Was meint Klaus Landfried? "Nur wer sich anstrengt, kann auch gewinnen"

Überforderte Gymnasiasten und Bachelors mit Burnout: Ist der Druck auf junge Leute heute wirklich so groß oder fehlt eine Kultur der Anstrengung? Fragt sich Klaus Landfried.

Klaus Landfried | , aktualisiert

Wie kann man den globalen Wettbewerb als Staat, Unternehmen, Team oder auch als Einzelner überleben? Dazu gibt es zwei Hauptantworten: Die erste findet Wettbewerb unanständig, schwätzt von Gerechtigkeit und solidarischer Gleichheit, meint aber Gleichmacherei und Mittelmaß. Die zweite, freiheitliche Antwort, auch die meine, setzt darauf, dass wir uns den Herausforderungen des globalen Wettbewerbs stellen. Gewinnen wird in der Regel nur, wer etwas kann, wer sich nachhaltig anstrengt und dazu noch Glück hat.

Als Einer, der vor etwas über 40 Jahren ein gar nicht so erfolgloser Schwimmtrainer war, weiß ich, dass sportliche Erfolge neben dem nicht ersetzbaren Talent vor allem beharrliches Training voraussetzen. Letzteres aber braucht die tief sitzende Motivation, etwas zu leisten, auf dem Weg zum Erfolg mehr zu tun als andere und sich dabei auch wehzutun. Das herrlich befreiende Gefühl nach einer Anstrengung vermag alle Lebensbereiche des Menschen zu durchdringen. Die ihm zugrunde liegende Kultur der Anstrengung ist es, die wir heute mehr denn je in unserer Gesellschaft, vor allem aber im Bildungssystem fördern müssen, in einer Gesellschaft, die in den letzten Jahren infolge mangelnder Bewegung immer mehr zu dicke und weniger belastbare Kinder und Jugendliche hervorgebracht hat.

Vor diesem Hintergrund frage ich mich, ob denn wirklich Überforderung deutsche Schüler im achtjährigen Gymnasium oder Studierende in den (unnötig verschulten) Bachelor-Programmen belastet, oder ob hier nicht auch eine "fragmentierte", alsozu schwache Motivation, sich für eine Sache anzustrengen, die Probleme schafft. Dass junge Menschen Enormes leisten können, wenn sie gelernt haben, sich die richtigen Ziele zu setzen und für diese hart zu trainieren, ist belegt. Wer in seinem Beruf erfolgreich sein will, wird beim "Lebenslangen Lernen" härter als früher trainieren müssen, nicht nur für sich, sondern vor allem auch im Team und im Netzwerk. Dabei wächst mehr Solidarität als bei den Parolendreschern. Wer sich angestrengt hat, ist danach zufriedener als die ängstlich Geschonten. Die SOS-Kinderdörfer sind nicht von einem dem angeblich gerechten Mittelmaß verpflichteten Staat gegründet worden, sondern von Hermann Gmeiner, einem Mann, der gesagt und gelebt hat: "Alles Große in dieser Welt geschieht nur, weil jemand mehr tut, als er muss."

Klaus Landfried war von 1997 bis 2003 Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. Im Unruhestand betätigt sich der emeritierte Politikprofessor als Wissenschaftsberater und Headhunter.

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