrechnung für eine experimentelle Versuchstiereinrichtung" - wenn neue Formen der Herzoperationen erst am Schwein oder Schaf durchgeführt werden. "Eine solche Einrichtung gibt es schon seit zwei Jahren", sagt der Herzchirurg, "aber niemand kannte sich mit der Kalkulation dieser Großtier-Experimente aus."

Das Studium in Kaiserslautern hilft Ensminger auch bei seiner Funktion als geschäftsführender Oberarzt. Viele der Techniken, die er im Studium kennenlernt, kann er auf seinen Klinikalltag übertragen. Etwa wie motivierend es ist, Mitarbeiter bei wichtigen Fragen mit einzubeziehen - so zum Beispiel, wenn neue Kollegen eingestellt werden. "Mir ist es wichtig, Wissen aufzubauen und durch Kompetenz zu überzeugen."

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